Für das Formel-1-Team Aston Martin wird der Saisonstart zur Blamage. Der Rennstall wird die Runden für die Piloten Fernando Alonso und Lance Stroll am Wochenende beim Grand Prix von Australien limitieren, um dem Risiko dauerhafter Nervenschäden durch die starken Vibrationen am Lenkrad des neuen Boliden zu entgehen. Diese würden von der neuen Antriebseinheit des Lieferanten Honda auf das Chassis übergehen, erklärte Teamchef Adrian Newey am Donnerstag in Melbourne.

„Die Vibrationen verursachen einige Zuverlässigkeitsprobleme. Spiegel fallen ab, Rücklichter fallen ab, alle diese Sachen, die wir beheben müssen“, sagte Newey, der sich in seiner Karriere den Ruf als Design-Genie erarbeitet hat. „Das viel größere Problem aber ist, dass sich die Vibrationen letztendlich auf die Finger des Fahrers übertragen.“ Die Gesundheit von Alonso (44) und Stroll (27) will Aston Martin nicht aufs Spiel setzen.

Fahren nur in homöopathischen Dosen

Alonso sei der Meinung, dass er nicht mehr als 25 Runden am Stück fahren könne, „ohne eine dauerhafte Schädigung der Nerven in seinen Händen zu riskieren“, erzählte Newey. Stroll rechne damit, dass diese Schwelle bereits nach 15 Runden erreicht sei. Beide dürfen den neuen AMR26 damit nur dosiert fahren. „Wir werden die Anzahl der Runden, die wir im Rennen fahren, stark einschränken müssen, bis wir den Vibrationen auf den Grund gegangen sind und Verbesserungen erzielt haben“, erklärte Newey.

Alonso gab sich überzeugt, dass Honda die Lage schnell in den Griff bekomme. „Ich habe zu 100 Prozent den Glauben, dass sie die Probleme lösen, weil sie das schon in der Vergangenheit geschafft haben“, sagte der Weltmeister von 2005 und 2006. Die Vibrationen und drohenden Nervenschäden relativierte der Spanier. „Wenn wir um den Sieg kämpfen würden, könnten wir auch drei Stunden in dem Auto aushalten. Ich stelle mich den Problemen. Dieses Team wird die Weltmeisterschaft gewinnen - es ist nur eine Frage der Zeit.“

Große Hoffnung in Newey vorerst nicht erfüllt

Der Altmeister sitzt erstmals in seiner Karriere einem Newey-Auto. Der britische Stardesigner war als großer Hoffnungsträger Ende 2024 bei Aston Martin eingestiegen. Newey hat Weltmeister-Autos für Williams, McLaren und Red Bull entworfen. Für die Bullen war er von 2006 bis 2024 tätig. In diese Zeit fielen alle Weltmeistertitel des österreichisch-englischen Rennstalles - acht in der Fahrer- und sechs in der Konstrukteurswertung. Insgesamt 25 Titel (12 Fahrer, 13 Konstrukteure) haben Newey-Boliden in der Formel 1 eingefahren.

Bei Aston Martin genießt der 67-Jährige als Gesellschafter und geschäftsführender technischer Partner alle Freiheiten. Nun wartet eine seiner vielleicht größten Herausforderungen. Schon bei den Testfahrten in Bahrain hatten die übermäßigen Vibrationen die Batterieeinheit beschädigt, bis dem Team die Ersatzteile ausgingen.

Man habe für das Melbourne-Wochenende nun eine Lösung geschaffen, die auf dem Prüfstand getestet worden sei, und die Vibrationen auf die Batterie „deutlich reduziert“ habe, sagte Newey. „Man muss aber bedenken, dass die Antriebseinheit die Quelle der Vibrationen ist, sie ist der Verstärker. Das Chassis ist in diesem Szenario der Empfänger“, erklärte der Design-Guru. Ein Carbon-Chassis sei von Natur aus eine steife Struktur mit sehr geringer Dämpfungswirkung. „Daher haben wir bei der Übertragung dieser Vibrationen auf das Chassis keine Fortschritte erzielt.“ Und Alonso und Stroll sind auf Sparflamme unterwegs.