„Es bedeutet mir sehr viel, Dinge direkt, ehrlich und offen anzusprechen. Ich bin immer geradeaus, ein hinter dem Rücken gibt es bei mir nicht – egal ob im Sport oder privat“, vertritt Fußballer Alessandro Schöpf essenzielle Werte. Sich die Meinung zu sagen, ohne gleich verärgert zu sein, sei für ihn von hoher Relevanz. „Ich bin auch sehr kommunikativ, wobei meine Frau Julia daheim mehr redet als ich. Aber bei zwei kleinen Kindern, die ja gern mal tun, was sie wollen und zwei Golden Retrievern, muss man auch mal ein Machtwort sprechen“, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Stichwort Signifikanz. Mit gerade einmal 15 Jahren gelang Schöpf der Sprung in die Jugendmannschaft von Bayern München. Eine Phase, die ihn einerseits enorm geprägt hat, aber auch anfangs kein Zuckerschlecken gewesen ist. „Die ersten Wochen waren nicht leicht. Es war alles neu für einen, man hat keine Leute gekannt, aber es war im Nachhinein gesehen optimal für meine Entwicklung. Ich bin definitiv in München zum Profi herangereift und ich habe dort am meisten gelernt.“

Bei einem Verein hat der 31-Jährige innerhalb von fünfeinhalb Jahren im Grunde alles erlebt, was ein Kicker erleben kann. Die Rede ist vom deutschen Traditionsverein Schalke 04. Diesbezüglich verriet der Offensivakteur, „dass von Höhen bis Tiefen wirklich alles dabei gewesen ist. Es gab sehr schöne Zeiten, aber eben auch enorm bittere, wie damals beim Abstieg. Die Fans sind der absolute Wahnsinn, da sieht man, wie Menschen ihr Herzblut in den Sport reinlegen. Aber es war teilweise auch sehr turbulent und es gab viel Unruhe im und um den Verein.“

„Ich habe dem Klub aber sehr viel zu verdanken“

Mit den Königsblauen spielte der Umhausener in der Champions League, bekam aber auch zu spüren, was es heißt, den Klassenerhalt nicht zu schaffen und auch verletzungstechnisch ist er in Gelsenkirchen mit einem Kreuz- und Außenbandriss nicht verschont geblieben. „Ich habe dem Klub aber sehr viel zu verdanken, verfolge ihn nach wie vor und ich hoffe, dass sie schnellstmöglich wieder in die erste Bundesliga aufsteigen, denn da gehören sie hin.“

Bevor er im Winter zum ersten Mal überhaupt den Schritt in die österreichische Bundesliga zum WAC wagte, versuchte er sein Glück in Vancouver. Eine Zeit, die der zweifache Familienvater nicht missen will.

„Wir waren in vielen Belangen sehr weit weg“

Im Lavanttal angekommen, „stand ich zuerst etwas unter Schock. Es ist überschaubar und klein“, grinst Schöpf und betont zugleich, „dass dieser Weg aber wichtig für meine Karriere ist. Ich bin auch hier als etablierter, kommunikativer Spieler, der seine Erfahrungen weitergeben will und ich möchte die Jungs mit meiner Energie und meiner Art und Weise Fußball zu spielen mitziehen.“ Nach der sensationellen vergangenen Saison mit dem Triumph im ÖFB-Cup sowie der starken Performance in der Bundesliga (“zum Meistertitel beziehungsweise zum Double hat ein Tor gefehlt“) ist die Erwartungshaltung logischerweise gestiegen. Die Heimniederlage zum Bundesligastart gegen Altach hat als Favorit dementsprechend „wehgetan. Jeder Einzelne war nach der Partie mit sich selbst beschäftigt, da die Leistung nicht gestimmt hat. Wir waren in vielen Belangen sehr weit weg, von dem, was wir können.“

Zeit zum Grübeln bleibt jedoch nicht, denn bereits am Donnerstag geht‘s in der dritten Europa-League-Qualifikationsrunde gegen PAOK Thessaloniki. „Wir wollen unbedingt ein ganz anderes Gesicht zeigen. Der Zeitpunkt kommt gerade recht, denn ansonsten macht man sich vielleicht nach solchen Niederlagen verrückt im Kopf und man schläft ja auch teilweise auch nicht gut. So bekommt man gleich die Chance, sich besser zu präsentieren“, verdeutlicht Schöpf, der sich als ehrgeizig beschreibt und gesteht,

Angesprochen aufs ÖFB-Nationalteam – Schöpf hat bisher 32 Begegnungen absolviert – macht er kein Geheimnis daraus, „dass ich lügen würde, wenn ich sage, dass es mir egal wäre. Ich würde mich freuen, wenn es noch einmal passieren würde und ich es aufgrund meiner Leistungen möglich machen kann, aber ich war jetzt länger nicht dabei, deswegen konzentriere ich mich derzeit nur auf den WAC.“

Und wie sieht es personell bei den „Wölfen“ aus? Da muss WAC-Coach Didi Kühbauer zumindest in den kommenden zwei Partien auf Erik Kojzek verzichten. Der 19-Jährige ist im Training unglücklich gefallen und hat sich dabei am Ellbogen verletzt.