Vor 15 Jahren spazierten hier spätabends Gäste auf ein Bier und einen Toast hinein, dazu vielleicht ein kleines Plauscherl mit Wirt Heinz Endthaller und eine Streicheleinheit für seine Katze. Nun findet sich vor dem alten Kultbeisl „Maykäfer“ ein Bauzaun samt Absperrband. Das Lokal ist schon seit vielen Jahren geschlossen, dass das 1863 von Baumeister Jakob Bullmann (u. a. Seifenfabrik) für einen k.k.-Offizier erbaute Haus von zwei auf fünf Geschoße aufgestockt wird und sich in einen Wohnbau mit zehn Wohnungen verwandeln wird, ist seit Langem bekannt, auch die Kleine Zeitung berichtete.
In der Nacht auf 29. Juni sind jetzt im Inneren die Geschoßdecken eingestürzt, die Berufsfeuerwehr Graz war vor Ort und sicherte das Gebäude, das wegen Gefahr im Verzug nicht mehr betreten werden darf. Derzeit ist ein Sachverständiger damit beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, bis Anfang August soll dieses vorliegen. Wie es nun mit dem Gebäude weitergeht, ist damit unklar – Bauträger Imvea war auf Kleine-Zeitung-Anfrage nicht erreichbar, die Unterseite auf der Homepage, die das Wohnbauprojekt ausführlich und mit Renderings illustriert darstellte, ist kürzlich offline genommen worden.
So geht es im Gehringer weiter
Alte Gasthäuser wurden im Lauf der Geschichte freilich immer wieder umgebaut oder ganz abgerissen, Beispiele wie jenes des liebevoll restaurierten „Wildmoser“ im Lend sind selten. Aktuell ist etwa beim „Gruberwirt“ in Mariatrost ein großes Bauprojekt in Vorbereitung, und in der Elisabethstraße stehen beim ehemaligen „Laufke“ dem Vernehmen nach alle Zeichen darauf, dass die hundert Jahre dauernde Wirtshausgeschichte an dieser Adresse künftig nicht mehr fortgesetzt wird.
Die lange Gasthaustradition an der Ecke Keplerstraße und Josefigasse, im ehemaligen „Schwizen-Gülthof“ aus dem 17. Jahrhundert, hat schon 2023 mit der Pensionierung der Wirtsleute im „Gasthaus Gehringer“ für immer geendet. Obschon, seit Mai 2024 läuft hier eine fröhliche Zwischennutzung: Die Grazer Biermarke „Eule“, die in der früheren Werkstatt im Innenhof auch ihr Lager untergebracht hat, lädt an ausgewählten Tagen zu Events im „GRNGR“, wie man die improvisierte Partylocation nun nennt – am 19. Juli ist es mit dem Open Air „Discoteca Amore“ wieder so weit. Dazu sind auf den Mauern in der Zwischenzeit zahlreiche Streetart-Werke entstanden – ein riesiger gelber Smiley von Gernot Passath sorgt am Dach für ein Lächeln der Passanten, eine riesige Uno-Karte von Jürgen Gritzner in der Keplerstraße für erstaunte Blicke.
Wie lange es den derzeit wohl spannendsten Feier-Ort in Graz noch geben wird, steht noch nicht ganz fest, das „Eule“-Team um Anton Krispler hofft aber, im Spätherbst noch einige Partys veranstalten zu können. Klar ist aber auch, es ist ein Ort, den man mit Erlaubnis der neuen Besitzer nur auf Zeit nutzen kann, denn der Abbruchbescheid für das Haus liegt schon lange vor.
Beim wenige Straßen weiter in Lend ansässigen Bauträger „Wohnraumwerk“, der das Projekt mit der Jörg Jandl GmbH entwickelt, rechnet man damit, 2026 mit dem neuen Bauprojekt starten zu können, dieses sei praktisch baubewilligt. Auf den Grundstücken, die ein Wohn- und ein Gasthaus sowie eine Werkstatt beherbergten, entsteht ein Ensemble aus vier Baukörpern mit Platz für 50 Wohnungen und drei bis fünf Gewerbezonen nach Plänen des Grazer Büros Innocad. Bei den Renderings sticht eine begrünte Wand, die die Baukörper verbindet, besonders ins Auge. Als Besonderheiten hebt Prokuristin Berit Senger die tiefen Gärten und großen Terrassen und Balkone hervor, und: „Es wird eine Begegnungszone im Haus für alle Bewohner mit Terrasse, Garten und Gemeinschaftsraum geben, außerdem einen Mix aus Kleingewerbe und Wohnen, also Wohnen und Gewerbe in einer Einheit.“