Es war schon zu erwarten, jetzt bestätigt der Alpenländische Kreditorenverband die tiefen Spuren, die die Konjunkturflaute 2024 in Kärnten hinterlassen hat. Das Jahr steht als Rekordpleitenjahr bei den Firmeninsolvenzen in Kärnten in der AKV-Bilanz. 376 Firmeninsolvenzen verzeichnete Kärnten 2024 insgesamt - ein Anstieg von 26 Prozent.
Kaum eine Branche blieb in Kärnten im Vorjahr von den Insolvenzen verschont. In der Gastronomie gab es in Kärnten doppelt so viele Insolvenzen wie 2023. Wegen der Schwäche am Bau mussten im verarbeitenden Gewerbe sogar viermal so viele Betriebe Insolvenz anmelden wie 2023. Auch in der Solar- und Photovoltaikbranche häuften sich kärntenweit die Insolvenzen, mit einer weiteren Zunahme wird gerechnet. Das höchste Insolvenzaufkommen verzeichnet der Handel, gefolgt von Gastronomie, Dienstleistungen und Bau.
Mit der Zunahme der Firmeninsolvenzen haben sich die Verbindlichkeiten von 122 (2023) auf 350 Millionen erhöht. Die Zahl der betroffenen Dienstnehmer hat sich von 582 (2023) auf 988 beinahe verdoppelt.
Private höher verschuldet
Bei den Privatinsolvenzen gibt es einen rückläufigen Trend. Die Zahl der Schuldenregulierungsverfahren ist in Kärnten 2024 von 662 auf 692 um rund vier Prozent gesunken, 640 Verfahren (davon 62 Prozent von Männern und 38 Prozent von Frauen) wurden eröffnet. Um 57 deutlich erhöht haben sich die mangels Masse abgewiesenen Schuldenregulierungsverfahren, was auf eine Verschlechterung der Verschuldenssituation Privater hindeutet. Die durchschnittliche Verschuldung von Privaten hat sich allerdings erhöht, von 95.600 auf 99.200 Euro.
Der AKV geht in Kärnten davon aus, dass der steigende Insolvenztrend sich auch bei wirtschaftlicher Erholung fortsetzen wird. „Auch wenn in Kärnten erste Zeichen einer Marktbereinigung hinsichtlich schwach finanzierter Unternehmen stattfindet, ist der Rückstau noch nicht abgearbeitet. Treffen wird es weiterhin Firmen, die sich früher aufgrund der jahrelangen Nullzinsphase für wenig Geld finanzieren konnten und eine Unsumme an Verbindlichkeiten angehäuft haben. Daher wird es 2025 zunehmend mittelständische Unternehmen treffen, die unter den stark gestiegenen Zinsen leiden. Durch das anhaltend hohe Insolvenzniveau ist ein Dominoeffekt nicht auszuschließen und wird weitere Firmen mitreißen und sich auch weiterhin auf alle Branchen auswirken. Der AKV rechnet daher für 2025 in Kärnten mit einem zunehmenden Anstieg der Firmeninsolvenzen in Richtung Niveau nach der Finanzkrise.“