„Es wäre so, als wenn ein Nichtösterreicher bei der Vierschanzentournee aufs Podest springt.“ Diese Aussage soll zum Ausdruck bringen, wie groß die Chancen für Eis-Queen Vanessa Herzog auf eine Medaille bei der Sprint-Europameisterschaft ab Freitag (500 Meter) in den Niederlanden sind. „Sie haben ein heimisches Trio, das unschlagbar ist, wenn sie keinen Fehler machen. Auch dann, wenn ich nahezu perfekt fahre. Zusätzlich sind die Polinnen stark.“
Die Trauben für die Top-Fünf hängen dementsprechend hoch, für Medaillen sehr hoch, wobei es dennoch nicht unmöglich scheint, aber nicht so wahrscheinlich ist, wie sie gesteht: „Ich muss realistisch bleiben. Es kann passieren, dass ich Top-Rennen fahre und am Ende dennoch Fünfte werde.“ Für sie sei die Vorbereitung der restlichen Saison wesentlicher, stehen noch einige Weltcuprennen sowie die Weltmeisterschaft an.
Stark und katastrophal schlecht
Apropos Niederlande. Heerenveen ist jener Schauplatz, den sie liebt und hasst zugleich, „denn ich hatte hier sehr starke Rennen, aber auch katastrophal schlechte“, sagt Herzog, die den Aufbau bereits auf die olympische Saison gelegt hat. Das vollständige Gepäck ist inzwischen auch in Heerenveen angekommen – ans Ausborgen kam sie davor allerdings nicht vorbei. Am Mittwoch geht‘s ihrem Schlittschuh an den Kragen.
Den letzten Feinschliff absolvierte die 29-Jährige zuletzt in Inzell – und zwar ohne Trubel und ohne Nebengeräusche. „Wir haben uns dorthin zurückgezogen und konnten intensiv an der Technik und Startposition arbeiten. Es war nötig, um technische Fehler auszumerzen“, verriet Tom Herzog. Die Weltmeisterin von 2019 habe „einiges weitergebracht, wie viel wird man am Wochenende sehen“, sagt die Ferlacherin, die im Sommer beim Rennrad-Training mit über 50 km/h gegen ein Auto krachte, sich mehrfach überschlug und sich multiple Fingerbrüche sowie Abschürfungen und blaue Flecken am ganzen Körper zuzog.
Nach den Strapazen hinterließ wenig überraschend eine intensive Aufbauphase Spuren – ein knallharter Umfang fordert schließlich vor der Olympiasaison jede Menge an Durchhaltevermögen. „Auf dem Trainingsniveau tut immer was weh, einmal das Knie, dann die Hüfte. Mit Wehwehchen muss ich leben.“ Ein achtwöchiges Trainingscamp in Salt Lake City hat zudem demonstriert, was es bedeutet über die eigenen Grenzen zu gehen.