Keine Entwarnung gibt es im Lesachtal, wo ein Waldbrand die Einsatzkräfte seit Donnerstagnacht fordert. Der Brand entstand im Bereich oberhalb der Ortschaften Promeggen und Xaveriberg und breitete sich im Laufe des Freitags durch anhaltenden Wind und die extreme Trockenheit schnell aus. Am Freitagabend standen bereits rund 80 Hektar in Brand, am Samstagmorgen waren es bereits 110 Hektar.

Feuer Richtung Maria Luggau ausgebreitet

Am Samstag gehen die Löscharbeiten natürlich weiter: „Seit 6.30 Uhr stehen die Kameraden bereits im Einsatz. Um 8.00 Uhr werden wir den weiteren Plan in unserer Lagebesprechung festlegen“, erklärte Florian Jost, Sprecher des Bezirksfeuerwehrkommandos Hermagor, am frühen Samstagmorgen.

Einer, der seit Samstagmorgen bereits selbst vor Ort im Einsatz steht, ist Gemeindefeuerwehrkommandant Martin Guggenberger: „Leider hat sich der Brand über Nacht im Westen in Richtung Maria Luggau etwas weiter ausgebreitet. Wir versuchen gerade, die Westflanke gut aufzubauen. Weil es dort Wohnhäuser gibt, liegt dort aktuell die Priorität des Einsatzes.“ Immerhin habe sich der untere Bereich, die Ostflanke gegen Xaveriberg, stabil gehalten.

Wieder hunderte Einsatzkräfte vor Ort

Doch es gibt einen weiteren Problembereich: „Bei Erkundungsflügen haben wir gesehen, dass sich der Waldbrand auf der Samalm über Nacht in noch größerem Ausmaße weiter ausgebreitet hat. Dort wird es vom Gelände her zwar bald flacher, sodass sich der Waldbrand zu einem Vegetationsbrand wandeln könnte, aber wir werden dort stark zu tun haben“, erklärt Guggenberger.

Laut ihm werden am Samstag wieder mindestens so viele Feuerwehren im Einsatz stehen wie am Freitag, da waren es 32. „Wir rechnen wieder mit Hunderten Einsatzkräften. Darüber hinaus unterstützen uns drei Hubschrauber des Innenministeriums und drei weitere des Bundesheeres.“

Um 9.30 Uhr erklärte Florian Jost vom Bezirksfeuerwehrkommando Hermagor: „Der Einsatz wurde in vier Abschnitte gegliedert. Im Einsatz stehen derzeit 33 Feuerwehren mit 250 Einsatzkräften, davon 23 Feuerwehr-Flughelfer. Rettungskräfte stehen in Bereitschaft, um schnell Hilfe leisten zu können.“

Verbindungsstraße als Problem

„Vorsichtig optimistisch“ zeigt sich am Samstagmorgen der Lesachtaler Bürgermeister Bernhard Knotz. „Die Gebäude sind derzeit sicher, da haben wir den Brand relativ auf Distanz halten können“, erklärt er. „Ich möchte aber auch nicht zu freudig sein, denn auch am Freitag dachten wir, dass wir den Brand unter Kontrolle haben. Dann kam der Wind und plötzlich breitete sich das Feuer extrem aus“, sagt Knotz.

Ein Problem sei hingegen die B111 Gailtal Straße, sie ist zwischen St. Lorenzen und Maria Luggau weiter gesperrt – und das dürfte sich nicht ganz so schnell ändern, meint der Gemeindechef: „Über Nacht hat sich das Feuer in Richtung der B111 etwas verbreitet. Vom Feuer selbst die Straße nicht betroffen oder beschädigt, es geht um den Bereich darüber.“ In diesem Abschnitt gibt es nämlich viele Lawinenverbauungen, dort verfangen sich Wurzelteller und Steine. „Anrainer haben mir berichtet, dass es die ganze Nacht über geknallt hat, weil sich durch die Hitze viel gelöst hat. Ich traue mich nicht zu beurteilen, ob wir die Straße so schnell wieder freigeben können.“

Nun hängt alles davon ab, wie sich der Wind weiterentwickelt: „Mit großer Anspannung blicken wir darauf, wie sich der Wind präsentieren wird – er wird vieles entscheiden. Jetzt am Morgen ist es zumindest ziemlich windstill“, erklärte der Bürgermeister gegen 7.30 Uhr.

Weiter Wind und kein Niederschlag

Dabei wird es allerdings aller Voraussicht nach nicht bleiben: „In der Höhe lässt der Wind am Samstag geringfügig nach, aber er wird weiter bestehen bleiben“, sagt Meteorologe Nikolas Zimmermann vom Wetterdienst Ubimet. Am Freitag war es der Nordföhn, der den Menschen und Einsatzkräften zu schaffen gemacht hat.

Zusätzlich wird es am Samstag im Tal auf südöstliche Richtung drehen. „Das könnte für den Abschnitt auf der Samalm problematisch werden“, meint Gemeindefeuerwehrkommandant Guggenberger dazu.

Eine Wetterbesserung ist indes nicht in Sicht: „Am Sonntagmorgen wird es mit dem Wind ähnlich wie am Samstag weitergehen, windstill wird es mit Sicherheit nicht“, sagt Zimmermann. Hinzu komme, dass die Luft sehr trocken ist. „Und mit Niederschlag ist bis inklusive Sonntag nicht zu rechnen. Ein kurzer punktueller Schauer ist am Montag möglich, am Dienstag werden wir von einem Tief gestreift.“

„Wann hört das endlich auf?“

Besonders belastend ist die Situation nicht nur für die Einsatzkräfte, sondern auch für die Bevölkerung vor Ort. Viele trauen sich kaum vor die Haustüre: „Kaum geht man vor das Haus, glaubst du, dass du mittendrin bist“, zeigt Bürgermeister Knotz Verständnis. „Die Menschen sind angespannt, besonders der weithin sichtbare Rauch und der Geruch macht den Menschen Angst. Es ist eine große Betroffenheit zu spüren. Erst hat ihnen der Wind solche Probleme bereitet, dann der Borkenkäfer und jetzt brennt der Wald. Viele fragen sich: Wann hört das endlich auf?“ Nachsatz des Gemeindechefs: „Die Natur ist einfach stärker als der Mensch.“