Nach der Zinspause der US-Notenbank ist der Fed-Chef erneut in die Kritik des Weißen Hauses geraten. US-Präsident Donald Trump nannte Zentralbankchef Jerome Powell am Donnerstag „einen Narren“: „Zuspät(kommer) Jerome Powell ist ein Dummkopf, der keine Ahnung hat. Abgesehen davon mag ich ihn sehr!“, schrieb Trump auf seiner Social-Media-Plattform. Der Präsident verwies mit Blick auf die von ihm geforderte Zinssenkung auf sinkende Energiekosten und seine Zollpolitik.

Trump hatte Powell erst vor wenigen Tagen erneut gedrängt, die Zinsen zu senken. Der Fed-Chef betonte am Mittwoch nach dem Zinsbeschluss, die Zwischenrufe aus dem Weißen Haus hätten keinen Einfluss auf die Arbeit der Zentralbank: „Wir sind in einer guten Position, um abzuwarten und haben es nicht eilig.“ Die unabhängigen Währungshüter beließen den Leitzins in einer einstimmigen Entscheidung in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent.

Wohl keine Zinssenkung im Sommer

„Wir müssen abwarten, wie sich die Lage entwickelt“, sagte Fed-Chef Jerome Powell nach der Zinssitzung am Mittwoch auf die Frage eines Reporters, ob die Notenbank in diesem Jahr überhaupt die Zinsen senken sollte. Damit geht die Fed auf Kollisionskurs mit Trump, der vehement Zinssenkungen fordert. „Es gibt Fälle, in denen es angemessen wäre, die Zinsen dieses Jahr zu senken. Es gibt aber auch Fälle, in denen dies nicht angebracht wäre. Und wir wissen es einfach nicht“, sagte Powell.

Powell nannte Trumps Zölle und die damit verbundene Unsicherheit als Hauptgrund für das zögerliche Vorgehen. Die hohen Strafabgaben könnten zu einem Anstieg der Inflation, einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, warnte er. Seit Amtsantritt hat Trump hohe Zölle auf Waren aus aller Welt verhängt - und mit diversen Kehrtwenden Verunsicherung gestiftet.

„Im Moment sieht es so aus, als wäre es eine ziemlich klare Entscheidung für uns, abzuwarten und zu beobachten“, sagte Powell. Im März hatte die Fed für 2025 im Mittel einen Leitzins von 3,9 Prozent vorhergesagt. Das deutet auf zwei kleine Zinsschritte in diesem Jahr hin. Die nächste Prognose kommt im Juni.

Fachleute gehen mittlerweile davon aus, dass die Fed den Leitzins frühestens im Herbst antasten dürfte. Einige sehen überhaupt keine Bewegung in diesem Jahr. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Fed die Zinssätze für das gesamte Jahr unverändert lassen wird“, schreibt etwa Paul Ashworth, Chefvolkswirt Nordamerika bei Capital Economics.

Trump und Fed liegen über Kreuz

Die Aufgabe der Fed ist es, die Inflation in Zaum zu halten. Da Zölle wie eine Art zusätzliche Steuer auf importierte Waren wirken, treiben sie die Preise in die Höhe. Die Fed strebt eine Teuerungsrate von 2 Prozent an. Im März stiegen die US-Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 2,4 Prozent.

Hohe Zinsen sind ein Instrument gegen schnell steigende Verbraucherpreise. Denn teure Kredite dämpfen die Nachfrage, was idealerweise dazu führt, dass Unternehmen ihre Preise nicht mehr so stark erhöhen. Außerdem setzen höhere Zinsen mehr Anreiz zum Sparen.

Die Hochzinspolitik kann allerdings die Wirtschaft ausbremsen. Im ersten Quartal verlor die US-Wirtschaft deutlich an Fahrt und schrumpfte überraschend. Für Trump waren das keine guten Nachrichten - er wertete die Entwicklung als Nachwirkung der Wirtschaftspolitik seines Amtsvorgängers Joe Biden. Analysten zufolge geht der Rückgang aber vor allem auf einen starken Anstieg der Importe zurück, da Unternehmen versuchten, sich vor den erwarteten Zöllen Trumps mit Vorratskäufen einzudecken.

Trump ist ein Verfechter niedriger Zinsen. Der Republikaner erhofft sich, dass so die Aktienmärkte gestützt werden, die Staatsfinanzierung über Schulden günstiger und das Wirtschaftswachstum angekurbelt wird. Immer wieder greift er Fed-Chef Powell verbal an und fordert die Notenbank dazu auf, an der Zinsschraube zu drehen - bisher ohne Erfolg.

„Ein Einknicken gegenüber dem US-Präsidenten - zumal ohne eine glasklare ökonomische Indikation in Richtung geldpolitischer Lockerung - würde die Unabhängigkeit der Fed in der Wahrnehmung vieler Marktakteure beschädigen“, urteilte Elmar Völker, Analyst bei der LBBW nach der aktuellen Sitzung der Notenbanker.