Die Spannung im KTM-Insolvenzverfahren steigt: Spätestens in einer Woche muss die 30-prozentige Barquote an die Gläubiger bei Sanierungsverwalter Peter Vogl erlegt worden sein. Das sind knapp 600 Mio. Euro, von denen bisher nicht bekannt ist, wie sie aufgebracht werden sollen. Passiert das nicht, ist ein Konkurs unausweichlich. Alle Akteure hatten sich zuletzt zwar wortkarg, aber optimistisch gezeigt, und auch die Börse scheint eher auf eine Rettung zu spekulieren.

Der Erlag der Quote ist der zweite Schritt im Sanierungsverfahren. Im ersten war am 25. Februar von den Gläubigern mehrheitlich der Sanierungsplan angenommen worden, wonach bis zum 23. Mai um 24 Uhr das Geld erlegt sein muss. Das sei ausnahmslos bindend, so Vogl gegenüber der APA. Anschließend habe noch die gerichtliche Bestätigung zu erfolgen. Eine Fristverlängerung sei gesetzlich ausgeschlossen, verstreiche die Frist sei das „Sanierungsverfahren sofort beendet“ und das Konkursverfahren werde eröffnet.

Börse eher optimistisch

Da mit einem potenziellen Investor üblicherweise Verträge abgeschlossen werden, bevor das Geld fließt, und diese das Unternehmen wohl zu einer Ad-hoc-Mitteilung verpflichten würden, ist nicht damit zu rechnen, dass erst in einer Woche Klarheit über einen möglichen neuen (Mit)eigentümer herrscht. Die Börse scheint jedenfalls eher auf eine Rettung zu setzen: Die Aktie der KTM-Mutter Pierer Mobility, die seit der Sanierungsplantagsatzung Ende Februar - wenn auch mit Schwankungen - kontinuierlich bergab tendierte, hat sich seit Anfang Mai wieder leicht erholt und lag bei Börsenschluss am Donnerstag bei 17,22 Euro.

Zuletzt wurde immer wieder über mögliche Geldgeber aus dem nordamerikanischen Raum spekuliert, auch der kanadische Konzern Bombardier Recreational Products (BRP), zu dem u. a. Marken wie Rotax, Ski-Doo oder Lynx zählen, wurde als potenzieller Mit-Investor gehandelt. Eine zentrale Rolle wird auch der Miteigentümer Bajaj aus Indien spielen, der bereits in der Vergangenheit Kapitalspritzen zugeführt hat. Die niederländische Bajaj-Tochtergesellschaft „Bajaj Auto International“ hält 49,9 Prozent der Anteile an der „Pierer Bajaj AG“, die wiederum 74,9 Prozent der Aktien an der KTM-Mutter Pierer Mobility AG hält

1200 Gläubiger meldeten Forderungen von rund 2,2 Milliarden Euro an

Ein Blick zurück in das Drama rund um den Motorradhersteller KTM: Die dunklen Wolken über dem Wirtschaftsimperium des Industriellen Stefan Pierer waren im Vorjahr recht rasch aufgezogen. Vor einem Jahr wirkte man noch „rennfit“, dann häuften sich Kündigungswellen und andere Hiobsbotschaften, Ende November ging es dann Schlag auf Schlag: Zuerst leitete die übergeordnete Pierer Industrie AG ein europäisches Restrukturierungsverfahren - ein neuartiges Vor-Insolvenzverfahren - ein. Wenige Tage später beantragten die KTM AG und die Töchter KTM Components sowie KTM F&E Sanierungsverfahren. Auch die Produktion wurde bei Lohn- und Gehaltseinbußen für drei Monate stillgelegt.

Bei der KTM-Prüfungstagsatzung im Jänner meldeten 1200 Gläubiger Forderungen von rund 2,2 Milliarden Euro an, im Februar akzeptierten sie den Sanierungsplan, wonach sie 30 Prozent Barquote bekommen sollen. Zwar schoss der indische Miteigentümer Bajaj mehrfach Geld zu, um die Fortführung des Werks abzusichern, mit Anfang Mai wurde die Produktion aber erneut heruntergefahren, weil die Lieferketten unter der Insolvenz gelitten hatten und man keine Bauteile mehr hatte.

Wieder sollen die Maschinen für drei Monate stillstehen und die Belegschaft bekommt neuerlich nur für 30 Stunden bezahlt. Danach hofft man, die Fertigung wieder hochfahren zu können. Voraussetzung ist aber, dass die Gläubiger bis 23. Mai ihr Geld bekommen – und dafür braucht es eben einen Investor. Der laufende Investorenprozess verzögerte sich zuletzt aber etwas. Aus einer angestrebten Kapitalerhöhung wurde vorerst nichts, aber die Aktionäre genehmigten in einer Hauptversammlung Ende April die Verpfändung der von der Gesellschaft gehaltenen KTM-Aktien. Damit soll Geld aufgebracht werden, um die Quote bedienen zu können.

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