„Und wonn da Schnee staubt und wonn de Sunn scheint, donn hob i olles Glick in mia vereint.“ In seiner heimlichen Hymne auf die Skination Österreich hat Wolfgang Ambros besungen, was die meisten Wintersportler erträumen: Eine unverspurte Piste, die weiße Pracht am Berg. Auch an diesem Wochenende wird es uns in Scharen auf die Gipfel ziehen, wo Neuschnee, Sonne und die Frischluft des Frühlings wieder plakativ-provokant ihre unwiderstehliche Symbiose demonstrieren.
Mitunter kann sich diese Aussicht aber rasch verdüstern, wie im heurigen Winter schon tragisch oft geschehen: Das Land zählt in dieser Saison 26 Lawinentote und somit deutlich mehr als im Zehn-Jahre-Mittel, das bei 16 Todesopfern hält. Allein in Tirol verzeichnete man am vergangenen Wochenende über 250 Lawinenabgänge, 40 damit verbundene Einsätze, sowie etliche in Not Geratene und Verletzte. Die alpine Abrechnung ist erschütternd, zumal manches Unglück wohl vermeidbar gewesen wäre. Denn die Gefahr kam nicht aus dem Nichts, sie ist vielfach angekündigt und auf allen medialen Kanälen vorausgesagt worden. Für Einheimische und Touristen im Westen wurde von den Landeswarnzentralen sogar der penetrante AT-Alert aktiviert, um über die Mobiltelefone auf die extreme Lawinensituation hinzuweisen.
Übertrieben? Wohl kaum, wenn man ins Kalkül zieht, dass mancher nur Sorglosigkeit und Leichtsinn in den Rucksack packt. Das Bild von Österreichs risikolosem Rettungsnetz hat sich nämlich schon gut in den Köpfen verankert: Wer Hilfe benötigt, wird scheinbar von überall und jederzeit per Heli abgeholt, die Dichte an Hubschraubereinsätzen ist nirgendwo vergleichbar hoch. Kaum verwunderlich, dass sich über die Jahre so eine Art „Vollkasko-Mentalität“ entwickeln konnte, die mit der Sehnsucht nach Spektakel und mangelnder Verzichtsbereitschaft immer öfter in brandgefährliche Beziehung gerät.
Doch dem verhängnisvollen Dreieck soll nun ein Riegel vorgeschoben werden: Wer leichtfertig und trotz Warnungen ins Gelände fährt und einen Sucheinsatz auslöst, müsse das finanziell stärker spüren, forderte gestern Tirols Sicherheitslandesrätin Astrid Mair. Auch Versicherungen sollten sich an den Bergsportlern schadlos halten können: „Denn grob fahrlässiges Verhalten muss in der Geldtasche richtig wehtun, damit man es sich vielleicht merkt.“ Ob sie mit dieser Forderung durchdringt, bleibt abzuwarten. Von den Bergrettern wird Mair jedenfalls Applaus ernten – sind diese durch die unzähligen Einsätze doch schon nah an ihrer psychischen und physischen Belastungsgrenze.
Wer am Berg seine Freizeit verbringt, trägt auch Mitverantwortung für alle Ehrenamtlichen, die im Ernstfall bei Nacht und Nebel ausrücken, um Verschütteten, Verirrten oder Verzweifelten beizustehen. Schon aus Respekt vor ihnen sollten wir unsere Rettungsnetze nicht mutwillig auf Reißfestigkeit testen, meint Ihre
Elisabeth Zankel