Wanderer, kommst Du nach Graz auf den Schloßberg: Wie hält es die Stadt mit der Geschichte? Seit Jahren herrscht in der steirischen Landeshauptstadt ein politisches Armdrücken: Soll man Straßen und Plätze umbenennen, oder die möglicherweise problematische Geschichte der Namensgeber mit Zusatztafeln kontextualisieren und den Hintergrund erklären. Soll man bei Denkmälern bedeutender Persönlichkeiten mit neuen Tafeln an deren Ehre kratzen? Auch beim Denkmal für einen der „Säulenheiligen“ der Sozialdemokratie, den zweifachen „Republikgründer“, Kanzler und Bundespräsidenten Karl Renner, ist neuerdings eine Zusatztafel zu finden. Diese „enthüllt“, dass er ein Antisemit gewesen sei und ein Befürworter des Anschlusses Österreichs an Nazi-Deutschland. Das ist in der Geschichtsschreibung Konsens. Aber es ist das erste Mal, dass Renner in der Alpenrepublik im öffentlichen Raum solcherart historisch kontextualisiert wird.
Denkmal-Tafel
Stadt Graz „enthüllt“ Karl Renners Antisemitismus
Der große Staatsmann und Sozialdemokrat war auch Befürworter des Anschlusses an Nazi-Deutschland. Daran erinnert eine neue Zusatztafel bei seinem Denkmal in Graz
© APA / Öst. Institut Für Zeitgeschichte