„Weiblichkeit statt Feminismus“ steht in Frakturschrift auf braunem Hintergrund. Darunter eine Frauenfigur, sie trägt blonde Zöpfe, rote Lippen, ein weiß-blau-gepunktetes Kleid und hebt ein blondes Kleinkind hoch.
Assoziation zum Dritten Reich
Es erinnere „an Flugblätter des Dritten Reiches“, sagt Katharina Scherke von der Uni Graz. Die Soziologin ordnet frauenfeindliche Strömungen für die steirische Antidiskriminierungsstelle ein. Dort werden aktuell mehr und mehr Fälle solcher Sticker im öffentlichen Raum gemeldet. „Sie kleben in Grazer Parks, Toilettenanlagen und auf Hausmauern“, sagt Daniela Grabovac, Leiterin der Präventionsstelle.
Ein reduziertes Bild der Frau
Grabovac fürchtet „einen Backlash in die 50er-Jahre“. Bis vor kurzem gab es solche Sticker nicht in Graz. Die Botschaft sei klar, Frauen sollen Mütter werden und gehören hinter den Herd. Das Problem sei, dass „durch die Zeichnung Weiblichkeit mit Mutterschaft gleichgesetzt wird, was das Frausein auf eine einzige Dimension reduziert“, erklärt Soziologin Scherke.
Das Feminismus-Dilemma
Bedenklich findet Scherke, abgesehen von der Assoziation zu NS-Flyern: „Die Kernaussage suggeriert einen Gegensatz zwischen Weiblichkeit und Feminismus. Damit wird dem Feminismus eine Haltung untergeschoben, die nichts mit den Inhalten des Feminismus oder feministischer Strömungen zu tun hat.“ Feminismus habe die Gleichberechtigung aller Menschen zum Ziel und wolle Diskriminierung beziehungsweise Sexismus entgegenwirken.
Doch weltweite, politische Entwicklungen zeigen, dass patriarchale Strukturen punkten. In Amerika regiert bald ein Präsident, der für seine sexistische Rhetorik bekannt ist. Der rechtsextreme Aktivist Nick Fuentes ging nach der US-Wahl mit einem Video viral, in dem er mit den Worten „your body, my choice“ auf das Abtreibungsverbot anspielte. Der Körper gehöre der Frau, die Entscheidung sei seine, so die Aussage.
Antifeminismus bleibt Thema
Antifeminismus ist ein Thema, das belegt auch eine aktuelle Studie aus Deutschland. Von befragten 2500 Personen (zur Hälfte Männer und Frauen, zwischen 16 und 92 Jahren) stimmt rund ein Viertel der Aussage zu: „Durch den Feminismus werden gesellschaftliche Harmonie und Ordnung gestört.“ Jede vierte Person denkt auch, dass sich „Frauen wieder mehr auf die Rolle als Ehefrau und Mutter besinnen“ sollen (Leipziger Autoritarismus-Studie 2024).
Fragwürdige Online-Trends
Ein anderer fragwürdiger Trend, der sich in dem Zusammenhang in den sozialen Medien seit geraumer Zeit verbreitet, sind die sogenannten „Tradwives“ („traditionelle Hausfrauen“).
Podcast
Was der Mann begehrt, wird im Handumdrehen erfüllt: Dabei verkaufen sich die Tradwives – hinter denen eine perfekte Marketingkampagne steckt – perfekt gestylt wie aus einer 50er-Jahre-Werbung. Die Butter zum Kochen wird erst selbst handgemacht, der Mozzarella für den Salat auch, alles im Abendkleid. Logisch.