Selbst die Tatsache, dass der GAK nur einen Punkt aus den vergangenen drei Spielen geholt hat, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grazer eine durchaus achtbare Qualifikationsgruppe spielen. Zehn Zähler haben die Rotjacken bislang in sechs Spieltagen geholt – und damit nur zwei weniger als in der Vorsaison nach allen zehn Runden. „Wir dürfen nicht in Hysterie verfallen, weil wir gegen ein starkes Ried in zwei Spielen nur einen Punkt geholt haben“, sagt auch Sportchef Tino Wawra. „Man muss immer das große Ganze sehen und nicht zu negativ werden, sondern das Positive der letzten Wochen hervorkehren. Wir haben zehn Punkte gemacht und uns eine gute Ausgangsposition geschaffen. Man darf jetzt nicht Panik verbreiten, wir haben es weiterhin in der eigenen Hand.“
Die Leistungen im „Doppel“ gegen Ried waren freilich dennoch nicht nach dem Geschmack Wawras. „Vor allem mit der Leistung auswärts waren wir nicht zufrieden, das war bis jetzt die schlechteste Leistung in der Qualifikationsgruppe“, sagt der Sportchef. „Es gilt, die Eigenfehler wieder abzustellen und die paar fehlenden Prozent Leidenschaft wieder auf den Platz zu bringen. Das Wichtigste ist, dass wir zusammenhalten und an einem Strang ziehen.“ Der erste Platz im unteren Play-off ist nach der Niederlage am Dienstag wohl nur noch Gegenstand von Träumereien, mit denen sich Wawra aber ohnehin nie beschäftigt hat. „Ich habe nie nach oben geschaut – maximal dann, wenn ich mir am Sonntag die Meistergruppe anschaue“, sagt der 46-Jährige. Und während der Abstand zur Spitze in den letzten Wochen wieder größer geworden ist, ist der Vorsprung auf den Abstiegsrang, der zwischenzeitlich schon neun Zähler betragen hatte, auf vier Punkte geschmolzen. „Selbst bei neun Punkten Vorsprung habe ich gewusst, dass es noch nicht vorbei ist. Wir haben jetzt gesehen, wie schnell es gehen kann. Das muss uns eine Lehre sein.“
So wäre das Kapitel Abstiegskampf selbst dann nicht abgehakt, wenn der GAK heute (17 Uhr, Sky live) beim neuen Tabellenschlusslicht WAC gewinnen und damit drei Runden vor Schluss sieben Punkte zwischen sich und die Kärntner bringen würde. Wenngleich „wir mit einem Sieg einen riesengroßen Schritt machen können“, weiß auch Wawra. Mit einer Niederlage hingegen würde der Vorsprung auf die Wolfsberger auf einen Zähler schmelzen. Der GAK will aber selbstredend dafür sorgen, dass die 90-minütige Party in der Lavanttal-Arena zum 60. Geburtstag von WAC-Präsident Dietmar Riegler nach Spielschluss der einzige Grund zum Feiern für die Kärntner bleibt. Von denen hatte der WAC zuletzt de facto keinen. Mit mickrigen drei Zählern und keinem Sieg in der Qualigruppe sind die „Wölfe“ das mit Abstand formschwächste Team der unteren Sechs.
Nichtsdestotrotz wartet auf den GAK wohl „das schwierigste Spiel bis jetzt“, meint Wawra. Dabei dürfte Jacob Italiano, der vor dem Auswärtsspiel in Ried seine alte Muskelverletzung wieder gespürt hat und deshalb ausgefallen ist, wieder zur Verfügung stehen. Zudem kehrt der zuletzt gesperrte Thorsten Schriebl in den Kader zurück. Daniel Maderner stand gestern bereits wieder mit Fußballschuhen auf dem Trainingsplatz, dass es für einen heutigen Einsatz schon reicht, ist aber unwahrscheinlich. „Wir müssen auf alles gefasst sein. Das ist Abstiegskampf pur“, erwartet Wawra ein Spiel, das über Kampf und Wille entschieden wird. „Auf den Negativlauf dürfen wir uns nicht verlassen, wir müssen davon ausgehen, dass wir es mit der besten Version des WAC zu tun bekommen. Der WAC hat noch immer die beste Kaderqualität der Qualifikationsgruppe und gehört eigentlich in die oberen Sechs.“ Auf die Qualität im Kader wird es heute aber wohl nur bedingt ankommen: „Wer mehr Leidensfähigkeit beweist, wird das Spiel gewinnen.“