Die Rettung scheint geglückt, viele Fragen bleiben vorerst aber noch offen. Aber der Reihe nach: Die Pierer Mobility und ihre insolvente Tochter KTM haben Finanzierungszusagen zur Erfüllung der 30-Prozent-Barquote im KTM-Insolvenzverfahren erhalten, teilten sie in einer Ad-hoc-Mitteilung in der Nacht auf Dienstag mit. Auch Sanierungsverwalter Peter Vogl bestätigte, dass ihm eine Finanzierungszusage zur Bezahlung der Quote vorliege, die mit Dienstag datiert sei. Insgesamt geht es um ca. 600 Millionen Euro, die bis 23. Mai bei Vogl einlangen müssen, um einen Konkurs abzuwenden.
Bei KTM hält man sich mit Details noch bedeckt. Man wolle sich aufgrund des laufenden Signing-Prozesses und der entsprechenden Dokumentation vor dem 22. Mai nicht öffentlich zu den Einzelheiten äußern. Allerdings zeigte sich CEO Gottfried Neumeister erleichtert: „Die gesicherte Finanzierung ist ein starkes Signal für das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens und unsere Marken. Vor allem aber ist sie ein bedeutender Meilenstein für die Stabilisierung und den strategischen Neustart der KTM AG - insbesondere für unsere MitarbeiterInnen, Kunden, Händler, Partner, Lieferanten und die gesamte KTM-Community“, hieß es in einem schriftlichen Statement in der Nacht auf Dienstag.
Die Aktien von Pierer Mobility haben am Dienstag im Frühhandel an der Wiener Börse um 11,3 Prozent zugelegt und damit die satten Vortagesgewinne von rund 20 Prozent weiter ausgebaut.
„Fortführung des Unternehmens wirtschaftlich sinnvoll“
Die Gläubiger erhalten auf ihre anerkannten Insolvenzforderungen eine Quote von 30 Prozent, zahlbar binnen 14 Tagen nach rechtskräftiger Bestätigung des Sanierungsplans, teilen auch die Gläubigerschützer von KSV1870, AKV und Creditreform mit. „Als Bestätigungsvoraussetzung wurde vereinbart, dass bis längstens 23. Mai 2025 die finanziellen Mittel für die Ausschüttung der Quote beim Sanierungsverwalter hinterlegt werden. Ist das erfolgt, kann in weiterer Folge die Quote nach Rechtskraft des gerichtlichen Bestätigungsbeschlusses an die Gläubiger überwiesen werden. Es ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass die Überweisungen der Quoten an die Insolvenzgläubiger mit Ende Mai starten werden.“, so der Kreditschutzverband. „Aus Gläubigersicht ist die Fortführung des Unternehmens wirtschaftlich sinnvoll. Bei einer insolvenzgerichtlichen Schließung und Zerschlagung des Unternehmens würden die Gläubiger eine Verteilungsquote von knapp unter 15 Prozent erhalten“, so Karl-Heinz Götze vom KSV1870.
Geld dürfte von Miteigentümer Bajaj kommen
Es gilt allerdings als sicher, dass das Geld vom indischen Miteigentümer Bajaj kommt. Das Familienimperium hat seit dem Insolvenzantrag im November des Vorjahres bereits mehrfach Geld zugeschossen, um das Unternehmen am Leben zu halten und einen Konkurs abzuwenden. Insgesamt dürften es 200 Millionen Euro gewesen sein. Allerdings benötigt KTM noch weitere rund 600 Millionen Euro, um die Quote für die Gläubiger bedienen zu können. Dafür ging man auf die Suche nach einem Investor.
Statt von einem Außenstehenden dürfte KTM nun aber von einem Miteigentümer gerettet werden. Bajaj soll sich ein 566 Millionen Euro schweres Darlehen gesichert haben, für das die US-Bank JPMorgan Chase, die DBS Bank aus Singapur und die Citigroup, deren Hauptsitz in New York ist, geradestehen würden. Damit wäre die rechtzeitige Zahlung der Quote wohl gesichert. Das Geld muss bis Freitag, 23. Mai, bei Sanierungsverwalter Peter Vogl einlangen. Dann ist noch eine gerichtliche Bestätigung nötig. Der Gläubigerschutzverband Creditreform rechnet damit, dass das Geld vom Insolvenzgericht in der 2. Junihälfte an die Gläubiger überwiesen werde.
Florian Beckermann vom Interessenverband für Anleger (IVA) zeigte sich erleichtert: „Nach viel Theater setzt sich die indische Besonnenheit und Finanzkraft durch. Eine Erleichterung für Aktionäre, Mitarbeiter und die Region. Dass in Insolvenzen nicht immer alles geradeaus läuft ist klar, aber die Spekulationen nach der Hauptversammlung oder der Betriebsstillstand waren wenig hilfreich. Jetzt heißt es: Motorräder bauen und mit Gewinn verkaufen - nachhaltig“.
Offene Fragen
Offen ist, welche Auswirkungen die Geldspritze auf die Eigentümerstruktur haben wird. Es ist davon auszugehen, dass Bajaj etwas für seine Vorleistung haben will. Derzeit gehört die KTM AG zu 100 Prozent der Pierer Mobility AG, die wiederum zu 74,18 Prozent im Eigentum der Pierer Bajaj AG ist. An der Pierer Bajaj sind Stefan Pierers Pierer Industrie AG zu 50,1 Prozent und die Bajaj Auto International Holdings B.V. in den Niederlanden zu 49,9 Prozent beteiligt. Es wäre naheliegend, dass die Inder zulasten von Pierers Firmenimperium aufstocken und das Ruder übernehmen wollen. Ebenfalls offen ist, wie es mit KTM und seinen mehr als 3.000 Beschäftigten nach der Sanierung weitergeht - ob bzw. in welchem Umfang die Produktion in Mattighofen und die Jobs im Innviertel erhalten bleiben.
Ende November 2024 hatte KTM ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt. 1.200 Gläubiger meldeten Forderungen in der Höhe von rund 2,2 Milliarden Euro an. Am 25. Februar nahmen die Gläubiger im Landesgericht Ried im Innkreis mehrheitlich den Sanierungsplan an, der eine Barquote von 30 Prozent vorsieht. Langt das Geld bis 23. Mai nicht bei Sanierungsverwalter Peter Vogl ein, würde dies das Ende des Sanierungs- sowie die Eröffnung eines Konkursverfahrens bedeuten. Derzeit steht die Produktion in Mattighofen still, weil es infolge der Insolvenz zu Lieferengpässen kam und zu wenig Bauteile vorhanden sind.