Als Rennen vor dem Rennen wurde das Qualifying in der Formel 1 in den vergangenen Jahren gerne bezeichnet. Manche schrieben dem Samstag gar eine höhere Bedeutung als dem Grand-Prix-Sonntag zu, waren Überholmanöver doch lange Zeit ein rares Gut in der Motorsport-Königsklasse. Ganz so dramatisch wie von einigen beklagt, war es unter dem alten Reglement zwar nicht, die Zeitenjagd nach der Pole Position genießt dennoch weiterhin einen hohen Stellenwert. Und diesbezüglich kommt es ab diesem Jahr zu einigen Veränderungen.
Denn Neuling Cadillac als elftes Team der Formel 1 bringt mehr Betrieb auf der Rennstrecke mit sich. Zukünftig scheiden im ersten Segment des Qualifyings, abgekürzt mit Q1, sechs statt bisher fünf Fahrer aus. Das gleiche Prinzip gilt für die zweite Quali-Phase Q2. Die finale Q3-Session, in der es um die vordersten Startplätze geht, nehmen dann wie gewohnt die besten zehn Autos in Angriff. Doch nicht nur im Ablaufprotokoll, sondern auch in der Herangehensweise von Max Verstappen und Co dürfte sich einiges verändern. In den vergangenen Jahren gab es zumeist eine Aufwärmrunde (Out Lap) vor der eigentlichen Qualifying-Runde, ehe eine Cool-Down-Umrundung folgte.
Neues Gesicht und alte Bekannte
Ab dieser Saison könnte es aber auf manchen Strecken zwei Aufwärmrunden benötigen, um die Reifen in das perfekte Arbeitsfenster zu bringen. Die Gründe dafür liegen in der neuen Antriebseinheit und der größer gewordenen Batterie, die an Bedeutung gewonnen hat. Fahrer wollen in einer Out Lap so wenig elektrische Energie wie möglich verbrauchen, um 100 Prozent für die schnelle Qualifying-Runde zur Verfügung zu haben. Dementsprechend langsamer nehmen sie je nach Streckenlayout die Aufwärmrunden in Kauf.
Wie sich die Reglementänderung auf die Zeitenjagd auswirkt, zeigt sich im ersten Qualifying des Jahres am Samstag (6 Uhr) in Melbourne. Viele Blicke werden dabei auch auf die „Neulinge“ in dieser Saison gerichtet sein. Cadillac wird als elfter Rennstall der Formel 1 ein schwieriges Jahr vorhergesagt, ist die Rennserie doch komplettes Neuland für den US-amerikanischen Hersteller. Hinter dem Lenkrad sitzt deshalb ein Duo mit jeder Menge Erfahrung. Valtteri Bottas, 2025 noch Reservefahrer für Mercedes, kehrt an der Seite von Ex-Red-Bull-Mann Sergio Perez zurück ins Cockpit.
Neben diesen alten Bekannten gibt es in dieser Saison auch einen „echten“ Neuling in der Königsklasse. Arvid Lindblad feiert am Wochenende sein Formel-1-Debüt bei den Racing Bulls, wo der 18-Jährige den zu Red Bull Racing beförderten Isack Hadjar beerbt. Der Franzose selbst war in der abgelaufenen Saison die große Überraschung und bekommt nun mit 21 Jahren die große Chance, sich an der Seite des vierfachen Weltmeisters Verstappen zu beweisen.