„Das Training hat Früchte getragen. Ich würde sagen, dass ich in Topform bin. Wenn der Tag X passt, könnte einiges hinhauen. Irgendwie hatte ich schon vor einem Monat das Gefühl, dass hier etwas Gutes passiert“, lässt sich Kärntens Schwimm-Ass Heiko Gigler vor seinem WM-Start in Singapur in die Karten blicken. Doch dem Kärntner, der bei der EM in Belgrad 2024 als Schlussschwimmer mit der 4 x 100 m Lagen-Staffel sensationell zu Gold geschwommen ist, ist bewusst, was auf ihn zukommen könnte, denn „ich glaube, dass es hier eine der schnellsten Weltmeisterschaften überhaupt werden wird. Wichtig ist, dass mein Stresslevel nicht in die Höhe schießt.“
Seit einer Woche weilt Gigler in Singapur. Der Feinschliff ist nach harten Trainingseinheiten vollzogen. „Die letzten zwei Wochen wurde es spezifischer. Die Arbeit ist mehr oder weniger getan, jetzt geht‘s ums eigene Vertrauen und ums gute Gefühl im Wasser.“ Über die Grenzen hinaus gehen, über seinen eigenen Schatten springen und sich bis zum Ende quälen, ist schließlich sein täglich Brot – gelegentliche Brechattacken am Beckenrand inklusive.
„Ich war schon öfter in dieser Situation“
Angesprochen auf seine Schulter – der Oberkärntner laborierte an einer unangenehmen Schulterarthritis – verriet er, „dass ich mich Mitte Juni einspritzen lassen habe, seitdem klappt‘s gut. Der Physio ist auch mit und schaut da immer genau drüber.“ Dass sein Coach Alex Deblaise aufgrund des Trainerkontingents daheim bleiben musste, ist für den 1,92-Meter-Hünen kein Drama. „Dieses Thema wurde extrem aufgebauscht. Ich war schon öfter in dieser Situation, von dem her ist es nichts Neues. Florian Zimmermann, der Trainer von Simon Bucher, hat mich unter seine Fittiche genommen, bessert mich aus und gibt mir Tipps. Mit Alex bin ich sowieso täglich in Kontakt, wir telefonieren nach jeder Einheit“, erklärt der Leistungs-Heeressportler, der sich vor Ort die „High Diving“-Bewerbe, da springen Männer aus rund 27 und Frauen aus 20 Metern, nicht entgehen ließ.
Gigler, der sich in Asien mit Martin Espernberger ein Zimmer teilt, greift ab Mittwoch ins WM-Geschehen ein. Der 29-Jährige startet über die 50 und 100 Meter Kraul sowie in der 4 x 100 m Lagen-Staffel. Dabei hätte 2017 schon alles aus und vorbei sein können. „Mit 21 war ich wirklich kurz vor dem Aufhören. Das war eine sehr schwierige Zeit, mein Tiefpunkt in meiner bisherigen Laufbahn“, erzählt Gigler, dessen Hals ein unfreiwilliges Andenken an 2022, eine Narbe, ziert. Er musste sich einer Hals-OP unterziehen – ein Abszess sowie eine Entzündung unter dem Halsmuskel machten dem SV-Spittal-Athleten, der sich als Anime- und Bud-Spencer-Fan outet, zu schaffen.
Doch das ist längst Musik aus der Vergangenheit. Inzwischen lässt er sich sogar entlocken, dass ihn Olympia 2028 in Los Angeles reizt. „Die Nachricht, dass die anderen 50er-Disziplinen auch olympisch geworden sind, spornt mich an.“