Drei Buchstaben veränderten die Formel 2011 so nachhaltig wie kaum eine andere Innovation in der Motorsport-Königsklasse. Das DRS (Drag Reduction System) sollte die traditionsreiche Rennserie wachküssen und für mehr Action und Überholmanöver sorgen. Über Jahre hinweg konnten die Fahrer damit den Heckflügel am eigenen Auto hinunterklappen, um mit weniger Luftwiderstand und dadurch höherer Geschwindigkeit am Vordermann vorbeizugehen. Geregelt wurde dies zuletzt in der Formel 1 mit bestimmten Zonen, in denen der DRS-Einsatz erlaubt war, wenn ein Fahrer bei einem bestimmten Messpunkt innerhalb einer Sekunde zum Vordermann lag.
Von der vielversprechenden Innovation entwickelte sich das DRS aber über die Jahre hinweg zum Problemkind der Königsklasse. Auf der einen Seite war es so übermächtig, dass Verteidigen kaum möglich war. Auf der anderen Seite entwickelte sich ein „DRS-Zug“, wenn mehrere Fahrer in den Genuss des verstellbaren Heckflügels kamen und sich so im Gänsemarsch über die Rennstrecke begaben. Das Ziel der Formel 1 war deshalb immer, das DRS langfristig abzuschaffen, da Überholen auch ohne diesen technischen Kniff wieder erleichtert werden sollte. Zur Saison 2026 verschwindet das System nun tatsächlich – wenngleich die Nachfolger doch ziemlich ähnlich aussehen.
Aktive Aerodynamik ist überlebenswichtig
Mit dem neuen Reglement startet die Formel 1 in die Ära der „aktiven Aerodynamik“. In Zukunft können Lando Norris und Co viel öfter Heckflügel und Teile des Frontflügels herunterklappen – oder besser gesagt müssen es sogar. Denn die aerodynamischen Systeme sind überlebenswichtig für die Autos der neuen Generation. Durch die geringere Leistung des Verbrennungsmotors ab diesem Jahr wurde ein hoher Geschwindigkeitsverlust befürchtet, genau dagegen soll die aktive Aerodynamik helfen. Auf Geraden sorgt sie mit flachen Flügeln für weniger Luftwiderstand, in den Kurven mit steilen Klappen für mehr Abtrieb. Dadurch erhöht sich nicht nur die Geschwindigkeit, sondern es wird auch weniger Energie der Batterie verbraucht.
Wie das konkret in einem Rennen aussieht, zeigt sich erstmals beim WM-Auftakt in Australien am Sonntag. Klar ist, dass es auf jeder Strecke sogenannte Aktivierungszonen geben wird, die auch ausgeschildert sind. Anders als bei den DRS-Zonen der Vergangenheit gibt es viel mehr dieser Aktivierungszonen, und ein Fahrer muss auch nicht mehr innerhalb einer Sekunde zum Vordermann sein, um den Mechanismus zu aktivieren. Die Bedienung erfolgt weiterhin manuell, was logischerweise zu einer höheren Arbeitsbelastung für die Fahrer führt. Am Ende einer Zone können die Flügel dann manuell geschlossen werden, obwohl dies auch automatisch beim Bremsen oder vom Gas gehen geschieht. Die Rennleitung muss die aktive Aerodynamik im Rennen freigeben. Dies kann bei schlechten Bedingungen wie Regen auch nur teilweise geschehen. Dann öffnen sich nur die Klappen am Frontflügel.