Der Motorradhersteller KTM fährt ab Montag das Werk in Mattighofen erneut für drei Monate herunter. Ab 1. Mai gilt für die Arbeiter und Angestellten eine 30-Stunden- Woche. Grund für die Stilllegung der Produktion seien fehlende Bauteile, bestätigte eine Sprecherin von KTM entsprechende Berichte der „Oberösterreichischen Nachrichten“ und des ORF.
„Von 1. Mai bis 31. Juli 2025 wird eine neue Betriebsvereinbarung in Kraft treten. Darauf hat sich der Vorstand in Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter und dem Betriebsrat nach guten und konstruktiven Gesprächen geeinigt. Die Betriebsvereinbarung sieht einerseits vor, dass die bei KTM übliche Sommerpause von August auf Juli vorverlegt wird. Zum anderen enthält sie eine Regelung zur Reduktion der Vollzeitarbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche mit aliquoter Anpassung der Lohn- und Gehaltsbezüge für den Gültigkeitszeitraum der Betriebsvereinbarung. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, die Arbeitsplätze trotz Sanierungsverfahren zu erhalten“, heißt es wörtlich in der Betriebsvereinbarung.
Lieferengpässe durch „abrupte Insolvenz“
In einer Videobotschaft hat der CEO und Vorstandsvorsitzende der KTM AG, Gottfried Neumeister, Mittwochabend die Belegschaft informiert. Als Grund für den neuerlichen Produktionsstopp werden Verzögerungen bei Materiallieferungen, die durch Liquiditätsengpässe im Zuge des Sanierungsverfahrens entstanden sind, genannt. Durch die „abrupte Insolvenz“ Ende 2024 habe man nur auf Lagerbestände im Haus und bei Zulieferbetrieben für 4200 Motorräder zurückgreifen können. Im Sanierungsverfahren sei es dann für 90 Tage nicht möglich gewesen, neue Verpflichtungen einzugehen. Nun herrschen Lieferengpässe, was zu dem neuerlichen Produktionsstopp führe. Neumeister zeigte sich zuversichtlich, dass das Werk im August wieder im Vollbetrieb auf vier Bändern produzieren könne.
Verzögerungen bei KTM-Rettung
Erst am Mittwoch wurde bekannt, dass es bei der KTM-Mutter Pierer Mobility im Rahmen der geplanten Sanierung zu Verzögerungen kommt. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung nächsten Freitag sollte es zu einer Kapitalerhöhung mit Bar- und Sachkapital kommen. Allerdings mussten diese Punkte von der Tagesordnung gestrichen werden, da die Kapitalmaßnahmen „nicht unter den vorgeschlagenen Konditionen und innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens“ umgesetzt werden können, teilte das Unternehmen mit.
„Die Gesellschaft arbeitet mit der Kernaktionärin an einer Alternative zur Aufbringung jenes Eigenmittelbetrages, der für die Erfüllung der Sanierungsplanquoten erforderlich ist, teilte Pierer Mobility weiters mit. Allfällige Kapitalmaßnahmen sollen bei einer späteren Hauptversammlung beschlossen werden.
600 Millionen Euro für Sanierung notwendig
Für die Sanierung der KTM AG, der KTM Components GmbH und der KTM Forschungs & Entwicklungs GmbH wurde eine Sanierungsplanquote von 30 Prozent, zahlbar bis zum 23. Mai 2025 in Aussicht gestellt. Dafür bedarf es 600 Millionen Euro. Zwar befinde man sich „in der Finalisierungsphase der Verhandlungen mit Eigen- bzw. Fremdkapitalinvestoren“, aber ohne verbindliche Finanzierungszusagen könne keine positive Fortführungsprognose erstellt werden, hieß es von der KTM-Mutter. Denn in so einem Fall müsste das Unternehmen zu Zerschlagungswerten bewertet werden. Daher wird auch die Veröffentlichung des Jahresfinanzberichts verschoben.
Gewerkschaft optimistisch
„Ich denke, es wird eine Zukunft der KTM in Mattighofen geben“, ist Wolfgang Gerstmayer, Geschäftsführer der GPA Oberösterreich optimistisch. Auch er betonte, dass die Lieferketten aufgrund der Insolvenz „mehr oder weniger zum Stehen gekommen sind“, man könne nicht produzieren. Dafür habe es eine betriebliche Lösung gebraucht und die sei nun gefunden worden. „Wir hoffen natürlich, dass mit 23. Mai ein Investor da ist, der dann die Fortführung der KTM absichert und auch den Standort in Mattighofen.“
Dennoch sei die Verunsicherung in der Belegschaft groß. „Die Beschäftigten bleiben jetzt das zweite Mal zu Hause, nachdem gesagt worden ist, die Produktion wird hochgefahren“, so der Gewerkschafter. „Und gerade in Zeiten, wo das Leben so teuer ist wie noch nie, wieder auf 20 Prozent des Gehalts zu verzichten, ist ein massiver Einschnitt.“ Dem Management streute er nach dem Abgang von Stefan Pierer allerdings Rosen: „Es sind jetzt neue Vorstände da, die gut arbeiten. Sie haben uns mit an Bord genommen, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen ist.“ Die Sozialpartnerschaft, die Pierer „nie wirklich aufkommen hat lassen“, sei „aufgelebt“ und es habe konstruktive Gespräche gegeben. „Ich habe auch den Eindruck, dass die handelnden Personen im Vorstand wirklich interessiert sind, dass das Unternehmen fortgeführt wird“, so Gerstmayer.