Die Fristen sind seit 25. Februar bekannt und unumstößlich: Die Gläubiger des Motorradherstellers KTM haben damals dem Sanierungsplan zugestimmt. Bis spätestens kommenden Freitag, Schlag Mitternacht, muss daher eine Barquote von 30 Prozent der einstigen Milliarden-Forderungen erlegt werden, in Summe geht es um fast 600 Millionen Euro. Gelingt das nicht, folgt umgehend ein Konkursverfahren, das dann zur Zerschlagung des Unternehmens mit Sitz in Mattighofen führen könnte. Klar war von Beginn an, dass es dafür einen Investor braucht.
In den vergangenen Wochen wurde daher „rund um die Uhr gekurbelt“, wie betont wird. Doch auch wenige Tage vor dem Entscheidungstag ist noch keine offizielle Information hinausgegangen. Nach zahlreichen, durchaus vielversprechenden Meldungen am Wochenende, hofften die Gläubigerschützer am Montag auf ein Update zur „Mission Kapitalbeschaffung“, zumal für 13 Uhr kurzfristig zu einer Gläubigerausschusssitzung geladen worden war. Doch der Termin soll sich eher auf Formalitäten rund um Vertragseintritte beschränkt haben, zur „causa prima“, also der Sanierungsplanfinanzierung habe es weiterhin keine Informationen gegeben, wie der Kleinen Zeitung im Anschluss – etwas irritiert – berichtet wurde. Statt Klarheit gab es Irritationen, so ein Kreditschützer. Man wisse noch immer nicht, „wie es nun in Hinblick auf Freitag ausschaut“.
Die Zuversicht, dass die Rettung bis zum Ablaufen der Frist gelingt, soll dennoch gegeben sein. In den vergangenen Tagen hatte das Finanzportal „NDTV Profit“, Teil der „New Delhi Television“-Gruppe, berichtet, dass KTM-Miteigentümer Bajaj aus Indien einen maßgeblichen Schritt zur Finanzierung gesetzt habe, heißt es unter Verweis auf eine Bajaj-Börsenmeldung.
Konkret habe man sich Kredite über umgerechnet 566 Millionen Euro gesichert, diese seien mit den Finanzinstituten wie JP Morgan Chase Bank NA, DBS Bank Ltd. und Citigroup Global Markets Asia vereinbart worden. Diese Mittel seien dann von der Bajaj Auto Limited der niederländischen Tochtergesellschaft „Bajaj Auto International“ gewährt worden. „Bajaj Auto International“ hält 49,9 Prozent an der „Pierer Bajaj AG“, die 74,9 Prozent der Aktien an der KTM-Mutter Pierer Mobility hält. „Laut den behördlichen Unterlagen sind die Mittel für Investitionstätigkeiten bestimmt, was Branchenanalysten als Unterstützung des Insolvenzplans der KTM AG interpretieren“, berichtet NDTV. Ob das bedeutet, dass Bajaj zum Mehrheitseigentümer aufsteigt, wofür einiges spricht, oder dann ein Teil der Anteile an einen Investor weitergereicht wird und was das für den Standort Mattighofen mittelfristig bedeuten könnte, ist unklar. Immer wieder wurde ja die kanadische Bombardier Recreational Products (BRP) als möglicher Interessent genannt. All das bleibt bisher aber noch offen, wie so vieles im KTM-Komplex.
An der Börse kamen die jüngsten Berichte, trotz ausstehender Bestätigungen, gut an. Die Aktie der Pierer Mobility AG legte am Montag um satte 20,43 Prozent zu.