Nach Schützen musste Sturms Betreuerstab nicht suchen, als es auswärts bei Lok Zagreb darum ging, den Aufsteiger ins Achtelfinale der Youth League im Elfmeterschießen zu ermitteln. Die Grazer setzten sich eindrucksvoll durch, jeder Sturm-Kicker verwertete souverän. Auch Konstantin Schopp, der als Zweiter an der Reihe war. „Eigentlich wollte ich ja als Erster schießen und gleich von Beginn weg ein Zeichen setzen“, schmunzelt der 19-Jährige und erzählt damit schon einiges über das Mindset der schwarz-weißen U19, die auch heute in der Runde der letzten 16 gegen Olympiakos (15.30 Uhr, Sky live) für Furore sorgen möchte.

Die Elf von Trainer Christoph Wurm bekommt in Liebenau die Chance, sich einem größeren Publikum als gewohnt zu präsentieren. Schopp selbst war dies schon in den Schlussminuten des Champions-League-Duells mit Sporting in Klagenfurt vergönnt. Der Innenverteidiger spricht von der Erfüllung eines Kindheitstraums: „An der Outlinie zu stehen, in der Champions League eingewechselt zu werden, der Stadionsprecher sagt meinen Namen, vor der Nordkurve zu spielen, auch wenn es nur fünf Minuten waren – dieses Gefühl werde ich in meinem Leben nie vergessen.“ Nachsatz: „Ich hoffe natürlich, dass es nicht das letzte Mal war.“

KLAGENFURT,AUSTRIA,22.OCT.24 - SOCCER - UEFA Champions League, SK Sturm Graz vs Sporting CP. Image shows Konstantin Schopp (Sturm).
Photo: GEPA pictures/ Hans Oberlaender
Konstantin Schopp debütierte gegen Sporting in der Champions League © GEPA

Familie, Freunde, Klassenkollegen, nach der Premiere habe er hunderte Nachrichten bekommen. Die Lust auf mehr ist aber deutlich spürbar. Momente wie diese dürfen gerne zur Gewohnheit werden. Erwachsenenfußball spielt Schopp bereits in der 2. Liga bei Sturm II, den nächsten Schritt möchte er gerne in der Bundesliga gehen. Der klare Wunsch ist, dies bei Sturm zu tun. Jenem Verein, dessen Jugend er komplett durchlief. „Ich setze alles daran, um mir diesen Traum zu erfüllen. Grenzen, wie weit hinauf es geht, setze ich mir keine. Ich möchte einfach schauen, was geht.“

Im Training mit den Profis würde er nicht nur sein Herz am Platz lassen, sondern auch wertvolle Erfahrungen sammeln. Gegenspieler wie Otar Kiteishvili oder bis zu seinem Abgang Mika Biereth zu verteidigen, sei dann eben „schon etwas anderes. Das bringt dich weiter. Gegen Kiteishvili willst nicht Vier gegen Vier spielen“, lacht der Blondschopf.

Die Frage, wie Schopp zum Fußball kam, erübrigt sich. Vater Markus Schopp ist Sturm-Legende, 56-facher Nationalspieler und aktuell Trainer des LASK. Als kleines Kind habe er im Garten mit dem Papa gekickt, später in Schule und Freizeit mit Freunden. „In der U7 bin ich zu Sturm, seitdem bin ich ein Schwarz-Weißer“, berichtet Schopp. Einen ehemaligen Fußballprofi im Elternhaus zu haben, hatte natürlich Einfluss auf den Berufswunsch: „Aber es ist ein Traum von Millionen von Menschen, Fußballer zu werden. Mir war immer klar, dass ich diesen Weg einschlagen will.“

Markus Schopp (Sturm), Jubel
Papa Markus Schopp spielte in der Osim-Ära für Sturm in der Champions League © GEPA

Vom Papa gab es dabei keinen Druck: „Er hat nie gesagt, ich muss Fußballer werden. Er hat gemeint, ich soll tun, was mir Spaß macht, und das macht ihn dann auch glücklich.“ Laut Konstantin hat sich Markus Schopp sogar eher zurückgehalten: „Er ist auch fast nie zu Spielen gekommen, weil ich das eine Zeitlang nicht wollte.“ Anders als man es sich vielleicht vorstellt, sei der Fußball auch bei den mittlerweile seltener gewordenen Treffen kein Hauptthema: „Ich rede mit meinem Papa eigentlich nur über Fußball, wenn ich ihn frage. Auch er will nicht so viel über Fußball reden, er hat das Thema ohnehin den ganzen Tag um die Ohren.“

Eine Karriere wie der Papa - oder gar eine bessere?

Früher hätte ihn das Vater-Sohn-Thema manchmal gestört, inzwischen sei es ihm egal. Setzt er sich als Profi durch, kommt er vor allem anfangs ohnehin nicht dran vorbei. „Ich bin auch stolz auf die Karriere meines Papas. Hoffentlich kann ich auch so eine Karriere hinlegen, oder vielleicht sogar die bessere“, grinst der Junior.

Nach Konstantins CL-Debüt strich Markus Schopp nicht nur die Selbstständigkeit seines Sohns hervor, sondern lobte auch, wie er seinen Weg „durch das Schul- und Trainingsbelastungssystem“ findet. Der 19-Jährige befindet sich im Maturajahr im BORG Monsberger und ist sehr dankbar für die Möglichkeit, Schule und Fußball verbinden zu können: „Mir ist der Schulabschluss sehr wichtig.“

Im Fußball lernt Schopp von seinem Vorbild Virgil van Dijk. „Manchmal hat man das Gefühl, dass er eine Situation schon eine Minute vorher gelesen hat“, staunt er über den Positionskollegen vom FC Liverpool. In jüngeren Jahren galt die Bewunderung Real-Star Sergio Ramos: „Seine Spielweise hat mich fasziniert, ein bisschen dreckiger, aber mit seinen Kopfballtoren auch offensiv präsent. Ich kann mich an sein Tor in letzter Sekunde im Champions-League-Finale 2014 erinnern.“

Warum eigentlich kein Länderspiel im ÖFB-Nachwuchs?

Schopp selbst begann als Stürmer und wanderte über die Jahre etappenweise zurück. Erstaunlich ist, dass er zwar in der Königsklasse debütierte, allerdings bis dato kein einziges Nachwuchs-Länderspiel bestritten hat. Dies könnte daran liegen, dass er als am 30. Dezember denkbar spät im Jahr Geborener in seinem Jahrgang immer einer der Jüngsten war, der Leistungsschub erst ein wenig später erfolgte: „Ich habe mich vor allem im letzten Jahr sehr weiterentwickelt.“

Sturms Youth-League-Kader umfasst Talente der Jahrgänge 2005 bis 2009. Hier zählt Schopp zu den Älteren, die vorangehen und die Jüngeren an die Hand nehmen. Gegen Titelverteidiger Olympiakos erwartet er eine spannende und intensive Partie. Das logische Ziel ist das Viertelfinale: „Jeder von uns brennt auf das Spiel. Wir werden alles geben, um in die nächste Runde einzuziehen.“