Es ist das Salz in der Suppe des Rundstreckensports, oftmals auch das am öftesten diskutierte Thema in der Formel 1: das Überholen. Rad-an-Rad-Duelle sorgen bei Fans für Begeisterung, während sie den Teamverantwortlichen an der Boxenmauer Schweißperlen ins Gesicht zaubern. So oder so: Überholmanöver auf der Strecke lassen niemanden in der Motorsport-Königsklasse kalt. Aufgrund der ausgeklügelten Aerodynamik bedurfte es in der Vergangenheit aber bereits gewisser „Überholhilfen“, wie etwa des nun verschwundenen aerodynamischen Flügelflachstellens namens „DRS“, um Positionswechsel auf der Strecke, wenn schon nicht zu garantieren, so doch zumindest zu ermöglichen. Auch ohne „DRS“ – was so natürlich nicht ganz stimmt, denn die Fahrer können nach wie vor den Flügel verändern – hat sich das im neuen Reglement nicht geändert: Es wird weiterhin Hilfe brauchen, um das Überholen möglich(er) zu machen.
Überholen per Knopfdruck statt durch „DRS“
Für einen Geschwindigkeitsüberschuss beim Überholen soll dann aber nicht mehr ein flachgestellter Heckflügel sorgen, sondern mehr elektrische Energie. Die Autos der neuen Generation sind mit einem sogenannten „Overtake-Modus“ ausgestattet. Liegt ein Fahrer am Messpunkt, in den allermeisten Fällen die letzte Kurve einer Strecke, innerhalb einer Sekunde hinter dem Vordermann, kann er für die nächste Runde mehr elektrische Energie laden und in der Folge auch verbrauchen. Diese Zusatzenergie wird über ein eigenes Leistungsprofil verwaltet, das einem Fahrer nur im „Overtake-Modus“ zur Verfügung steht.
Nicht neu, sondern nur etwas abgeändert ist der sogenannte „Boost-Mode“ in der bevorstehenden Formel-1-Saison. Dabei kann ein Fahrer Extra-Energie aus der Batterie aufrufen, um zu attackieren oder zu verteidigen. Diese Energie steht ohne Rücksicht auf den Abstand zu Vorder- oder Hintermann zur Verfügung und ist nicht an etwaige Bedingungen geknüpft. Es soll ein taktisches Hilfsmittel sein, ähnlich dem bisherigen System, das in der Hybrid-Ära der vergangenen Jahre bereits im Einsatz gewesen ist. Ob es dadurch dann tatsächlich zu mehr Überholmanövern kommt, wird sich beim Saisonauftakt am Sonntag in Melbourne zeigen. Die grafische Umsetzung bei der TV-Übertragung könnte spannend werden, ist es doch für den TV-Zuseher wichtig zu erkennen, in welchem Modus sich ein Fahrer gerade befindet, um die Überholmanöver auch richtig einordnen zu können.