Es kommt nicht so oft vor, dass ein Superstar wie Gigi D‘Agostino seine aktuelle Tour in Graz startet. Am Donnerstag war das der Fall, als der „Capitano“, wie ihn seine Fans vielfach nennen, die allererste seiner neuen „360-Grad-Shows“ in der ausverkauften Grazer Stadthalle abzog. Anders als vergangenes Jahr, als nicht weniger als 14.500 Zuschauer zu seinem Grazer Konzert kamen, war diesmal Clubatmosphäre (okay: Großraumdisco) angesagt und jeder der drei aufeinanderfolgenden Abende auf 4.000 Karten limitiert. Sogar aus Dänemark waren Fans angereist, um sich dieses Ereignis zu gönnen. Die Tore öffneten sich zeitig um 19.00 Uhr. Daraufhin gab es reichlich Zeit, sich mit Bier, Sekt und allerlei Drinks in die gebührende Partystimmung zu versetzen. Das Publikum lag nicht unerwartet überwiegend zwischen 30 und 40 Jahren, vereinzelt sah man auch deutlich jüngere Gesichter.

In der Stadthalle herrschte Clubatmosphäre
In der Stadthalle herrschte Clubatmosphäre © Klz / Nicolas Galani

Fünf Minuten nach halb neun gingen ziemlich pünktlich die Lichter aus und der Maestro erschien auf der bereits angedeuteten, in der Mitte der Halle angesiedelten, um 360 Grad drehbaren, an eine viereckige Kanzel gemahnenden Bühne. Darüber eine mit Licht bespielte, verkehrte Stufenpyramide, die jeder „Klanglicht“-Ausgabe gut zu Gesicht gestanden hätte. Statt der Kapitänsmütze zierte diesmal ein Fidel-Castro-Hut das Haupt der italienischen DJ-Ikone.

Der Maestro siedelte die 360-Grad-Bühne in der Mitte der Halle an
Der Maestro siedelte die 360-Grad-Bühne in der Mitte der Halle an © Klz / Nicolas Galani

Letztere bot an diesem Abend ein erstaunlich geradliniges Set voll trockener, schneller Beats. Von „Lento Violento“ war vergleichsweise wenig zu bemerken, und wenn, dann als Überleitung zwischen den einzelnen Stücken. Neben einigen seiner eigenen Hits – „Bla Bla Bla“, „Super“, „In My Mind“, allesamt gut über das Konzert verteilt – drehte D‘Agostino Klassikgassenhauer wie fast zwangsläufig die „Kleine Nachtmusik“ genüsslich durch den Beatwolf.

Drei Mal tritt die italienische DJ-Ikone in der Grazer Stadthalle auf
Drei Mal tritt die italienische DJ-Ikone in der Grazer Stadthalle auf © Klz / Nicolas Galani

Insgesamt bewies er ein sicheres Gespür für Dramaturgie. Nach einer halben Stunde hieß es pünktlich „Put your hands in the Air“ – vom Publikum weitgehend brav befolgt. Die letzte halbe Stunde wurde, jetzt richtig auf Italo, mit „Sara perché ti amo“ eingeleitet, nein, regelrecht zelebriert. Den Schlusspunkt setzte mehr oder weniger erwartungsgemäß „L‘amour toujours“. Die verkehrte Pyramide leuchtete dazu in Regenbogenfarben – eine schöne und doch deutliche Geste – insbesondere in Richtung jener, die diese fröhliche Hymne an die Liebe vor zwei Jahren zwischenzeitlich und ganz und gar unverdienterweise in Verruf gebracht haben.