Kritik an SteuerreformWarum sich Alleinerzieherinnen gegen den Familienbonus wehren

Der erhöhte Familienbonus hilft Familien und der Volkswirtschaft. Aber eine Gruppe, die es ohnehin nicht leicht hat, sieht sich dadurch im Nachteil: Alleinerziehende Mütter.

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"Besonders profitieren Väter, deren Ex-Frauen sich um die Kinder kümmern und deshalb zu wenig arbeiten, um davon zu profitieren." © (c) Halfpoint - stock.adobe.com
 

Im Budget, das Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) vergangene Woche präsentiert hat, ist es schon eingepreist: Der Familienbonus wird ab Juli 2022 pro Kind auf bis zu 2.000 Euro im Jahr angehoben. „Der Familienbonus ist ein Meilenstein“, sagte Familienministerin Susanne Raab (ÖVP). Die Ökonomin Monika Köppl-Turyna von EcoAustria sieht darin auch volkswirtschaftliche Effekte: 6.400 Menschen würden durch die Erhöhung in Beschäftigung kommen, das Bruttoinlandsprodukt würde sich bis 2025 dadurch um 700 Millionen Euro erhöhen, rechnet sie bei einem gemeinsamen Termin mit der Familienministerin vor.

Kommentare (40)
herwig67
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Leider stimmt es

Väter, die Unterhalt zahlen, können den Familienbonus zur Gänge beanspruchen, wenn
1) Familienbeihilfe für die Kinder bezogen wird( von der Mutter)
2) die Mutter keine Lohnsteuer zahlt ( geringes Einkommen, Sozialunterstützung, Arbeitslosengeld)
Es kommt dabei nur auf die bestätigte Vaterschaft an. Die Kinder haben davon in diesem Fall nichts vom Geld.Hier ist dringend Änderungsbedarf.

mahue
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Manfred Hütter: Stimmt ja nicht werter herwig67

Grundsätzlich hat der haushaltsführende Eltern in dem das Kind lebt, immer Anspruch auf mindestens 50% des Familienbonus +.
Zahlt der scheidende Elternteil laut Beschluss, oder Vereinbarung pünktlich seinen Unterhalt (Alimente) Anspruch 50%, zahlt er aber zusätzlich zum normal festgesetzten Unterhalt auch die Kinderbetreuungskosten zu Gänze kann sich dieser auf 90% erhöhen.
Zahlt der andere Elternteil nichts, hat der haushaltsführende Elternteil (Alleinerzieher) 100% Anspruch auf den Familienbonusplus und bei Negativsteuerfällen Anspruch auf den Kindermehrbetrag zu 100%.
Bitte auf der Homepage des BMF nachlesen, sind neben der gesetzlichen Bestimmung auch Beispiele angeführt.

mahue
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Manfred Hütter: Zusatz

Ihr genannter Fall, Arbeitslosengeld, Notstandhilfe. Diese erhöhen sich mit Zuschlag für jedes im Haushalt lebende Kind.
Weiters besteht Anspruch auf andere Leistungen wie Wohnbeihilfe der Länder oder Heizkostenzuschüsse, Betreuungsunterstützung etc.
Bitte alles zusammenrechnen. Meine Berufserfahrung ist, diese betroffenen Personen werden ob Finanz, AMS oder Länder, Gemeinden aufgeklärt und unterstützt und haben auch Interesse daran auf Grund ihrer finanziellen Situation.

mahue
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Manfred Hütter: Wenn ich die Kommentare lese haben manche kein Information wie der Unterhalt des scheidenden Elternteils berechnet wird, und wer überhaupt den Antrag unter welchen Voraussetzungen stellen kanne

Grundsätzlich ist der gesetzliche Unterhalt des unterhaltverpflichteten Elternteiles, der nicht im Haushalt lebt nach Höhe des Einkommens in gibt es den staatlichen Geldzahlungen geregelt und zusätzlich auch bei besonderen Fällen wie Erkrankung. Die Höhe der Mindestsätze (gestaffelt nach Alter des Kindes) angepasst an die Preisentwicklung wird, jährlich vom Justizministerium verlautbart. Bei Zahlungsunfähigkeit des Unterhaltverpflichteten, ist der staatliche Unterhaltsvorschuss gesetzlich eingeführt.
Können sich Eltern über den Unterhalt nicht einigen, ist der Weg zum Gericht notwendig. Pflegschaftsrichter haben das Recht, wenn der Unterhaltspflichtete seine Einkommens und Vermögensverhältnisse nicht offenlegt, dies in Amtshilfe beim zuständigen Finanzamt anzufordern, dieses ist ohne wenn und aber gesetzlich verpflichtet dieser Amtshilfe nachzukommen.

mahue
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Manfred Hütter: Bemessung für den gesetzlichen Unterhalt

Da wird nicht nur das monatliche Nettoeinkommen herangezogen, sondern auch die jährlichen Gutschriften einer Steuerrückerstattung nach erfolgter Veranlagung.

chschkl
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Warum ist es schändlich dass die Väter profitieren

„Besonders profitieren Väter, deren Ex-Frauen sich um die Kinder kümmern und deshalb zu wenig arbeiten, um davon zu profitieren.“

Man würde doch annehmen dass auch die Väter zum Lebensunterhalt des Kindes beitragen (zumindest durch die Alimente). Wo ist also das Problem? Natürlich kann jemand nur von einer Steuererleichterung profitieren wenn er auch Steuern zahlt.

paarchr
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Familienpolitik

Weil einige Väter das Geld für sich behalten?!?!
Zur Steuer: es sieht super aus was die Regierung alles macht! Aber Familien die das Geld nötig brauchen fallen durch! Alle anderen auch reiche Familien bekommen das Geld!
Und ich glaube das ist noch sozial.
Deswegen benötigt dieses System eine Negativsteuer und ein Obergrenze.

