Der Walliser Spitaldirektor Eric Bonvin hat die Behandlung der jungen Patientinnen und Patienten nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana als emotional äußerst belastend geschildert. Das Drama habe auch „etwas Empörendes“. Das viel stärkere Gefühl sei aber das der Trauer. „Diese tiefe Emotionalität spüre ich bei allen Beteiligten - bei der Polizei, den Politikern, den Pflegenden und auch bei mir selbst. Wir alle sind ständig den Tränen nahe“, sagte Bonvin.
Derzeit befinden sich noch elf Patienten in seinem Spital, sagte er in einem Interview der „Sonntagszeitung“. Die meisten Opfer hätten schwere Verbrennungen im Gesicht und an den Händen. „Sie haben eine sehr lange Heilungsphase vor sich - und werden oft ein Leben lang durch Narben gezeichnet sein“, sagte der Spitaldirektor weiter. Sie seien im Moment auch mental äußerst verletzlich.
Kritik an Äußerungen auf Social Media
Große Sorgen bereiteten ihm „grausame Kommentare“ in den sozialen Medien, etwa, dass es sich bei den Opfern „sowieso nur um Reiche“ handle. Er hoffe, dass die Grausamkeit der Online-Netzwerke die Situation der Betroffenen nicht verschlimmere.
Der große Ansturm sei nun vorbei. Viele würden aber in etwa einem Monat zur Nachbehandlung und Rehabilitation ins Spital zurückkehren, weil die meisten Opfer aus dem Wallis stammten. Darauf bereite sich das Spital vor.
Solche Katastrophen seien für Profis Momente höchster Intensität. „Man tut einfach seinen Job. Das ist erfüllend, aber emotional äußerst belastend“, sagte Bonvin. Die Angst der Familien, der Schock der jungen Verletzten, die nicht wissen, was ihnen zugestoßen ist: All das sei schwierig zu verdauen. Dazu komme, dass viele Angestellte des Spitals in der Region lebten. Viele fragten sich deshalb, ob ihre Kinder oder Kollegen unter den Opfern seien.
Mehr als die Hälfte der Toten identifiziert
Nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana sind 16 weitere Todesopfer identifiziert worden. Es handelt sich um vier Schweizerinnen, sechs Schweizer, zwei Italiener sowie je einen italienisch-emiratischen, rumänischen, französischen und türkischen Staatsangehörigen. Sie sind zwischen 14 und 39 Jahre alt, teilte die Walliser Kantonspolizei am Sonntag mit. Für Freitag wurde ein nationaler Trauertag angesetzt.
Laut aktuellem Ermittlungsstand sind bei dem Großfeuer in einer Bar in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen. Bisher wurden 24 von ihnen identifiziert. Bei den weiteren Identifizierten handelt es sich um vier Schweizerinnen und vier Schweizer im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. 119 Personen erlitten überwiegend schwere Brandverletzungen.
Gegen die Betreiber des Lokals wurden Ermittlungen eingeleitet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Den Ermittlern zufolge wurde die Feuersbrunst offenbar durch Feuerwerksfontänen ausgelöst, die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Zimmerdecke gehalten wurden.
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Trauer auch um drei italienische Burschen (16)
Bei den ersten drei italienischen Todesopfern, die offiziell identifiziert worden sind, handelt sich um 16-jährige Burschen, bestätigte Italiens Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado. Zudem teilte der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana, mit, dass auch eine 16-jährige Mailänderin ums Leben gekommen ist. Eine offizielle Identifizierung steht in diesem Fall noch aus. Die Zahl der verletzten Italiener stieg von 13 auf 14. Neun von ihnen wurden bereits nach Italien ausgeflogen und werden im Mailänder Krankenhaus Niguarda behandelt.
Die 119 Verletzten konnten mit wenigen Ausnahmen formell identifiziert werden. Darunter sind 71 Schweizerinnen und Schweizer, 14 französische und elf italienische Staatsangehörige. Die meisten Patientinnen und Patienten befinden sich mit schweren Brandverletzungen in kritischem Zustand.