„Es ist wie in einem Märchen!“ Der Klagenfurter Albin Ouschan kürte sich in Nusa Dua auf Bali nach einem 10:5-Finalsieg über den Griechen Alexander Kazakis zum Weltmeister im 8er-Ball und darf sich über ein Preisgeld von 60.000 Euro freuen. Ein Coup, der in ihm einiges hochkommen ließ und abverlangte, wie er verriet: „Die letzten zwei Jahre ist so viel Druck auf meinen Schultern gelegen, die dazu geführt haben, dass ich extrem nervös gewesen bin. Ich habe acht, neun Jahre davor immer ein bis drei Turniere im Jahr gewonnen und seit der bitteren Niederlage in Hanoi ist das ausgeblieben.“

Der 35-Jährige mache diesbezüglich kein Geheimnis daraus, „dass man über zwei Jahre lang nicht alle Kommentare von Leuten ignorieren kann. Auch wenn du versuchst es auszublenden oder runterzuschlucken, ist es irgendwo im Hinterkopf. Es gab einige Schläge in die Fresse und ich musste sehr viel Bullshit lesen.“ Schließlich sei er ein Spieler, der Sicherheit durch Siege erlangt. Sobald sie ausbleiben, spielt der Unsicherheitsfaktor eine wesentliche Rolle. „So habe ich zu Fehlern tendiert. Ich habe zwar gut gespielt, bin aber nicht belohnt worden. Deshalb ist der Erfolg eine Riesenerleichterung und der schönste Abschluss nach eineinhalb Monaten in Asien.“

„Es waren Zweifel da“

Auf die Frage welche Gedanken dem Kärntner durch den Kopf gegangen sind, gesteht er: „Es ist kaum in Worte zu fassen. Ich dachte anfangs einfach nur: endlich. Ich war überwältigt und hätte gleichzeitig schreien, weinen und zusammenbrechen können.“ Der Familienvater war in diesem Moment völlig sprachlos. Er stand auf dem Podium mit Tränen in den Augen. „Alle bitteren Niederlagen, die ich einstecken musste, sind wie ein Film an mir vorbeigelaufen. So schön der Augenblick war, ist alles in mir zusammengebrochen. Aber ich habe es mir jetzt bewiesen, dass ich es doch noch kann“, erklärt der dreifache Weltmeister, der sich selbst als „Überdenker“ bezeichnet. „Manche Sachen, mit denen sich andere Spieler erst gar nicht befassen, kann ich gar nicht verdrängen, sondern sie schwirren in meinem Kopf herum. Irgendwann kommt der Punkt, dass man dieser Last fast nicht mehr standhalten kann. Es waren Zweifel da, aber auch die habe ich überwunden.“

Die Zeit in Bali beschreibt er als „Traumwoche. Ich wollte schon immer einmal hierherkommen. Es ist ein wunderschöner Ort, nette Menschen und tolle Fans.“ Sein Handy quillt vor Nachrichten nur so über. „Der Mama habe ich gleich geschrieben. Ich werde wohl etwas Zeit brauchen, bis ich alles durchgegangen bin und die Zeit nehme ich mir. Es gibt viele, die immer an meiner Seite stehen und an mich geglaubt haben“, verdeutlicht Ouschan, der sich mit seinem Billard-Buddy Mario He (er schied im Achtelfinale aus) ein Steak sowie das ein oder andere Glas Wein gönnte.

Ruhe am See genießen

Von Durchschnaufen ist jedoch keine Rede. Dienstag um sieben Uhr früh hebt der Flieger nach Jakarta ab, wo eine Exhibition stattfindet. Anschließend geht‘s nach Wien und weiter nach Vöcklabruck zum österreichischen Bundesligafinale. „Am Samstag komme ich dann heim nach Kärnten, vermutlich mit dem Zug. Ich freue mich einfach nur auf Nudeln in der Bottega und werde die Ruhe am See genießen“, sagt Ouschan, der in einer Woche in Katar seine starke Form prolongieren will.