Inflation, Arbeitskräftemangel, Lieferengpässe und neue Arbeitswelt — die Herausforderungen in der heimischen Wirtschaft sind auch heuer wieder vielfältig. Unsere fünf Nominierten in der Kategorie „Wirtschaft und Forschung“ zur Wahl der „Köpfe des Jahres 2024“ in der Ost- und Südoststeiermark stellten sich mit Ideenreichtum und Engagement diesen Krisen.
Wem geben Sie Ihre Stimme? Hier können Sie abstimmen: https://specials.kleinezeitung.at/koepfedesjahres/steiermark
Alexander Gaugl
Das Unternehmen „Gaugl Metalle“ in Hartl hat bereits eine beachtliche Geschichte hinter sich. Angefangen als klassische Autowerkstätte in Pöllau, zählt der Betrieb von Alexander Gaugl inzwischen zu den größten „Schrotthändlern“ in Österreich. Dafür kauft der Unternehmer Aluminium, Kupfer, aber auch Altfahrzeuge oder Nirosta-Stähle, um die Materialien anschließend zu sortieren und zu trennen. Zusätzlich hat sich „Gaugl Metalle“ auch auf Recycling und Ressourcenschonung spezialisiert.
All das bescherte dem Oststeirer dieses Jahr auch einen Besuch vom Landeshauptmann, mit im Gepäck das steirische Landeswappen. Anlässlich des 50-jährigen Bestandsjubiläums des Unternehmens gab es eine feierliche Überreichung inklusive zahlreicher Ehrengäste.
Erwin Teller
Viele Menschen dürften die Produkte des Unternehmers Erwin Teller schon einmal gesehen oder in der Hand gehabt haben, ohne es zu wissen. Denn Teller gründete vor 20 Jahren die Firma Primason und veredelt dort Papier, Karton und Pappe. Rund zwei Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen in diesem Bereich pro Jahr.
Seit Dezember des vergangenen Jahres treibt ihn noch ein weiteres Projekt um: Im Zuge der Kika/Leiner-Insolvenz erwarb er den Gebäudekomplex der ehemaligen Kika-Filiale in Mühldorf (Gemeinde Feldbach) und betreibt diesen seither als Multifunktionsgebäude unter dem Namen „Multicenter Feldbach“. „Mir war es ein Anliegen, für diese leerstehende Immobilie eine sinnvolle Nachnutzung mit Mehrwert für alle Menschen in der Region zu entwickeln“, so Teller. Derzeit befinden sich dort das Sportgeschäft Hervis, eine Eisdiele, das Kika/Leiner-Restaurant sowie ein Kaffeehaus und ein Barbershop.
Leo und Christa Scherr
Leo und Christa Scherr führen die Geschäfte von Scherr Jungpflanzen, einem der größten Betriebe in der Jungpflanzen-Produktion Österreichs in der Gemeinde Deutsch Goritz. Kürzlich setzte der Familienbetrieb mit rund 60 Mitarbeitern (mehr als 100 in der Saison) den Spatenstich zu einem 4000 Quadratmeter großen Logistikzentrum mit Bürokomplex zur Verbesserung der Arbeits- und Produktqualität sowie zur Stärkung des Standorts. Für das generationenübergreifende Zukunftsprojekt – Sohn Julian und Tochter Laura sind bereits im Betrieb tätig – nehmen die Unternehmer rund 3,5 Millionen Euro in die Hand.
Produziert werden Jungpflanzen aller Gemüsearten, von Freilandsalaten über Sellerie bis hin zu veredelten Tomaten in den unterschiedlichsten Pflanzsystemen. Der Familienbetrieb produziert auch „erdelos“, also etwa auf Basis von Steinwolle oder Kokosfasern. „Wir sind in ganz Österreich die einzigen, die das anbieten“, weiß Leo Scherr.
Unser Sojahaus
2022 begab sich die aus Taiwan stammende, aber in Österreich lebende „Tofu-Königin“ des Burgenlands Shu-Chen Chuang auf Nachfolger-Suche. Diese fand sie in dem Bauleiter Kevin Wagner und der Grafikdesignerin Sabrina Leitner aus Hartberg. Das Paar ernährt sich seit sechs Jahren auf rein pflanzlicher Basis. „Wir haben uns sehr stark mit dem Thema auseinandergesetzt. Wir haben recherchiert, welche Lebensmittel es gibt, wie es mit den Nährwerten aussieht und was in welcher Form ersetzt werden kann.“
Die beiden stellen nun unter dem Namen „Unser Sojahaus“ in Hartberg verschiedenste Tofu-Produkte (unter anderem Sojasaucen, Sojaöl, Tofu natur, geräuchert und geselcht) aus heimischen Sojabohnen her. Die Produkte sind nicht nur in regionalen Bioläden sowie in diversen Hotels erhältlich – seit Kurzem findet man sie auch bei Interspar in ganz Österreich.
Josef Göbel GmbH
Der Familienbetrieb aus Fladnitz an der Teichalm gehört mit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den größten und modernsten Tischlereien des Landes. Bis zu 500 Projekte laufen gleichzeitig. Aufträge gab es im nahen Hotel Pierer ebenso wie in Kasachstan und New York, wo ein Penthouse gestaltet wurde. Im Schloss Schönbrunn wurden Restaurierungen vorgenommen, in Deutschland eine große Schuhmarktkette ausgestattet. Schlösser werden ebenso eingerichtet wie kleine Wohnungen. Die stylische Zentrale samt Werk, Firmenrestaurant und Mitarbeiterwohnungen ist im Almenland, in Wien werden zwei Möbelhäuser geführt, in Linz gibt es ein Büro.
„Wir decken ein breites Spektrum ab, machen alles auf Anfertigung. Jedes Möbelstück ist ein Unikat“, schildert Josef Göbel, der den Betrieb in der fünften Generation führt. Zum 150-Jahr-Jubiläum schenkte man sich heuer einen neuen Markenauftritt.