Von der international bekannten österreichischen Traditionsmarke zum Grazer Neuzugang: Es war ein durchaus gewagter Schritt, den ehemalige Sacher-Mitarbeiter unternommen haben. Sie haben nach dem Ende des Café Sacher im Grazer Rathaus die Räumlichkeiten übernommen und führen dort jetzt selbst das Café Herzog – ähnlich im Stil, aber doch ein bisschen anders.

Seit 8. August hat man wieder geöffnet, höchste Zeit also für einen (Wieder-)Besuch. Optisch fühlt man sich noch sehr ans Sacher erinnert, aber warum auch nicht – klassische Kaffeehaus-Einrichtung, Luster, roter Samtteppich und ein Klavier: Das passt auch perfekt zum neuen Konzept. Altösterreichisch die Belegschaft: Dem Akzent nach dürften einige der souveränen und fleißigen Kellner aus Ungarn stammen.

Das Lokal ist proppenvoll, obwohl Ende August die Stadt halbleer ist. Zu Mittag ohne Reservierung einen Tisch im Gastgarten direkt im Rathaus-Innenhof: Das ist ein Jackpot, der uns diesmal gelingt – hinter uns werden einige Gäste wieder abgewiesen oder nach innen verfrachtet. Speisekarte und erste Getränke bekommen wir flugs, dann fällt die Auswahl nicht leicht: Es gibt ein tägliches Mittagsmenü (leider allerdings fast nichts Vegetarisches dabei) und eine große Auswahl à la carte – mit all den Klassikern, die so ein Kaffeehaus bieten muss. Aus den Sacher-Würsteln wurden Herzog-Würstel (7,80 Euro), einen Schinken-Käse-Toast gibt‘s um 8 Euro. Man ist auf Touristen ausgerichtet, alle Gerichte werden auch auf Englisch angepriesen und erklärt.

Aus der Vorspeisenkarte lockt ein Kulmer Räucherforellentatar (16 Euro) mit „Buchweizenblini“, Zitrone, Joghurt, Dillöl und Forellenkaviar, das so fein aussieht und auch schmeckt, wie es klingt. Eine kleine, feine Vorspeise, über den Begriff „Blini“ kann man vielleicht streiten, aber es ist sehr knusprig und harmoniert perfekt mit dem gut abgeschmeckten Tatar und der säuerlich-sämigen Joghurtsauce. Ein bunter Pflücksalat (7 Euro klein) mit gerösteten Kürbiskernen, Radieschen und Karotten ist ganz frisch, das Kernöldressing ist dezent, aber doch gschmackig eingesetzt.

Das „Original Wiener Kalbsschnitzel“ (24 Euro für ein kleines, 29 für ein großes) mit Petersilienerdäpfeln, Preiselbeeren und Zitrone ist handwerklich schwer in Ordnung und mit guten Zutaten zubereitet, der Eierschwammerlrahm mit Brezen-Knödel (23 Euro) ebenfalls ordentlich abgeschmeckt und sowieso nicht zufällig ein vegetarisch-österreichisches Lieblingsgericht.

Geschmeckt hat es also gut, das Preis-Leistungs-Verhältnis geht für so eine Lage auch in Ordnung, das Personal ist flott, bemüht und geht auf die Wünsche der Gäste ein. Trotzdem gab‘s am Testtag einen Haken: Es hat leider viel zu lange gedauert, bis wir unser Essen bekommen haben. Das kann passieren – wie uns dann erklärt wird, war die Küche mit dem riesigen Gäste-Ansturm an diesem Tag völlig überfordert. Wichtig ist uns vor allem, wie das Personal damit umgeht, und das ist vorbildlich: Man entschuldigt sich, und bringt uns sogar ein Gratis-Getränk (tolle Rosenlimonade!) als Entschädigung fürs lange Warten. Außerdem ist man, wie uns erklärt wird, dabei, hier noch an ein paar Schrauben zu drehen, um auch für mehr Gäste gerüstet zu sein.

Was ist sonst noch wichtig? Es gibt natürlich eine große Auswahl an Kuchen und Torten, die alle köstlich ausgesehen haben. Und Frühstück: Wie „Katharina von Burgund“ (Kulmer Räucherlachs, Zitrone, Oberskren, Heumilchbutter um 17,90 Euro), „Elisabeth von Aragón“ (Gemüse, Hummus und Gebäck um 12,90 Euro) oder „Erzherzog Johann & Anna Plochl“ als Deluxe-Variante für zwei Personen mit allem, was die Frühstückskarte so hergibt, um 56 Euro.

Café Herzog in Graz: Kontakt und Öffnungszeiten

Café Herzog, Herrengasse 6, Graz

Geöffnet Montag bis Samstag: 8.30 bis 22 Uhr (Küche 9 bis 18 Uhr), ​​​
Sonn- und Feiertag: 9 bis 19 Uhr (Küche geschlossen)

Telefon: +43 316 375537
E-Mail: genuss@cafeherzog.at
www.cafeherzog.at