Berichte über einen wichtigen Schritt zu einer erfolgreichen Rettung des insolventen Motorradherstellers KTM haben den Anlegerinnen und Anlegern offenbar Hoffnung gemacht: Die Aktien der KTM-Holding Pierer Mobility zogen am Montag im frühen Handel um knapp 23 Prozent auf 20,80 Euro und damit auf den höchsten Stand seit Mitte März hoch. Zu Mittag lag der Kurs noch knapp 16 Prozent im Plus.
Wie berichtet, soll sich der indische Miteigentümer Bajaj ein Darlehen gesichert haben, mit dem ein großer Teil – 566 Millionen der nötigen 600 Millionen Euro – der Quote für die Gläubiger beglichen werden soll, so ein Bericht der „Krone“, der sich auf das Portal „NDTV Profit“ bezieht. Für das Darlehen sollen die US-Bank JPMorgan Chase, die DBS Bank aus Singapur sowie die Citigroup, Hauptsitz New York, geradestehen. NDTV bezieht sich wiederum auf eine Börsenmeldung von Bajaj, es handle sich, so wird berichtet, „um ein unbesichertes Darlehen mit einer Laufzeit von einem Jahr“. Die Transaktion „erfolgt eine Woche vor Ablauf der Restrukturierungsfrist der KTM AG“, heißt es weiter. Konkret geht es um die niederländische Bajaj-Tochter „Bajaj Auto International“. Sie hält 49,9 Prozent an der „Pierer Bajaj AG“, die 74,9 Prozent der Aktien an der KTM-Mutter Pierer Mobility hält. NDTV berichtete bereits vor wenigen Tagen, dass die indische Mutter Bajaj Auto ihrer niederländischen Gesellschaft grünes Licht für eine weitere Kapitalzufuhr von 125 Millionen Euro gegeben habe.
Die Uhr tickt, denn bis spätestens 23. Mai müssen die 600 Millionen Euro bei Sanierungsverwalter Peter Vogl erlegt werden, sonst ist ein Konkurs unabwendbar.
Der Aktienkurs steht zudem wieder auf dem Niveau von Mitte Oktober, bevor das Unternehmen das Insolvenzverfahren oder den Bedarf einer zusätzlichen Finanzierung bekanntgegeben hatte. Auf 3-Jahressicht befinden sich die Aktien jedoch noch gut 70 Prozent im Minus.
Wird Bajaj zum Mehrheitseigentümer?
Diese weiteren Finanzierungen dürften Bajaj in Zukunft wohl auch mehr Mitspracherecht bei KTM einräumen – und könnten in eine Mehrheitseigentümerschaft münden. Ob sich abseits von Bajaj, das bei der Rettungsmission als Miteigentümer schon lange eine Schlüsselrolle spielt, ein weiterer Investor positionieren wird, muss sich zeigen.
Bajaj gehört zu den zehn reichsten Familien Indiens
Zum Kern des indischen Bajaj-Gesamtkonzerns gehören auch noch Finanzdienstleister, Versicherungen und Unternehmen der Branche Elektrik, Haushalt und Reisen. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat Bajaj 2024 unter die zehn reichsten Familien Indiens gelistet, geschätztes Vermögen: 23,4 Milliarden Dollar (knapp 21 Milliarden Euro).
Bajaj Auto gehört zur familiengeführten Bajaj Group, die 1926 von Jamnalal Bajaj, einem Vertrauten von Mahatma Gandhi, in Mumbai gegründet wurde. Bajaj Auto – 1945 als Bachhraj Trading Pvt. Ltd. gegründet und heute mit Hauptsitz im rund 160 Kilometer von Mumbai entfernten Pune - wird heute auf der Homepage als „Flaggschiff“ des Familienimperiums mit mehr als 40 Unternehmen bezeichnet. Unter Enkel Rahul des Konzerngründers stieg Bajaj Auto GmbH zum größten Motorradexporteur Indiens auf, laut eigenen Angaben habe man mehr als 18 Millionen Motorräder in 79 Ländern verkauft. Im März 2025 führte die Gesellschaft mit 30.133 verkauften Einheiten und einem Marktanteil von 25,8 Prozent den Markt für elektrische Zweiräder an.
2007 Einstieg bei KTM
2005 übernahm dann Rajiv Bajaj die Geschäftsführung, zwei Jahre später erwarben die Inder von KTM einen Anteil von 14,5 Prozent und führten die Innviertler Marke in Indien ein. Sukzessive erhöhte man über die Tochtergesellschaft Bajaj Auto International Holdings BV Netherlands den Anteil auf 48 Prozent, heute besitzt man 49,9 Prozent an der Pierer Bajaj AG, die wiederum knapp 75 Prozent an der KTM-Mutter Pierer Mobility hält. „Für uns ist KTM ein sehr großer Teil unseres Geschäfts in Hinblick auf den Ertrag, es ist sehr profitabel für uns“, haben die „Oberösterreichischen Nachrichten“ Rajiv Bajaj aus einem Interview vom Wochenende mit dem Medium MoneyControl zitiert. Dies würde man nicht „leichtfertig aufgeben“.