„Ich habe an meinem Spiel herumgetüftelt“, verriet Kärntens Billard-Queen Jasmin Ouschan. Als Sportlerin strebt sie nach Perfektion und dementsprechend stellte sie sich diversen Fragen: Bin ich zu kopflastig? Habe ich meinen Zugang verloren? Höre ich zu wenig auf mein Gespür? Haben sich technische Fehler eingeschlichen? „Viele glauben, wenn man einmal die Fähigkeiten erlernt hat, kann man sie, dem ist aber so nicht. Gerade auf so einem Level geht es um Feinheiten, die man außen gar nicht wahrnimmt.“
Dieses Rezept, zurück zu ihren grundlegenden Fähigkeiten zu finden, hat sich ausgezahlt, denn der Start in die Billardsaison war von Erfolg gekrönt. Beim Weltranglistenturnier in Alabama besiegte die 39-Jährige im Endspiel die aktuelle Weltmeisterin und Weltranglisten-Erste Kristina Tkach aus Russland.
Die 10er-Ball-Weltmeisterin musste sogar die Quali absolvieren, da sie in der Profitour-Rangliste, aufgrund wenig gespielter Turniere, abgerutscht ist. „Letztlich dachte ich mir, ich habe mehr Zeit am Tisch und davon kann ich nur profitieren“, ließ Ouschan schließlich die gesamte Konkurrenz hinter sich. Der Triumph gegen Tkach war für die ehemalige „Dancing Star“-Kandidatin „eine Retourkutsche für die WM in Puerto Rico“.
„Man muss für gewisse Werte einstehen“
Beim anschließenden Eurotour-Event in Italien setzte sie sich im Finale gegen ihre Landsfrau Sandra Baumgartner durch – es war ihr 19. Eurotour-Titel. Ihre fünfjährige Abstinenz dieser Serie hatte indessen Gründe, wie sie verdeutlicht: „Das Konzept gegenüber Spielerinnen war nicht mehr richtig. Es hat sich über Jahre sehr wenig verändert, gab weniger Preisgeld für Damen, viele Topspielerinnen sind nach Amerika abgewandert. Sobald der Begriff Upgrade fiel, spürte man Gegenwehr und Diskussionen waren vorprogrammiert.“ Ouschan ist jene Person, die immer hinter ihren Aussagen steht und davon überzeugt ist, wenn man zu größeren Namen im Sport zählt, „muss man für gewisse Werte einstehen und auch einmal nein sagen“.
Mit „Predator“ ist nun ein neuer Sponsor eingestiegen, der der Eurotour „Glanz“ verleihen will. „Wir müssen mit Events in Europa nachziehen, Turniere aufwerten, das Ansehen steigern und mit der Zeit gehen. Da bin ich bei jeglicher Unterstützung dabei“, versichert die Klagenfurterin, die sich lange über den Sport definiert hat, inzwischen aber weiß, „dass ich aufgrund einiger Erfahrungen mehr zu mir finde und mehr von der reinen Leistungsperson wegkomme. Das kräftigt mich und zeigt mir, was ich nicht mehr will.“
Thron der Damen-Weltrangliste
Am Freitag hebt der Flieger zum nächsten Weltranglistenturnier sowie einem Mixeddoppel-Event (sie spielt mit einem estnischen Top-Fünf-Mann) nach Las Vegas ab. Schauplatz ist das legendäre Rio-Hotel. „Ich fühle mich extrem wohl, bin fit, von dem her kann‘s losgehen“, sagt die Ausnahmekönnerin, die 2006 die niederschmetternde Diagnose „rheumatoide Arthritis“ erhielt. Und egal wie viele Schmerzen sie verspürte – für Ausreden hatte sie absolut nie etwas übrig. Jene Aussage, „ich kämpfe meine Kämpfe lieber ganz still und leise“, lässt einige erahnen. Ziele sind für Ouschan ein wesentlicher Bestandteil ihrer sportlichen Laufbahn. Diesbezüglich macht sie kein Geheimnis daraus, zurück auf den Thron der Damen-Weltrangliste zu wollen und sich wieder zur Weltmeisterin zu küren.
Sport ist im Leben freilich nicht alles. So spricht Ouschan offen über Familienplanung. „Wenn Kinder vorkommen, wird es sich fügen. Ich habe das Thema noch nicht abgehakt, aber es gibt für mich nicht nur einen Plan A. Sich darauf zu versteifen wäre ein Fehler. Man hat oft als Frau diesen Druck von außen, aber ich würde nicht sagen, ich kann nicht auch ohne.“