Es bleiben turbulente Zeiten für die PV-Branche. „Die Tatsache, dass die alte Landesförderung gestrichen wurde, haben wir deutlich gemerkt. Weil die Kunden diese noch in bisheriger Höhe mitnehmen wollten, hatten wir in den vergangenen Monaten gut zu tun“, schildert Michael Jaindl, Geschäftsführer vom Photovoltaik-Komplettanbieter Kärnten Solar. Wie sich die niedrigeren Fördersätze auf den Investitionswillen von Privatkunden auswirken werden, sei noch schwer abzuschätzen. „Eigentlich erfolgt der Startschuss immer auf der Häuslbauermesse Ende Februar, aber wir sind bereits gut gebucht“, so Jaindl. Mittlerweile sei aber nicht mehr die nun niedrigere Landesförderung, sondern das drohende Aus der Steuerbefreiung bestimmendes Thema.
Obwohl die eigentlich bis Ende 2025 vereinbarte Mehrwertsteuerbefreiung unter einer FPÖ-ÖVP-Koalition vorzeitig enden dürfte, macht sich keine Krisenstimmung breit. Im Gegenteil: „Diese Aussichten sorgen gerade für einen künstlichen Boom, weil viele ihre PV-Anlage noch mit dem Steuervorteil bekommen wollen“, sagt der Kärnten-Solar-Chef.
„Volle Auftragsbücher“
Von „aktuell vollen Auftragsbüchern“ spricht Wolfgang Neuper, der auch zu Wochenbeginn wieder mehrere Anfragen erhielt. „Aktuell sind wir am Bau bis Anfang April ausgebucht“, sagt der Geschäftsführer von Sunworld Energietechnik. Alles danach sei noch ungewiss. Im Vorjahr habe man rund 1500 Solarmodule verbaut.
„Anfragen haben sich verdreifacht“
Branchenkollege Jaindl rechnet damit, dass sich ein Trend aus dem Vorjahr heuer fortsetzen wird: PV-Speicher. Diese seien bei Aufträgen mittlerweile Standard geworden. Das habe mehrere Gründe: Stromtarife würden zunehmend variabel, Einspeisen bringt weniger. Daher sei der Eigenverbrauch selbst erzeugter Energie noch attraktiver, was zudem die Netzbelastung reduziere. Wie berichtet, schraubt auch die Kelag ihre Einspeisetarife zurück. Zum Treiber der Nachfrage würden aber die höheren Netzkosten „spätestens nach dem Blick auf die erste Stromrechnung“ werden. Bei der Dimensionierung werde stärker auf den Eigenbedarf abgezielt.
Das sieht auch Andreas Schaller, Vertriebsleiter bei NES Natural Energy System, so: „Durch die höheren Gebühren sehe ich auch einen höheren Bedarf. Durch die Steuerzuckerl-Diskussion sind die Anfragen gewaltig gestiegen. Sie haben sich verdreifacht.“ Das kolportierte Ablaufdatum für den Anreiz – Ende April oder Ende Juni – erhöhe den Fertigstellungsdruck. Bei einem PV-Projekt über 20.000 Euro gehe es schließlich um 4000 Euro an Mehrkosten. Da einige ohnehin überlegen, energieunabhängiger zu werden, gebe es für 2025 einiges an Potenzial.