Kitzbühel mag nicht der beste Ort sein, um nach einer Verletzung wieder ins Renngeschehen zurückzukehren. Doch zwei Österreicher planen es doch: Vincent Kriechmayr und Raphael Haaser wollen heute im Super-G (Start: 11.30 Uhr, live ORF 1) wieder Startnummern überziehen. Eine durchaus frühe Rückkehr also der beiden Verletzten. Aber eine, die trotzdem nicht das Risiko bergen soll, dass die erlittenen Verletzungen schlimmer werden, betont man allseits. Aber, wie man ebenso betont: Die Entscheidung, ob Kriechmayr wirklich mit der Nummer sieben bzw. Haaser mit der Nummer zwölf aus dem Starthaus oberhalb der Seidlalm gehen, müssen die beiden Protagonisten selbst fällen. Und zwar nach dem Einfahren am Renntag.
Bei Kriechmayr schien es zunächst kein Happy End zu geben, zwar waren die „Trockentests“ mit dem Knie so gut, dass er sich auf der WM-Strecke in Saalbach auf Ski wagte, dort stellte sich aber heraus: Eine Druckstelle im Skischuh macht Probleme, noch vor neun Uhr früh war der Versuch abgebrochen. Gegen 16.30 Uhr und kurz vor der Mannschaftsführersitzung war dann aber klar: Der Oberösterreicher will es zumindest versuchen. „Er ist zuversichtlich, dass er morgen probieren kann, sich einzufahren. Danach wird entschieden“, sagte Alpin-Direktor Herbert Mandl, der sozusagen Cheftrainer Marko Pfeifer vertritt. Denn der Kärntner ist nach einer kurzfristig nötigen OP in St. Johann wegen Gallensteinen in Kitzbühel aktuell selbst rekonvaleszent, wird das gesamte Wochenende und auch die Rennen in Schladming auslassen müssen.
Abfahrtstrainer Sepp Brunner erklärte es so: „Im Skischuh hat sich eine Druckstelle ergeben, die so nicht zu erwarten war. Vinc wird also vor dem Super-G versuchen, ob sich die gebessert hat, ob an eine Lösung gefunden hat. Ist dem so, wird er starten. Und die Entscheidung, ob er das Rennen fahren will, die kann nur er treffen“, stellte der Steirer klar. Ähnliches gilt für Raphael Haaser, der zwar im ersten Abfahrtstraining auch ausgelost worden war, auf die beiden Tests aber verzichtet hat. Nach dem Training am Donnerstagmorgen war für den Tiroler aber klar: „Ich probiere es. Mir ist gut gegangen vom Fuß her, aber ich hatte nie die Rennbelastung. Also wollte ich es mir so lang wie möglich offen lassen.“
Die Frage: „Das Knie behindert mich nicht, ich wollte nur schauen, wie es auf eine Belastung reagiert, ob sich was tut. Aber das Vertrauen ist da, sonst würde ich nicht am Start stehen bei einem Weltcuprennen.“ Und schließlich gehe es auch um die WM, denn: „So viel habe ich nicht vorzuweisen, also wäre es schon gut, wenn da im Rennen auch was herausschaut. Denn ich wäre bei der WM schon gerne dabei.“ Umso wichtiger seien die nächsten Tage bis zur WM. Die Frage, ob der Super-G in Kitzbühel der schwierigste sei, kann er nicht beantworten, denn, wie er lachend sagt: „Beim letzten, den es gab, war ich dabei, bin aber nicht weit gekommen, da war ich fast noch ein wenig naiv. Aber ich habe gelernt“, sagte der Bronzemedaillengewinner der WM-Kombination in Courchevel.
Die größte Hoffnung der Österreicher kommt aber im Super-G gleich mit der Nummer eins: Lukas Feurstein – und das bei der Rennpremiere auf der Streif. „Im Training am Dienstag war ich das erste Mal dabei, der Respekt bei der Besichtigung war schon da. Aber es ging darum, die Strecke kennenzulernen, ich habe nicht riskiert, man muss aber den Hausberg und die Traverse kennenlernen“, sagt der Vorarlberger, der in Beaver Creek im Super-G als Dritter schon auf dem Podest gestanden war. „Das Saisonziel war es an sich, konstant in die Top 15 zu fahren. Das Ergebnisskifahren sollte man nicht im Kopf sein. Wichtig ist, dass man so fährt, wie man es kann“, sagt er. Gebremst wurde er dann von einem Mittelhandknochenbruch im Training, von dem man außer einer langen Narbe wenig sieht: „Beim Start tut es ein wenig weh, aber der hier in Kitzbühel ist ja nicht gerade flach, das geht“, sagt er lächelnd. Druck in der schwächelnden Skination? „Nein, verspüre ich nicht. Es hat im Team noch nicht hingehaut, aber die Burschen haben es alle drauf, im Training zeigen sie es tagtäglich.“