Entscheidung im ÖSV-PräsidiumKarl Schmidhofer soll Peter Schröcksnadel nachfolgen

Nicht Michael Walchhofer oder Renate Götschl sollen ihm folgen, sondern Karl Schmidhofer, Präsident des steirischen Verbands. Sein Name war erst nach stundenlangen Verhandlungen des Wahlausschusses in Anif aufgetaucht.

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Karl Schmidhofer
© APA/BARBARA GINDL
 

Nach zähem Ringen haben sich die Landesverbands-Chefs des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf einen Überraschungsmann als Nachfolger des scheidenden Präsidenten Peter Schröcksnadel geeinigt. Nicht Michael Walchhofer oder Renate Götschl sollen ihm folgen, sondern Karl Schmidhofer, Präsident des steirischen Verbands. Sein Name war erst nach stundenlangen Verhandlungen des Wahlausschusses in Anif aufgetaucht.

Eigentlich hätte die Entscheidung zwischen den Ex-Rennläufern Walchhofer (46/Salzburg), zugleich ÖSV-Vizepräsident, und der Steirerin Götschl (45) fallen sollen. Weil sich das in einem Hotel ab 16.00 Uhr tagende Gremium aber offenbar nicht einig werden konnte, wurde Schmidhofer, selbst Teil des Wahlausschusses, aus dem Hut gezaubert. Sein Name war auch in den vergangenen Wochen im Zusammenhang mit einer möglichen Schröcksnadel-Nachfolge nicht kolportiert worden.

NR-Mandat zurücklegen

Der 59-jährige Onkel der ehemaligen Super-G-Weltmeisterin Nicole Schmidhofer, der für die ÖVP auch im Nationalrat sitzt, erhielt sechs Stimmen, Tirol, die Steiermark und Vorarlberg enthielten sich. Der Unternehmensberater war u.a. Geschäftsführender Gesellschafter der Lachtal Seilbahnen (1993-2014) und Kreischberg Seilbahnen (2001-2014), Eigentümer u. Geschäftsführer der Lift GesmbH St. Lambrecht - Grebenzen (2015-2018) und Geschäftsführer der Hauser Kaibling Seilbahn (2019). Im Fall seiner Wahl wolle er sein NR-Mandat zurücklegen, um sich voll und ganz dem ÖSV zu widmen, erklärte er im Anschluss an die Sitzung. Auch wenn es eine ehrenamtliche Aufgabe sei, der ÖSV-Präsident sei für ihn ein Fulltimejob: "Ich weiß, was das für eine große Aufgabe ist. Und das wäre mit dem Nationalrat, dem großen Aufwand in Wien, für mich zumindest nicht vereinbar."

Mit der Festlegung auf einen Kandidaten wurde eine Kampfabstimmung vermieden. Schmidhofer, der am Dienstag von Niederösterreichs Landespräsident Wolfgang Labenbacher nominiert wurde, dürfte nun am 19. Juni bei der Länderkonferenz in Villach von den Stimmberechtigten ins Amt gewählt werden. Ob auch Schröcksnadel mit der Wahl leben kann, bleibt unklar, die ihm nahestehende Verbände Tirol und Vorarlberg haben sich bei der Abstimmung enthalten, ebenso Schmiedhofers Verband, die Steiermark. Hier muss noch geklärt werden, ob nicht Renate Götschl weiter unterstützt wird.

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Sie kommt - sie kam nicht

Die Entscheidung um ca. 1.35 Uhr war der Höhepunkt eines ereignisreichen Tages, der mit der Präsentation Walchhofers begonnen hatte. Im Anschluss wurde Götschl, die - laut Medienberichten, weil sie die Einladung zu spät erhalten habe - in Anif nicht anwesend war, aufgefordert, sich doch zum Untersberg zu begeben. Zumindest erklärte Salzburgs Landesverbandspräsident Bartl Gensbichler gegen 19 Uhr im ORF, Götschl sei auf dem Weg. Eine Stunde später war dann wieder alles anders, Götschl habe abgelehnt, berichteten die "SN". Nach einem Abendessen gegen 19.30 Uhr nahm das Gremium schließlich gegen 20.30 seine Arbeit wieder auf.

Welche Rolle Schmidhofer spielen wird, bleibt abzuwarten. Geht es nach den Medienberichten und öffentlichen Äußerungen diverser Protagonisten in den vergangenen Wochen, hegt Schröcksnadel den Wunsch, über den neuen Präsidenten weiterhin Einfluss auf die wirtschaftlichen Gesellschaften des Ski-Verbandes haben zu wollen.

Riss durch die Landesverbände

Walchhofer, der sich schon vor längerem zur Kandidatur entschlossen hatte, hatte stets betont, dass der neue ÖSV-Präsident Letztentscheidung in allen Bereichen des ÖSV haben müsse. Seine ehemalige Schul- und Teamkollegin Götschl (45) war erst im April und etwas überraschend vom steirischen Verband nominiert worden. Sie sei die Aktuellste in einer Reihe von Schröcksnadel forcierter Kandidatinnen, glauben deshalb viele. Das heftige Ringen im Wahlausschuss am Dienstag widerspricht jedenfalls nicht der These, dass wegen der unterschiedlichen Interessen im Hintergrund ein Riss durch die Landesskiverbände gegangen ist.

