Auch wenn sie teils für volle Auftragsbücher sorgt, bereitet das Aus der PV-Umsatzsteuerbefreiung gerade Kopfzerbrechen. Betroffen sind nicht nur die Photovoltaikmodule und Speicher selbst, sondern auch Komponenten wie Wechselrichter, Blackout-Vorrichtungen sowie die Montage- und Installationsarbeiten. Grundsätzlich endet die „echte Umsatzsteuerbefreiung“ (umgangssprachlich Mehrwertsteuer) mit 31. März.
Als Übergangslösung „ersparen“ sich all jene künftigen Anlagenbetreiber die 20 Prozent, die den Auftrag bzw. Vertrag vor dem 7. März geschlossen haben. Nur in diesen Fällen bleibt für die Fertigstellung und Abnahme bis Ende des Jahres Zeit. „Die Situation hat kurzfristig einen Hype ausgelöst. Langfristig ist der ständige Wechsel schlecht für die Wirtschaft und Kunden. Es hat kaum ein Jahr gegeben, in dem die Richtlinien nicht geändert wurden“, sagt Daniel Kollnig von sun.e-solution aus Dölsach. 2024 habe der Osttiroler Sonnenstrom-Spezialist 1550 Kilowatt-Peak montiert. Auffällig sei, dass zwei Drittel der 150 Anlagen samt Stromspeicher errichtet wurden. Für Letztere sei der Fördertopf des Landes nun leer.
Förder-Stress: Branche steht unter Strom
In Kärnten soll im Sommer über den nächsten Fördercall informiert werden. Langfristige Planbarkeit über eine gesamte Legislaturperiode hinweg fordert auch Erich Tisch, der mit Elektro Tisch von Feld am See aus in den vergangenen Jahren Hunderte Anlagen realisiert hat: „Wir stehen gerade Kopf. Für Neukunden haben wir versucht, schnell zu reagieren, damit sie noch in die Steuerbefreiung hineinfallen.“ Man setze gerade so viele Projekte um, wie sonst bis Anfang Juni. Das Problem: „Die Betriebe können nicht einfach kurzfristig ihr Personal hoch- und niederfahren.“ Nun würden viele mit Aufträgen zuwarten, bis wieder klar ist, wann und in welcher Form der Fördercall der Abwicklungsstelle OeMAG zurückkehrt, der dem Nullsteuersatz nachfolgen soll.
Der Landesinnungsmeister der Elektro-, Gebäudetechniker Klaus Rainer betont, dass seitens der neuen Bundesregierung nach wie vor unklar sei, was hier kommt und wie dieser Anreiz neu aufgesetzt werden soll: „Viele spezialisierte Kollegen werden daher Einschnitte spüren, auch wenn sie aktuell mit dem Aufarbeiten im Stress sind.“ In den vergangenen Wochen habe die Branche nicht alle bedienen können, die noch kurzfristig ein PV-Projekt abschließen wollten.
„Im Neubausegment wird die Nachfrage hoch bleiben, vor allem in Kombination mit Wärmepumpen. Stark einbrechen wird das Interesse beim Nachrüsten“, ist Hubert Schenk, Sprecher der Unser Lagerhaus WHG, überzeugt. Der Wegfall der Begünstigung habe zuvor zwar sehr viele Anfragen ausgelöst, vor einem Jahr sei aber noch mehr umgesetzt worden.