Keine großen Worte, keine großen Gesten – Oscar Piastri ballte nach seiner ersten Pole Position der Karriere nur die Faust. In gewohnter Ruhe nahm er seine Bestzeit zur Kenntnis, immerhin Streckenrekord in Shanghai. Wer auf den großen Jubelausbruch gewartet hatte, wurde enttäuscht, macht Piastri abseits der Strecke doch selten Schlagzeilen. Bisher stand der Australier nur ein einziges Mal nicht aufgrund seiner sportlichen Erfolge im Mittelpunkt, als er sich 2022 gegen sein Juniorteam Alpine entschied, das ihn bereits als Nachfolger von Fernando Alonso verkündet hatte, und überraschend zu McLaren wechselte.

Nicht nur von den Franzosen brachte ihm dieser Schritt Kritik ein, auch viele Experten verstanden die Entscheidung aufgrund der damaligen Kräfteverhältnisse nicht. Piastri bewies gepaart mit Landsmann und Manager Mark Webber aber den richtigen Riecher, steigerte sich von Jahr zu Jahr und ist mittlerweile eine der heißesten Aktien in der Formel 1. Viele trauen dem 23-Jährigen im dominanten MCL-39 mehr zu, als Teamkollege Lando Norris. „Nachdem Piastri langfristig verlängert hat, würde ich sagen, dass McLaren auf ihn setzt“, prophezeite auch Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko vor der Saison.

Piastri glaubt an den Titel

Während Australien-Sieger Norris oftmals der fehlende Killerinstinkt nachgesagt wird, die letzten paar Prozent Kaltschnäuzigkeit, die es für einen Weltmeistertitel benötigt, sind diese Attribute die Stärken des australischen Ausnahmefahrers. Doch nicht nur sportlich unterscheidet sich das „Papaya“-Duo grundsätzlich. Der Brite mit der Startnummer vier hat eine eigene Lifestyle-Marke, erreicht mit seinen Social-Media-Kanälen Millionen Menschen auf der ganzen Welt und ist als Partytiger im Fahrerlager bekannt. Piastri hingegen genießt gerne ruhigere Zeiten mit Freundin Lily Zneimer, interessiert sich für Landwirtschaft und war als Jugendlicher ein absoluter Modellauto-Freak. So unterschiedlich das McLaren-Duo ist, so sehr verbindet sie das unbestrittene Talent hinter dem Lenkrad.

Ein wahres Luxusproblem für den britischen Traditionsrennstall, der nicht nur das schnellste Auto, sondern wohl auch eines der stärksten Fahrerduos in der aktuellen Formel 1 hat. Nummer eins gibt es innerhalb des Teams keine, was im Laufe einer Saison schnell zu Problemen führen kann, das erfuhr McLaren im Vorjahr am eigenen Leib. Gelingt es Piastri aber, seinen Teamkollegen konstant zu schlagen, könnte er ganz schnell zum Titelanwärter Nummer eins avancieren. „Ich glaube auf jeden Fall, dass ich dieses Jahr Weltmeister werden kann“, prophezeite er vor dem Saisonstart. Vielleicht ist er bereits auf bestem Wege dorthin.