Rücktritt "aus persönlichen Gründen"

Nur einen Tag vor dem Wahlausschuss-Treffen war am Montag Oberösterreichs Langzeit-Präsident Friedrich Niederndorfer mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, ohne dies aber wie von einigen Medien sofort vermutet mit der Schröcksnadel-Nachfolgediskussion in Verbindung zu bringen. Der Rücktritt sei ausschließlich aus persönlichen Gründen erfolgt, hieß es. Vizepräsident Bernhard Zauner vertrat den LSV OÖ im Wahlausschuss. Man stehe weiter geschlossen hinter Walchhofer, wurde versichert.

Schröcksnadel (79) will zwar im Council des Internationalen Skiverbandes (FIS) bleiben, kandidiert aber im Juni nach 31 Jahren nicht mehr als ÖSV-Präsident. Seine Nachfolgeregelung verläuft wegen der Hintergründe turbulent. Es gehe um Macht und Einfluss bei den Gesellschaften des ÖSV, so ein ehemaliger ÖSV-Funktionär.

Kommentare (42)
597d9dec92ec7a16808b398aa9fdf4a7
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Erbärmlich und peinlich

Wie das alles abläuft. Das es keine weiteren Kandidaten für so ein Amt gibt ist wohl ein inzüćhtiges Bekenntnis.

Dianthus
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Wo kommen wir hin!

Bei manchen Kommentierenden kommt es mir vor als wollen sie den ÖSV-Präsidenten selbst wählen. Was folgt als nächstes die Forderung den Trainer der Österreichischen Fußball-Nationalmannschaft zu wählen???

unterhundert
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Da Nominiert der St. Schisportverband,

die Fr. Götschl, die angeblich dem Schröcksi, nahe stand, dann zaubert eben dieser Verband seinen Präsidenten aus dem Hut, der auch noch gewählt wird ? Erbärmlich..
Schwarze Politik bei Personen Entscheidungen.

erfolg_reich
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Das Wort "Knalleffekt"

Sehr beliebt bei den Medien.

Mir isch gleich wers werscht. Ohne Parteibirchl gehta sowieso nix, se isch klo.

kritiker47
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Sehr geehrte Redaktion !

Ich habe eine Bitte an Sie und ersuche um Verständnis dafür : Was ist nun bei meinem Beitrag vor ca. 2 Stunden schon wieder nicht seriös, weil er wieder nicht veröffentlicht wurde ? Vielen Dank für Ihre Mühe !

jaenner61
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jetzt wurde die chance vertan

einmal eine frau in diese position zu holen. hätte dem schisport sicher gut getan.

aposch
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Eine Frau

Warum glaubt man eigentlich immer, dass Alles besser wird, wenn eine Frau an die Spitze eines Betriebes einer Institution kommt.
Ich bin durchaus nicht gegen Frauen eingestellt. Es aber von Vornherein anzunehmen dass Männer die schlechtere Lösung ist, finde ich schon gewagt.

Nixalsverdruss
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Ein paar Fragen hätte ich schon:

a) Was hat Schröcksnadel zu verbergen, dass er sich so gegen einen Kandidaten Walchhofer wehrt?
b) Warum wurde Götschl hier so "reingeworfen" - als Günstling von Schröcksnadel quasi, dem sie laut Aussagen einiger Schifahrerkolleginnen "immer sehr nahe stand"?
c) Warum beschränkt man die Amtszeit des Präsidenten nicht auf max. 2 x 6 Jahre?
d) Wer ist kontrolliert den ÖSW - kann der Rechnungshof hier prüfen, weil ein beträchtlicher Teil an staatlicher Förderung in den Verein und seine Gesellschaften fließt?
Alles in allem ein sehr unwürdiges Spiel - und ein Schelm, der Böses denkt!

Nixalsverdruss
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Sollte heißen:

Wer kontrolliert den ÖSV???

kritiker47
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Hallo, Ihr Aufgeregten !

Wie wird ein Gewerkschaftspräsident gewählt ? Ganz demokratisch mit Mehrheit, selbstverständlich, auch wenn er oder sie nicht von Allen gewollt ist, oder nicht ? Also was soll hier all diese Missgunst und der Neid, wenn dort entschieden wird, wo die Zuständigkeit dies vorgibt !

georgXV
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???

das sind ja fast schon Zustände wie beim DFB (Deutschen Fußball Bund) und DOSB (Deutschen Olympischen Sport Bund).
Wie sieht es diesbezüglich beim ÖFB und ÖOC aus ?
Mich würde NICHT wundern, wenn da ähnliche Zustände vorherrschen ...

Baerli6
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Zerstört!

