Max Verstappen ist kein Fan des neuen Formel-1-Reglements. Für Korrekturen sei es mittlerweile aber zu spät, betonte der vierfache Weltmeister am Donnerstag vor dem Auftaktrennen der neuen Ära in Melbourne. „Es sind große Summen in dieses Reglement geflossen, es wird eine Weile da sein“, meinte der Red-Bull-Star. Die Reform wurde 2022 beschlossen. Einige Probleme hätte man laut Verstappen voraussehen können. „Jetzt werden die Dinge vorgebracht, das ist ein bisschen spät.“
Verstappen hatte die neue Formel 1 bei den Testfahrten in Bahrain als „Formel E auf Steroiden“ und „Anti-Rennsport“ bezeichnet. Tatsächlich spielt das Aufladen der deutlich leistungsstärkeren Batterie eine enorm große Rolle. Besonders abhängig ist es von der Streckencharakteristik. In Melbourne etwa ist es schwer, durch Bremsvorgänge Energie bereitzustellen. Das dürfte am Wochenende für zahlreiche gelupfte Gaspedale und absichtlich langsamer gefahrene Kurveneingänge sorgen.
Hamilton fühlt sich „wie ein 18-Jähriger“
„Das ist die größte Herausforderung, die es in diesem Sport jemals gegeben hat“, sagte Rekordweltmeister Lewis Hamilton über den bis 2030 veranschlagten neuen Regelzyklus. „Es gibt immer kleine Veränderungen, aber diese ist viel größer als alle fünf, die ich bisher mitgemacht habe. Jedes Wochenende lernen wir mehr. Und mit jeder Strecke und ihren Charakteristiken gibt es immer neue Herausforderungen.“ Insbesondere im Bereich des Energiemanagements.
Hamilton startet in seine 20. Formel-1-Saison. Sein Debüt hatte der Brite 2007 in Australien gegeben - und war dort als Dritter auf Anhieb auf das Podest gefahren. Dorthin will der 41-Jährige in seinem zweiten Jahr endlich auch mit Ferrari. „Ich habe für eine Sekunde vergessen, wer ich bin“, sagte Hamilton über seine verpatzte Premierensaison in Rot. „Jetzt ist es ein viel besseres Gefühl zusammenzuarbeiten.“ Er habe Ferraris Kultur verstanden. Die Hoffnungen, seiner Karriere noch einmal richtig Schwung zu verleihen, sind groß. „Ich fühle mich irgendwie jünger als jemals zuvor, sehr frisch - wie ein 18-Jähriger.“
Gut gelauntes Mercedes-Duo
Mit dem neuen, komplexen Reglement kämpft aber selbst ein tatsächlich 19-Jähriger. „Es hat sich angefühlt, als würde ich wieder in die Schule gehen“, sagte Mercedes-Jungstar Kimi Antonelli. „Da bist du doch gerade erst heraußen“, scherzte sein Teamkollege George Russell. Das Duo hat leicht lachen, weiß es zum Saisonstart doch den wahrscheinlich schnellsten fahrbaren Untersatz im Feld unter sich. Russell gilt bei den Buchmachern als WM-Favorit - gefolgt von Verstappen und mit etwas Abstand den Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Hamilton. Erst danach folgen Antonelli und Titelverteidiger Lando Norris im McLaren.
„Es gibt viel Getratsche um uns, um Mercedes, aber das nehmen wir als Kompliment“, erklärte Russell. Die Favoritenrolle würde wenig ändern. Denn der 28-Jährige weiß angesichts eines noch nicht voll ausgereizten, für die Piloten in vielerlei Hinsicht fordernden Reglements auch: „Es gibt viele Hürden. Man kann jederzeit über einen kleinen Fehler stolpern.“ Früher sehr einfache Bereiche des Rennsports seien mittlerweile „sehr kompliziert“.