Um 00:34 Uhr war es soweit: Die Pierer Mobility AG hat in einer recht übersichtlich gehaltenen Ad-hoc-Börsenmeldung für Klarheit gesorgt. Und für Erleichterung. Denn der akute Überlebenskampf des Motorradherstellers KTM sollte nun einmal ausgestanden sein. Man habe die Finanzierungszusagen für die bis Freitag notwendigen rund 600 Millionen Euro erhalten, hieß es in der Meldung. Ende der Woche endet die Frist, bis zu der diese Summe beim Masseverwalter erlegt werden muss, um den Gläubigern die im Rahmen des Sanierungsplans zugesicherte Barquote von 30 Prozent auszahlen zu können. Das ist jetzt möglich. Sanierungsverwalter Peter Vogl bestätigt ebenfalls, dass ihm diese Finanzierungszusage zur Bezahlung der Quote vorliege.
Entsprechende Informationen gab es auch seitens der Gläubigerschützer von KSV1870, AKV und Creditreform. Kurzer Rückblick: Ende November 2024 hatten die drei maßgeblichen KTM-Gesellschaften ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt. 1250 Lieferanten und Banken sowie 2600 Dienstnehmer haben Forderungen in der Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro angemeldet. Am 25. Februar nahmen die Gläubiger bei der Verhandlung im Landesgericht Ried im Innkreis mehrheitlich den Sanierungsplan an, der eben diese Barquote von 30 Prozent vorsieht. Würde das Geld bis Freitag, Schlag Mitternacht, nicht fließen, wäre ein Konkurs und eine KTM-Zerschlagung die Folge. Ein Szenario, das nun abgewendet werden konnte.
Derzeit steht die Produktion noch still
Nach der Nervenschlacht der vergangenen Wochen bringt die nächtliche KTM-Mitteilung zumindest auf dieser Ebene etwas Beruhigung in die Causa. Darüber hinaus wird aber öffentlich weiterhin überhaupt nicht kommuniziert. Wie berichtet, stammen die Mittel fast gänzlich vom indischen KTM-Miteigentümer Bajaj, was aber formal noch nicht bestätigt wurde. Bajaj hat sich aber ein 566 Millionen Euro schweres Darlehen gesichert, für das die US-Bank JPMorgan Chase, die DBS Bank aus Singapur und die Citigroup in New York geradestehen. Das wirft nun vor allem die Frage auf, ob sich dadurch künftig auch die Eigentümerverhältnisse hin zu einer indischen Mehrheit verschieben werden, was sehr realistisch ist.
Das hat in den vergangenen Tagen auch immer wieder Debatten ausgelöst, ob das zumindest mittel- bis langfristig weitere Produktionsverlagerungen hin nach Asien nach sich zieht. Bei dieser Frage hält das Zittern weiter an. Derzeit steht in Mattighofen, dem Stammsitz von KTM, die Fertigung still. Für die mehr als 3000 Beschäftigten wurde eine Regelung zur Reduktion der Vollzeitarbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche vereinbart. Dem Vernehmen nach gilt es aber als möglich, dass das Wiederanfahren der Produktion nicht erst im August, sondern früher erfolgen könnte, sofern die nötigen Komponenten verfügbar sind.
Abseits der Finanzierungszusage für die Gläubiger hält man sich mit Details zur Neuaufstellung und etwaigen künftigen Weichenstellungen aber allseits bedeckt. So wird nur preisgegeben, dass es einen Retter gibt, aber (offiziell) nicht welchen und es wird auch nur bekanntgegeben, dass es für KTM weitergeht, aber nicht wie. Ob Bajaj in weiterer Folge noch einen Investor an Bord holt, ist ebenso offen, wie die Frage, wie viele Anteile Stefan Pierer, aktuell noch Mehrheitseigentümer des Pierer-Bajaj-Vehikels, künftig noch halten wird. Auch in der grundsätzlichen Aufarbeitung der KTM-Pleite sehen einige Seiten noch Aufarbeitungs- und Aufklärungsbedarf.
KTM-Chef Gottfried Neumeister betont: „Die gesicherte Finanzierung ist ein starkes Signal für das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und unsere Marken.“ Sie sei „ein bedeutender Meilenstein für die Stabilisierung und den strategischen Neustart der KTM AG“ – insbesondere für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kunden, Händler, Partner und Lieferanten. An der Börse konnte die Aktie von Pierer Mobility – nach dem Montags-Kursfeuerwerk plus 20,43 Prozent – auch am Dienstag um rund fünf Prozent zulegen.