Bevor die Kombinierer im Training ihren allerersten Sprung auf einer Skiflugschanze wagten, war der mächtige Kulm-Bakken in Bad Mitterndorf größtenteils noch in Nebel gehüllt. „Das war gar nicht schlecht, weil da habe ich nichts gesehen und es hat gewirkt wie eine K90-Schanze“, scherzte Franz-Josef Rehrl. Und weiter: „Ich war wirklich sehr nervös und habe auch ein bisschen gezittert, aber es ist dann nicht so schlimm, wie es vorher wirkt. Leider habe ich noch keinen Sprung so richtig getroffen“, bilanzierte der Ramsauer, der nach den beiden Trainings und dem provisorischen Wettkampfsprung mit 209 Metern seine persönliche Bestweite notierte.
Noch um einiges weiter ging es bei Johannes Lamparter, der gleich bei seinem Jungfernflug erst bei 232 Metern aufsetzte. „Es war unglaublich, Adrenalin pur! Respekt war da, Angst aber nicht. Grundsätzlich muss man ja das Gleiche machen wie beim Skispringen, man hat nur mehr Anlaufgeschwindigkeit und mehr Druck am Ski“, sagt der Gesamtweltcupführende, der sich gut vorstellen könnte, auf mehreren Skiflugschanzen einen Kombinierer-Weltcup auszutragen. „Wir haben gezeigt, dass wir das nötige Niveau haben. Super wäre, wenn wir uns beim alljährlichen Skisprungfinale in Planica anhängen könnten. Das wäre für uns ein Wettkampf mehr. Und ein gemeinsames Finale zu haben, wäre sicher etwas Geiles“, schwärmt Lamparter, der nach den Olympiastrapazen, wo er zweimal Silber und einmal Bronze geholt hat, gestehen muss: „Körperlich bin ich okay beieinander, energetisch bin ich aber echt am Arsch. Es waren zuletzt schon sehr viele Termine. Aber wenn viel los ist, ist es ein gutes Zeichen, weil dann ist man erfolgreich.“
Auch die übrigen Steirer zeigten große Flugbegeisterung: „Es war mega, auch wenn es noch nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstelle“, resümierte Martin Fritz, der mit 203 Metern ebenfalls den K-Punkt knackte und auch die verpassten Winterspiele mittlerweile verdaut hat. „Ich habe schon daran geknabbert und es hat eine Zeit gebraucht, bis ich mir wieder neue Ziele gesteckt habe. Jetzt steht für mich schon die Arbeit für die nächste Saison im Vordergrund.“
„Dann übernimmt der Automatismus“
Team-Youngster Paul Walcher bremste nach einem 202,5-Meter-Flug im Auslauf ab. „Vor dem ersten Flug war ich schon ein bisschen angespannt. Aber wenn man dann am Balken sitzt, übernimmt der Automatismus. Fliegen ist ein cooles Gefühl, aber es ist nicht so tragisch, wie man es sich im Vorhinein vorstellt“, sagte der 20-jährige Ramsauer, der dem heutigen Bewerb entgegenfiebert. Aufgrund der hohen Temperaturen wird vor allem der 7,5-Kilometer-Langlauf (6 Runden zu je 1,25 Kilometer) zur Herausforderung. Walcher: „Ich hoffe, dass sie noch salzen. Aber ich denke, ich spreche für viele Athleten, wenn ich sage: ‚Wir sind hier zum Fliegen, nicht zum Langlaufen‘.“