Für Anna Riegler ist der Boden in Indonesien Neuland. Superstar Jasmin Ouschan, die sich kürzlich zur 8er-Ball-Weltmeisterin gekürt hat, hat das alles längst hinter sich. Diese Woche ist das Kärntner Frauen-Power-Duo bei einem Predator-Event (10er-Ball) in Asien im Einsatz und die 39-Jährige hat phasenweise noch mit dem Jetlag zu kämpfen. „Ich habe vier Stunden geschlafen, Spieltag eins war nicht berauschend, aber am Dienstag geht‘s schon weiter“, zeigt sich die Klagenfurterin motiviert.
Den WM-Titel zu verarbeiten, fällt auch ihr nicht so leicht, wie sie verriet: „Ja, sie hat‘s noch drauf“, lacht Ouschan und fügt hinzu, „dass ich mein ganzes Leben nicht jammern durfte. Ich weiß aber, was ich für die Erfolge tun musste, wie oft ich mich aufraffen musste, in Phasen, in denen ich nur an mir gezweifelt habe und ich habe mich meinen Ängsten gestellt. Deshalb ist der Titel unbeschreiblich, aber ich muss das sacken lassen“, sagt die Ausnahmekönnerin, die 2006 die niederschmetternde Diagnose „rheumatoide Arthritis“ erhielt. Was würde sie eigentlich jungen Athletinnen raten?
„Du stehst quasi ständig unter Druck“
Worte, die wohl auch Riegler verinnerlicht, für die es primär darum geht, ihren Erfahrungsschatz zu erweitern. Die Lavanttalerin, die in Judenburg Elementarpädagogik studiert macht dementsprechend keinen Hehl daraus, „dass es wirklich hart ist, weltweit nach oben zu kommen. Du stehst quasi ständig unter Druck, obwohl du es dir eigentlich nur selbst beweisen musst. Doch wenn ich auf gewisse Punkte achte, kommt vieles von selbst.“ Profi-Billardspieler trainieren im Prinzip wie jemand, der Vollzeit arbeitet. Zusätzlich spielt der mentale Faktor eine wesentliche Rolle, wie die 21-Jährige erklärt: „Wenn du in diesem Bereich stark bist, ist es sehr viel wert.“ Auf ihre so erfolgreiche Landsfrau angesprochen, kommt Riegler aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: „Ich habe mich so gefreut für sie und habe das Finale gesehen, was cool gewesen ist. Es ist unglaublich, was Jasmin abliefert und was sie generell für den Billardsport getan hat.“
Sportlich wurde das Turnier vom Tod eines taiwanesischen Spielers überschattet. „Solche Momente zeigen, was im Leben wichtig ist und wann der Sport in den Hintergrund rückt“, verdeutlicht Ouschan, die nach Indonesien zurück in die Heimat kehrt und den Sommer genießen will, „denn ich hatte noch gar keinen. Der Bikini hat mich noch nicht gesehen.“