„Du bist einer der besten, wenn nicht sogar der beste GT3-Fahrer, aber wenn du deinen Kopf nicht in den Griff bekommst, wirst du nie Meister.“ Mit dieser signifikanten Aussage hat Sven Helferich vor drei Jahren Mirko Bortolotti konfrontiert. „Anfangs war er damals reserviert, kam dann aber auf mich zu und meinte, wir müssen reden. Ich habe ihm alles mitgegeben, was ich konnte. Er hat sich damit auseinandergesetzt und so nahm alles seinen Lauf. Und so schraube ich zeitweise in der Gedankenwelt herum.“
Der gebürtige Mainzer mit 15-jähriger DTM-Erfahrung ist heuer neu im Grasser-Racing-Team, das am Red Bull Ring mit dem neuen Lamborghini (“er steckt in manchen Dingen in den Kinderschuhen“) zu kämpfen hat. Gerade deshalb spielt im Augenblick ein positives Mindset eine wesentliche Rolle. Der 54-Jährige hat seine Prinzipien, weiß er schließlich, wie Rennfahrer ticken. „Manchmal muss man aus alten Klischees raus. Alte Haudegen haben gemeint, dass es nicht funktionieren wird, aber das tut es. Das Körperliche und die Fitness sind mittlerweile extrem wichtig, sodass wir einen detaillierten Fitnessplan entwickelt haben. Dazu kommen positive Vibes und mentale Stärke, denn der Mensch ist von Grund auf ja eher negativ“, verdeutlicht „Helfi“ und schenkt nach: „Du hast viele Charaktere im Team und die Challenge ist es, dieses Team zu formen. Im Motorsport gibt es viele introvertierte Menschen und die musst du mit Extrovertierten zusammenführen. Das ist ein Ansporn, eine Schwierigkeit, aber eine tolle Aufgabe.“
Doch auch der Spaß darf nicht zu kurz kommen, wie der Vater einer 13-jährigen, motorsportfanatischen Tochter (Malou) erklärt: „Es geht im Warm-up los. Wer quält sich mehr? Im Auto sind alle stark, doch am Ende wird gearbeitet, bis der letzte Fehler gefunden wird.“ Es ist ein Streben nach Perfektion und es darf laut Helferich „nichts aus der Norm sein, sonst könnte ein Fahrer unrund werden“, verriet der Deutsche und stellt klar, dass manche Eindrücke von außen täuschen. Angesprochen auf Bortolotti, DTM-Champ 2024, erzählt er, „dass er ziemlich ruhig ist. Wer ihn wirklich kennt, weiß, wie er ist. Er hat keine Starallüren, man kann mit ihm lachen ohne Ende, aber ich glaube, dass er ein Schutzschild aufgebaut hat, denn eines ist klar: nicht jeder ist dir gut gesonnen. Mirko hat sich in den letzten Jahren verändert und einen großen Schritt nach vorne gemacht, was mental nie einfach ist. Du musst den Menschen kennen und nicht die Storys, die von außen erzählt werden.“