„Tracht geht immer.“ Diese modische Einschätzung teilen mehr als ein Drittel der Kärntnerinnen und Kärntner. Ganze 42 Prozent führen Dirndl oder Lederhose zumindest einmal in der Saison aus. Im Bundesländer-Vergleich hat Kärnten damit die Nase vorn und liegt noch vor dem zweitplatzierten Tirol (37 Prozent). Das zeigt eine Umfrage von Willhaben unter 2100 Nutzern des Online-Marktplatzes.
„Kärntner sind Trachtenträger, vor allem anlassbezogen bei Kirchtagen, Wiesenmärkten, Geburtstagen und Sponsionen“, bestätigt Wolfgang Strohmaier von Strohmaier Trachten in Klagenfurt. Die nächste große Gelegenheit dazu bietet sich beim Bleiburger Wiesenmarkt dieses Wochenende. Dort ist der Fachhändler mit Gurktaler Wurzeln mit einer Modenschau, aber vor allem mit dem Werner-Berg-Dirndl samt neuer Schürze vertreten. „Im 10. Jahr kann man mittlerweile von Kult-Status sprechen. Wir haben es bereits bis zu den Salzburger und Bregenzer Festspielen verkauft“, schildert Strohmaier.
„Immer mehr Junge in Tracht“
Die Wiesenmarkt-Vorfreude zeigt sich auch in der Trachten Kaiser Mode Manufaktur in Wolfsberg und Velden: „Immer mehr Junge wollen in Tracht hingehen. Wöchentlich kommen zudem Kunden aus Kärnten und ganz Österreich, um sich für eine Hochzeit einzukleiden“, erzählt Junior-Chef Marcel Pachteu. Nach dem „Diskonter-Boom“ der vergangenen Jahre werde nun mehr zu hochwertigeren Modellen gegriffen. Besonders seit dem „Gackern“ laufe das Geschäft – verstärkt durch Landjugend- und Feuerwehr-Feste – gut.
Den größten Effekt hatte heuer wieder der Villacher Kirchtag. „Heuer wurden viel mehr Trachten gekauft. Der Trend geht wieder hin zu qualitativ hochwertiger Bekleidung“, bestätigt auch Ewald Opetnik, Eigentümer des Kärntner Heimatwerks. Beim jungen Publikum komme die Neuauflage des Kärntner Dirndl besonders gut an.
Spontankäufe nehmen zu
Der überdurchschnittlich hohe Stellenwert der Tracht in Kärnten zeigt sich auch anhand der Gegenprobe: nur weniger als ein Viertel gab an, selbst keine zu besitzen und kein Interesse daran zu haben. An ihnen dürfte also auch der Second-Hand-Trend vorbeigehen: 2225 Dirndl, 1135 Trachtenblusen und 487 Lederhosen werden kärntenweit auf Willhaben gelistet. Und Jahr um Jahr gehen mehr Anzeigen online.
Indes kaufen nicht nur die Kärntner fleißig in den heimischen Trachtenhäusern ein: „Viele Gäste aus Deutschland wollen ein Dirndl für die Kinder und die Mütter suchen sich dann gleich eines mit aus“, erzählt Heimatwerk-Geschäftsführerin Elisabeth Opetnik. Bei Strohmeier machen Urlauber gar ein Drittel vom Umsatz aus. Auch „spontane Lederhosen-Käufe“ Einheimischer nehmen wieder zu.