Wie soll man es drei Wochen ohne Smartphone aushalten? Dieses Experiment, an dem unter anderem das Bildungsministerium beteiligt ist, startet am 4. März. Der Verzicht wird wissenschaftlich begleitet, es gibt dazu drei Umfragen. Tausende Schülerinnen und Schüler, aber auch viele Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Österreich nehmen daran teil. Mit dabei sind unter anderem auch die Mittelschule in Anger und das Oberstufengymnasium in Birkfeld.
„Ich habe von dem Experiment gehört und ich dachte, wir könnten da mitmachen. Es ist eine gute Challenge, das Handy wegzulegen“, erzählt Lisa-Marie Ebner, Englisch- und Ethik-Lehrerin an der Mittelschule in Anger. 65 von den insgesamt rund 190 Kindern und Jugendlichen sowie die Lehrerinnen Lisa-Marie Ebner und Bianca Ponhold wollen ohne Handy und Social Media über die Runden kommen.
„Es ist eine freiwillige Sache“, betont Direktor Nico Redolfi. Er erzählt von einem Buben, der sich am Tag sieben Stunden mit dem Smartphone beschäftigt. Und davon, dass von den 190 Kindern maximal eines kein Smartphone hat. Die 10- bis 14-jährigen Kinder und Jugendlichen aus Anger können nun ihre Smartphones zu Hause oder in der Schule wegsperren lassen. „Wir starten am 4. März mit einem fiktiven Handy-Begräbnis“, schmunzelt Redolfi. Danach wird diese Aktion immer wieder auch im Unterricht angesprochen.
Außerdem: „Wir möchten das Soziale nicht nur in den Sozialen Medien ausleben, sondern auch im echten Leben“, ergänzt Ebner. „Deshalb besuchen wir auch das Seniorenheim.“ Zudem will man sich an einer Abfallsammelaktion beteiligen. Und nach den drei Wochen gibt es dann Pizza für alle, die auf Smartphones und Social Media verzichtet haben.
137 Jugendliche auf „Entzug“
In Birkfeld verzichtet fast das gesamte Oberstufen-Gymnasium für drei Wochen auf Smartphones und Social Media. 137 Schülerinnen und Schüler setzen sich selbst auf Entzug. Einzig zahlreiche Maturantinnen und Maturanten verzichten auf das Experiment. „Es sind auch mindestens fünf Lehrer mit dabei“, erzählt die Organisatorin Saida Strasser. „Eine Lehrerin und ein Lehrer rissen sich regelrecht darum, mitzutun.“ Saida Strasser unterrichtet nicht nur Deutsch, Psychologie und Philosophie, sondern auch „Mental Health“. Sie ist überzeugt davon, dass sich ein Verzicht auf Apps wie Instagram, TikTok und Co. gut auf die mentale Gesundheit auswirkt. „Ich bin selbst seit einem Jahr auf dem Handy frei von Social Media.“
Im Borg Birkfeld hat man bereits Erfahrung mit diesem sozialen Experiment: Schon im vergangenen Jahr tauschten etliche Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones gegen alte Tastenhandys. Für viele ein ungewohntes Erlebnis. „In den Ferien habe ich teilweise eine Bildschirmzeit von 8,5 Stunden gehabt“, schilderte damals eine 15-Jährige. Pro Tag, wohlgemerkt. Eine wichtige Erkenntnis einer 15-Jährigen nach dem dreiwöchigen Verzicht im Herbst 2025: „Ich hab ziemlich viele Bücher gelesen und hab gemerkt, ich kann mich besser konzentrieren.“