Reflektieren ist nach einer Saison ein wesentliches Element eines jeden Sportlers. Dem stellte sich Kärntens Slalom-Spezialist Adrian Pertl, der auch letzte Saison phasenweise zu kämpfen hatte. Wobei vom Kopf in den Sand stecken hält der Slalom-Vizeweltmeister von 2021 rein gar nichts, wie er erklärt: „Ich habe die Saison relativ schnell aufgearbeitet, im Sommer viel und hart trainiert. Ich versuche wirklich alles, dass es im Winter wieder aufwärts geht. Aber ohne Risiko geht es auf unserem Niveau sowieso nicht.“
Angesprochen auf die größte Problematik, gibt es dem Kärntner, dessen Resultate absolut nicht seiner Erwartungshaltung und Fähigkeiten entsprechen, selbst teilweise Rätsel auf: „Ich war schon solide unterwegs, die Voraussetzungen haben gepasst und auf einmal geht‘s wieder in die andere Richtung. Warum? Ich kann es nicht beantworten. Die Zeit hat mich geprägt, ich bin reifer geworden, aber ich hoffe, dass es noch nicht alles gewesen ist“, fühlt sich Pertl, der sich 2021 einen Kreuzbandriss zugezogen hat, mit permanenten Fragen konfrontiert.
Wenn Gründe offensichtlich erscheinen, ist die Suche nach Lösungen oft naheliegend. Beim ehemaligen Junioren-Weltmeister ist die Sache etwas prekärer. ÖSV-Herren-Cheftrainer Marko Pfeifer spricht diesbezüglich offen aus, „dass es wichtig für ihn ist, dass er wieder in Richtung der Top Zehn kommt. Er hat eine spezielle Fahrweise, die ihn einerseits sehr schnell macht, aber auch hin und wieder fehleranfällig ist. Klar ist auch, jedes Rennen, das du hinterherhängst, macht es schwieriger“, meint der Kärntner, der davon überzeugt ist, „dass Athleten, die bereits erfolgreich gewesen sind, es können, sie verlernen es nicht.“
„Es ist das Schönste, was es gibt, aber auch fordernd“
Das Olympiathema schiebt Pertl lieber noch etwas vor sich hin, „denn vergangenes Jahr habe ich über die Heim-WM in Saalbach gesprochen, das ist nicht aufgegangen, von dem her lasse ich es auf mich zukommen.“ Für den Wintersportler aus Ebene Reichenau ist seine kleine Tochter die wohl größte Kraftquelle. „Es ist das Schönste, was es gibt, aber auch fordernd, vor allem für meine Frau, wenn ich nicht oft daheim bin. Die dreieinhalb Wochen Schneetraining in Chile werden nicht so einfach für mich“, verriet der 29-Jährige, der sich zuletzt mit der Familie ein paar erholsame Tage in der Steiermark gönnte. „Ich liebe die Natur, die Berge, da kann ich abschalten.“