Nachdem US-Präsident Donald Trump den Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, zuletzt wiederholt massiv kritisiert hatte, herrschte vor der Zinssitzung am Mittwoch Hochspannung. Die Augen der Finanzwelt waren auf die Fed-Spitze um Powell gerichtet. Trotz Trumps Forderung, die Zinsen zu senken, hielten die US-Währungshüter still. Der Leitzinssatz wurde damit, wie erwartet, weiterhin in der Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent belassen. Damit bleibt das Zinsniveau zum dritten Mal in Folge unverändert, die Entscheidung ist einstimmig gefallen. Die Fed warnte vor einem wachsenden Risiko höherer Arbeitslosigkeit und Inflation für die Wirtschaft. In der Pressekonferenz sagte Powell: „Sollten die angekündigten hohen Zollerhöhungen anhalten, dürften sie zu einem Anstieg der Inflation, einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Die Auswirkungen auf die Inflation könnten nur von kurzer Dauer sein und auf eine einmalige Preisniveauverschiebung zurückzuführen sein. Es ist aber auch möglich, dass die inflationären Effekte länger anhalten.“ Die Unsicherheiten haben zugenommen, so Powell.
Heuer hat die US-Notenbank die Zinsen bisher unverändert gelassen. In der zweiten Jahreshälfte 2024 hatte die Fed die Zinsen noch um insgesamt einen Prozentpunkt gesenkt. Doch die Unsicherheit über die künftige Geldpolitik ist hoch. Vor allem die erratische Zollpolitik von Trump erschwert Prognosen. Angesichts des soliden Arbeitsmarkts und der niedrigen Inflation könne es sich die Fed aber leisten, geduldig zu sein, so Powell.
An den Börsen führten die Fed-Entscheidungen zu leichtem Auftrieb: Der Dow Jones schloss mit einem Anstieg von 0,70 Prozent auf 41.113,97 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 folgte mit einem Aufschlag von 0,43 Prozent auf 5.631,28 Zähler. Der Nasdaq Composite stieg nach einem schwächeren Verlauf um 0,27 Prozent auf 17.738,16 Einheiten.
Trump über Powell: „Mr. (Mister) Zu Spät“
Trump hatte zuletzt massiv Druck auf den 72-jährigen Powell ausgeübt und gefordert, einen Zinsschnitt zu veranlassen und den Banken eine günstigere Geldaufnahme zu ermöglichen. Trump schmähte den erfahrenen Zentralbanker zudem als „Mr. (Mister) Zu Spät“ und drohte wiederholt mit seinem Rauswurf, was er zuletzt relativierte und rechtlich außerdem kaum möglich ist. Trumps Tiraden verunsicherten aber die Anleger, zwischenzeitliche Kursverluste an den US-Börsen waren die Folge.
Fokus auf Inflationsentwicklung
Powell erachtete eine Zinssenkung als „zu früh“. Er verwies in den vergangenen Wochen auf die Risiken für Wachstum und Inflation, die von Trumps Zollpolitik ausgehen, was den Präsidenten zu neuer Kritik veranlasste. Fakt ist: Das Verbrauchervertrauen ist in den ersten hundert Tagen von Trumps zweiter Amtszeit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 gesunken, und im ersten Quartal ist die US-Wirtschaft unerwartet geschrumpft.