Ein „echtes Zuckerl“ sei es, findet Christoph Wurm, die Zwischenrunde der Youth League, in der die U19 des SK Sturm am Mittwoch auswärts bei Lokomotiva Zagreb (12 Uhr, Sky live) gastiert. Für die Talente der Grazer ein Highlight, für eines der größten Trainertalente des Landes die schwarz-weiße Premiere. Anfang Jänner wurde Wurm zum Trainer von Sturm II bestellt und somit zum Nachfolger des zum Chefcoach der Profis beförderten Jürgen Säumel.
Michael Parensens Anruf aus dem Nichts
„Es war kurz vor Silvester und kam aus dem Nichts“, berichtet Wurm vom ersten Anruf von Geschäftsführer Sport Michael Parensen. Nach von großer Wertschätzung geprägten Gesprächen habe er schnell gemerkt, dass diese Aufgabe „der perfekte nächste Schritt“ für ihn sei. Zuvor war der Niederösterreicher in einer Doppelfunktion als Sportlicher Leiter der Akademie in St. Pölten sowie beim ÖFB-U18-Nationalteam als Co-Trainer von Martin Scherb tätig. Berührungspunkte zu Sturm gab es zuvor nur wenige („Aber man kennt sich in Österreich zwangsläufig“). Einer war der neue Technische Direktor Benjamin Schunk, den er von einer Hospitation bei Leverkusen kannte.
Wurm ist für einen Trainer zwar an Jahren jung, stand jedoch schon mit 16 in seiner Heimatgemeinde Kapelln erstmals als Übungsleiter vor einer Jugendmannschaft. Denn seine Berufung war ihm schon sehr früh klar: „Ich wollte tatsächlich Fußballtrainer werden und nicht Fußballspieler. Ich habe schon als Kind als einziger Fußballmanager und nicht FIFA gespielt.“ Zwar habe er dem runden Leder auch aktiv gerne hinterhergejagt. „Aber es waren wohl auch eineinhalb linke Füße im Spiel“, erzählt Wurm lachend. „Ich bin schon als Spieler eher über den Fleiß gekommen als über Talent. So habe ich in jungen Jahren schon viel auf die Trainerkarriere setzen können.“
Wissen wurde nicht nur am Computer generiert: „Meine ersten Bücher waren Biografien von Toptrainern.“ Logisch, dass er jene von Alex Ferguson, der seinen Lieblingsverein Manchester United prägte, verschlang, „aber gerne auch Bücher von Trainern mit ganz anderen Ansätzen wie Guardiola, Klopp, Tuchel, Ancelotti oder Allegri. Beim Übersiedeln nach Graz habe ich Bücher entdeckt, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie noch habe. Da waren weit über 100.“
Scherb („eine lokale Legende in St. Pölten“) bezeichnet Wurm als seinen größten Förderer. An dessen Seite arbeitete und lernte er jahrelang, zuletzt betreuten sie den aus rot-weiß-roter Sicht so hoffnungsvollen 2007er-Jahrgang, dem mit Jacob Hödl und Oliver Sorg auch zwei Rohdiamanten Sturms angehören, die er nun als Vereinstrainer schleifen möchte.
Die Klarheit von Ralf Rangnick
Theoretisches Wissen ist das eine, es in der Praxis auf den Platz zu bringen, ist das andere. Hierbei halfen gerade die Erkenntnisse der letzten Jahre beim ÖFB, in denen mit der Bestellung von Teamchef Ralf Rangnick ein höherer Professionalisierungsgrad eingekehrt sei: „Und absolute Klarheit im Spielstil. Das kann man gut oder nicht gut finden, aber es ist definitiv ein Weg, der eine klare Ausrichtung hat.“ Wie will man auf und neben dem Platz auftreten? Welche Spieler braucht es dafür? „Pressing, Intensität, Mut. Für diesen Spielstil braucht man Überzeugung. Für Zweifel bleibt kein Platz. Wer zweifelt, verliert Zeit, die einem dann fehlt“, verdeutlicht Wurm, der selbst für diesen auch bei Sturm gefragten Ansatz steht.
Eine enge Kontaktperson sei dabei der neue U21-Teamchef Peter Perchtold gewesen, der ihn mit Feedback versorgt hat: „Dieses Umfeld war ein großes Glück für mich. Meine größte Stärke war schon immer, sehr interessiert und offen zu sein. Ich bin bereit zu lernen und das anzunehmen. So entsteht die Prägung. Ich hatte keine große Spielerkarriere, habe aber überall etwas mitgenommen. Mittlerweile stehe ich selbst für ein klares Bild.“
Erster Prüfstein für Wurms Arbeit ist mit Lok Zagreb auswärts ein herausfordernder Kontrahent. „Sie treten typisch kroatisch mit technisch sehr gut ausgebildeten Spielern auf. Sie bringen auch eine hohe Körperlichkeit mit. Die Innenverteidiger und Mittelstürmer sind mit mehr als 1,90 Meter ordentliche Kaliber“, erklärt Wurm, der davon ausgeht, dass die Sturm-Youngsters, mit ihrer intensiven Spielweise auch diesem Gegner wehtun können: „Die Mannschaft brennt schon richtig.“
„Wir wollen die Früchte ernten“
Auch Wurm selbst strahlt riesige Vorfreude aus. Diese Aufgabe sei riesiger Rückenwind für den Verein und die Akademie: „Wir sind unter den besten Teams Europas. Das hat sich die Mannschaft mit ihren guten Leistungen im Herbst verdient. Es ist eine Auszeichnung für die gute Nachwuchsarbeit des Vereins. Jetzt wollen wir die Früchte ernten.“