Wie das Unternehmen Dienstagfrüh in einer Aussendung bekannt gab, wird der Chefwechsel bei der KTM AG nun endgültig vollzogen. Stefan Pierer legt mit dem heutigen Tag sein Vorstandsmandat zurück und übergibt die Führung vollständig an Gottfried Neumeister. Neu in den Vorstand gewählt wurde Verena Schneglberger-Grossmann, Prokuristin und Leiterin der Rechtsabteilung.
„Ich wünsche Gottfried Neumeister von Herzen alles Gute. Mit ihm habe ich den perfekten Nachfolger gefunden und bin fest davon überzeugt, dass er das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen wird“, so Stefan Pierer. Neo-CEO Neumeister dankt Pierer für dessen Vertrauen, „sein Lebenswerk weiterführen zu dürfen.“
„Versuch und Irrtum“
Pierer ist der „Mr. KTM“, ist erfolgreicher Architekt des Aufstiegs und nun Gesicht des bitteren Niedergangs. „Unternehmertum ist Versuch und Irrtum“, sagte Pierer einmal. „Beim Versuchen macht man natürlich Fehler. Da muss man das Glück haben, dass man die Fehler überlebt.“ Der Fortbestand des Unternehmens KTM scheint vorerst gesichert. Vor rund einer Woche haben, wie berichtet, die Gläubiger nach zähem Ringen dem Sanierungsplan zugestimmt.
Der Grat zwischen Risikobereitschaft, Selbstbewusstsein und Hybris ist in Pierers Universum ein schmaler. Sein Werdegang war nie stromlinienförmig. Aufgewachsen als jüngstes von vier Kindern auf einem Bauernhof im steirischen Etmißl (Bruck an der Mur) brachte er es bis zum Absolventen der Montanuniversität Leoben, die er 1982 als Diplomingenieur in Betriebs- und Energiewirtschaft abgeschlossen hatte. Heute ist er dort Vorsitzender des Universitätsrats und Ehrensenator. Einschneidend für seine bemerkenswerte Karriere war 1987 die Gründung der „Cross Industries“, einer Beteiligungsgesellschaft, die angeschlagene Unternehmen kaufte, sanierte und verwertete.
Risikoappetit war ihm aber tatsächlich nie fremd. „Du musst in schwierigen Zeiten Gas geben, jetzt kannst du Meter machen und vorangehen. Natürlich brauchst du dafür eine wetterfeste Unterhose, aber zaudern, fürchten und im Homeoffice einsperren? Dann kann ich meinen Unternehmensgegenstand aufgeben“, sagte er in Pandemiezeiten einmal zur Kleinen Zeitung. Die wetterfeste Unterhose war zuletzt aber nachweislich nicht bei der Hand, die Insolvenz erschüttert das Land und sein ohnehin erodierendes industrielles Fundamen