Angesprochen auf die letzten zweieinhalb Wochen in Tallinn (Estland) spricht Jasmin Ouschan von einer „Achterbahnfahrt“. Für Außenstehende ist diese Tatsache kaum vorstellbar nach ihrem 28. EM-Einzel-Titel im 8er-Ball, EM-Gold im Team mit Sandra Baumgartner und Lena Primus sowie dem 20. Jubiläumserfolg bei der Eurotour. „Es wäre auch im 9er-Ball mehr als Bronze drinnen gewesen. Im Halbfinale bin ich performancemäßig eingebrochen, war auch mein Fehler. Ich weiß, dass so etwas dazugehört und ich auf hohem Niveau jammere“, sagt Ouschan, die als Sportlerin nach Perfektion strebt. Das Resultat der Aufarbeitung mit ihrem Manager Gerald Florian war jene, „dass andere über diese Medaille jubeln, wo er völlig recht hat“ – und hingegen bei der 39-jährigen Rekord-Europameisterin eine kleine „Krisensitzung“ angesagt gewesen ist.
„Es war auch für mich extrem hart“
„Anschließend musste ich echt darüber lachen. Aber das ist halt meine Welt, in der ich Dinge anders sehe als andere. Ich wusste, dass ich auch diese Disziplin gewinnen hätte können. Aber ich versuche mich immer wieder zu erden und meine Puffer mit Ablenkung zu finden“, verdeutlicht die Kärntnerin, die kein Geheimnis daraus macht, „dass am Ende schon alle am Zahnfleisch dahergekommen sind. Es war auch für mich extrem hart, da ich doch mehrere Jahre keine EM mehr gespielt habe. Sie gleicht einem Bootcamp und ist sehr fordernd“, konkretisiert die Ausnahmekönnerin, die 2006 die niederschmetternde Diagnose „rheumatoide Arthritis“ erhielt.
Das Energielevel der Klagenfurterin ist aktuell ziemlich ausgeschöpft. „Es zwickt und zwackt an allen Ecken. Die Spannung fällt ab, Kopfschmerzen schleichen sich ein, man ist fertig. Im Flieger habe ich mich gefragt, ob es den 20-Jährigen auch so geht.“ Den Schlafentzug (“ich habe zuletzt schlecht geschlafen. Es war ein Durchboxen.“) werde die ehemalige „Dancing Star“-Kandidatin nun nachholen.
„Das zeigt mir, was ich nicht mehr will“
Heißt also Finger weg vom Queue, „dafür werde ich mich aufs Rennrad setzen, mich gut ernähren und mein System ein wenig runterfahren“, verriet die 10er-Ball-Weltmeisterin, die sich lange über den Sport definiert hat, inzwischen aber weiß, „dass ich aufgrund einiger Erfahrungen mehr zu mir finde und mehr von der reinen Leistungsperson wegkomme. Das zeigt mir, was ich nicht mehr will.“