Die Kür hat Trainer Christoph Wurm bereits erfüllt, bei seiner Sturm-Premiere gelang bei Lok Zagreb der Einzug ins Achtelfinale der Youth League. Ab diesem Wochenende steht die Pflicht auf dem Programm, sprich der Alltag mit Sturm II in der 2. Liga. Der Auftakt steigt am Samstag (20 Uhr) zu Hause in Gleisdorf gegen Rapid II.

Nach der Herbstsaison rangieren die jungen „Blackies“ auf dem neunten Platz. Eines der beiden großen Ziele, nämlich der Klassenerhalt, erscheint bei zwölf Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze sehr realistisch. „Der Klassenerhalt steht über allem, weil der Sprung aus der 2. Liga in die Bundesliga nicht so groß ist“, sagt der 32-Jährige, was nahtlos zum zweiten Vorhaben führt: „Das zweite große Ziel ist die individuelle Entwicklung unserer Toptalente.“ Selbige sammeln bei der schwarz-weißen Zweitvertretung ihre ersten Erfahrungen im Erwachsenenfußball.

Nicht der Richtige für Platz sieben

Dieser Bereich ist es auch, in dem der bisherige Sportliche Leiter der Akademie in St. Pölten und Co-Trainer im ÖFB-Nachwuchs über besondere Kompetenzen verfügt. Schon im Laufe des Auswahlverfahrens habe er Sturms Entscheider um Geschäftsführer Sport Michael Parensen wissen lassen: „Wenn ihr mich holt, holt ihr eher einen Talententwickler als einen Feuerwehrmann. Wenn es darum geht, Siebenter zu werden, bin ich wahrscheinlich nicht der Richtige. Wenn es darum geht, so viele Spieler wie möglich nach oben zu bringen, dann habe ich von meiner Idee, meiner Vision und meinen Persönlichkeitsmerkmalen die Überzeugung, dass es ein guter gemeinsamer Weg sein kann.“

Der letzte Schritt aus dem Juniorenfußball ins Profitum ist bekanntlich besonders schwierig, auch hoffnungsvolle Talente scheitern immer wieder daran. „Erwachsenenfußball und Nachwuchsfußball sind etwas ganz anderes“, meint Wurm und erläutert: „Die Jungs messen sich immer nur in ihrem eigenen Jahrgang beziehungsweise einen drunter oder drüber. Aber im Profifußball konkurrieren sie mit 15, 16 Jahrgängen und sind gleichzeitig der jüngste.“ Alle hätten den Traum, Profifußballer zu werden. Was dies in der Praxis bedeutet, steht auf einem anderen Blatt Papier. „Im Trainingslager habe ich mit meiner Mannschaft besprochen: Jeder will Profi sein, aber nicht jeder will Profi werden. Es geht darum, unsere Diamanten mitzuschleifen“, erklärt Wurm und meint damit auch wichtige Komponenten abseits des Fußballs: „Die Schulausbildung soll etwa fertiggemacht werden.“

Personell wurde mit Antonio Ilic ein Dauerbrenner nach Kroatien abgegeben, Stürmer Leon Grgic sollte eher oben gefragt sein. Dafür wurde am Transfermarkt mit Daniel Sumbu unter anderem eine 17-jährige Offensivkraft für eine kolportierte Ablöse von einer Million Euro aus Bielefeld losgeeist, die sich in der zweiten Mannschaft für eine Beförderung zur Kampfmannschaft empfehlen soll.

Alles andere als ein Scherbenhaufen nach Jürgen Säumel

Dort steht mit Jürgen Säumel jener Trainer an der Seitenlinie, der zuvor für Sturm II verantwortlich war. Wurm spricht von einem guten Austausch mit seinem Vorgänger und einem Privileg, dass dieser Wissenstransfer überhaupt möglich ist: „Denn in der Regel gibt es einen Trainerwechsel, da es davor nicht gut funktioniert hat und es einen Scherbenhaufen gibt. Jetzt habe ich die luxuriöse Situation, dass die Basis super ist. Ich kann von Tag eins an mit einer funktionierenden Mannschaft arbeiten. Die Idee, wie Fußball gespielt werden soll, ist schon implementiert.“

Und bezüglich dieser Idee passt Wurms Überzeugung ideal zu Sturm. „Die Raute ist unser Ding. Bei Sturm war es ja lange Zeit unter Christian Ilzer die wahre Identität“, unterstreicht der Niederösterreicher und stellt klar: „Gegenpressing ist in unserer Idee kein Vorschlag, sondern absolute Überzeugung.“