Ich glaube Herr Schrocksnadel jetzt haben Sie ihr eigenes Lebenswerk gegen die Wand gefahren. Gratuliere dazu. Aber wie heißt es immer "alt kann man ruhig werden nur gesund soll man bleiben"

PiJo
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Macht & Geld

Es wurde im Sinne der "Familie" entschieden

smithers
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Ein Seilbahner übergibt an den nächsten Seilbahner

Vielleicht könnte man beim nächsten oder übernächsten mal einen Sportler berücksichtigen.

HAGuty
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ÖSV Wahl

Das Ganze ist in meinen Augen ein Kasperltheater!!!!

Immerkritisch
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Schröcksnadel

hat sich anscheinend den Einfluss gesichert! Ja, warum ist denn die Speedqueen nicht gekommen? Kein Konzept oder eh alles mit Schmidhofer abgekartet?
Walchhofer hätte Schröcksnadel eben kein Hintertürl offen gelassen, das war sein Schicksal...

Lodengrün
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Nun

wenn man in so vielen Bereichen des ÖSV nach wie vor Geschäftsführer ist will man, auch wenn man nicht mehr vorsteht, doch noch Einfluss haben. Wenn man es genau betrachtet ist der ÖSV die Holding Schröcksnadel.

Glaser318
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Schröcksnadel - keine Nachfolgeregelung!

Walchhofer wäre der beste Kandidat gewesen. Erbärmlich, wie Peter Schröcksnadel seine Nachfolge ver-/behindert hat! Damit hat er sein Lebenswerk ruiniert!

Lodengrün
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Warum?

Er hat den ÖSV zu dem gemacht was er ist. Sein Lebenswerk gleicht einem Konzern. Da wird viel Geld umgesetzt und profitabel gewirtschaftet . Vier von 6 Zweigen gehören ihm, werden vom Sohn geführt wo er Geschäftsführer ist. Es war allen recht und sie waren froh das er es machte und wie er es machte. Die Vorstellung das er es jemandem überlässt der nicht in seinem Sinne agiert ist naiv.

SagServus
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Die Vorstellung das er es jemandem überlässt der nicht in seinem Sinne agiert ist naiv.

Wieso hat ers dann nich von Anfang so gesagt?

Wieso hat er dann gemeint, er wird von allen Positionen zurücktreten und mit dem ÖSV nix mehr zu tun haben.

Oder liegt da eventuell doch die ein oder andere Leiche im Keller?

tannenbaum
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Götschl

wurde für ihre Wahlkampfunterstützung für Schützenhöfer und Kurz eh schon mit einen Sitz im ORF - Stiftingsrat und steirische Vizepräsidentin des ÖSV belohnt. Das wird wohl reichen. Da bleibt eh nur mehr wenig Zeit für die Familie. Oder wurde sie von Haus aus nur als taktisches Hilfsmittel missbraucht?

Pensatore
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Hallo Michael....

..selbstverständlich bist du für uns der beste Kanditat für diesen Job.
(Es gibt ganz klare Fakten und die entsprechende Expertise dafür)
Wir haben dich eigentlich immer noch auf der Rechnung.
Aber leider sind die Querschüsse des österreichischen 'Gottseibeiuns' im Schisport
sehr heftig und zu untergriffig.
Lass sie arbeiten, diese Clowns mit diesem Clown.
Alles Gute.

Ich korrigiere
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wo ist die qualifikation

der ösv ist total verfilzt und es kommt anscheinend nur jener als nachfolgerIn in frage, welche die bisherigen machenschaften zudecken. man vergisst dabei das es sich im grunde genommen um eine firma handelt, welche von einem betriebswirt geführt werden sollte.. dazu fehlen dem herrn schmidhofer leider alle voraussetzungen. ansonsten wäre "sein" renommiertes lachtalhaus noch im familienbesitz.

SagServus
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ansonsten wäre "sein" renommiertes lachtalhaus noch im familienbesitz.

Die damalige Aussage zum Verkauf von Schmidhofer: "Für die Schmidhofers war der Aufwand nicht mehr tragbar: "Ich bin ein Liftmensch, investiere Geld und Know-how vor allem in die Seilbahn. Mich kann man um drei Uhr früh wecken und nach technischen Daten fragen, aber ein Bier will ich um diese Zeit nicht mehr servieren", begründet Karl Schmidhofer den Entschluss zum Verkauf. "

Und inwiefern machts einen Unterschied ob man ein Hotel führen kann oder Liftbetreiber ist?

Ich korrigiere
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ein richtiger zirkus

ohne worte

SagServus
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schwarz, schwärzer am schwarzesten

Einer der Punkte, die Schröcksnadel ja in seiner Ablehnung gegen Walchhofer vorgebracht hat, war die ÖVP Nähe von Walchhofer (Walchhofer war unter anderem für die ÖVP in Sachen Sport bei den Koalitionsverhandlungen mit der FPÖ dabei).

Daraufhin hat er Götschl ins Spiel gebracht. Die gilt zwar auch ÖVP Nahe, aber eine mögliche Kandidatur für die ÖVP ist für Schröcksnadel wohl nicht das gleiche wie im Falle Walchhofer.

Und jetzt solls jemand werden, der für die ÖVP im Nationalrat sitzt.

:-D

 
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