SoundofThunder
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🤔

In das antiquierte Weltbild der Erzkatholischen sind Alleinerziehende Mütter eh selbst schuld. Für CV‘ler ist die Frau verheiratet,verhält sich ruhig und steht vor dem Herd. Ist wirklich so.

reschal
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Dumpfbackige Argumente

Lernens erstmal richtig schreiben, bevor Sie solche Pauschalverurteilungen verbreiten!

Ba.Ge.
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Ein Kind wächst am besten

von Mutter + Vater begleitet auf. So wird am ehesten ein (letztlich für den Staat gewinnbringender) „normaler“ Mensch aus dem Kind.

Das ist nicht sonderlich katholisch, sondern eine psychologische Tatsache, das Vater und Mutter verschiedene benötigte Aspekte in die Erziehung einbringen (im allgemeinen is es wohl das Urvertrauen in die „Mutter“ und die Normsetzung durch den „Vater“ [wenn es jetzt zwei Väter/Mütter sind, die sich darauf konzentrieren jeweils eine Rolle einzunehmen ist es wohl weniger fatal, als beide Bilder in einer alleinerziehenden Person vorgelebt zu bekommen]). Noch weniger katholisch ist der Wunsch nach einer möglichst gewinnbringenden Bevölkerung seitens der Politik..

cosmopolit
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Nicht die Realität

Es ist schön, dass verschiedene Bezugspersonen verschiedene Aspekte in die Erziehung eines Kindes einbringen. Es ist aber leider bei vielen Kindern nicht die Realität, die Gründe dafür sind unterschiedlich. Am wenigsten kann wohl das Kind dafür, das aber durch den Familienbonus in einer vlt schon nicht optimalen Familiensituation auch noch mit Armut bestraft wird.

ilselampl
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..... durch den Familienbonus mit Armut bestraft......

wie geht das ????

UHBP
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@ba...

".. und die Normsetzung durch den „Vater“ "
Meinst da die gute alte Tracht Prügel

chschkl
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Von Mutter und Vater begleitet...

sollte jedes Kind werden auch wenn es zeitweise fremdbetreut wird. Dies ändert nichts an der Liebe und Urvertrauen die ELTERN (Vater und Mutter) geben. Es gibt auch katholische Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder unter 3.

cosmopolit
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Sollte...

Ja, es sollte so sein, aber leider ziehen sich oftmals die Väter nach einer Trennung zurück und wollen nicht mehr am Leben eines Kindes teilhaben. Auch ein Elternteil kann ein Kind sehr gut alleine groß ziehen, wenn das so ist. Väter haben sich bis zu den 70er Jahren auch nicht in die Erziehung eingebracht. Gerade diese Kinder sollten finanziell abgesichert sein, zB durch höher Familienbeihilfe statt Familienbonus, so muss beim Ex gebettelt werden, dass er etwas vom Bonus abgibt. Wenn er kein Interesse an den Kindern hat, wird er auch kein Interesse haben, Geld abzugeben, darum gehts im Artikel, wenn sich das Leben eben nicht nach Hollywood verhält, gerade dann brauchen Kinder Unterstützung.

Dr.B.Sonnenfreund
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Weil ich ein wenig die Wahrheit

über AlleinerzieherInnen geschrieben habe, schlug die Zensur wieder voll zu, bravo !

spritzal
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Fehlinformation bezüglich Unterhalt

Wird der Unterhalt nicht gezahlt steht auch kein Familienbonus zu. Deswegen muss in der Steuerklärung der gezahlt Unterhalt angegeben werden

mahue
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Manfred Hütter: spritzal korrekt

War bis 5/2020 Beamter im Finanzamt, der Familienbonus+ ist gesetzlich nach § 33 EStG 1988 so geregelt, dass bei getrennt lebenden Eltern das Finanzamt im Streitfall überprüft, wer trägt überwiegend die täglichen Kosten des gemeinsamen Kindes (sind in der Regel Ausnahmen, weil vernünftige getrennt lebende Eltern sich privat einigen, wer den größeren steuerlichen Vorteil hat von 50% bis 90%). Zahlt der Kindesvater oder die Kindesmutter keinen Unterhalt, das nicht in ihrem Haushalt lebt gibt es Null.
Gesetzlich geregelte Besuchszeiten zählen nicht, oder fallweise Geschenke, egal welcher Art.

cosmopolit
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Gelebte Praxis?

Am Papier bzw. Paragraphen mag das gut klingen. Mich würde interessieren: Wie oft kam es tatsächlich vor, dass das Finanzamt im Streitfall überprüft hat, ob das Unterhalt-pflichtige Elternteil tatsächlich ausreichend Unterhalt bezahlt? Ich nehme einmal an, es sind mindestens zwei Einsprüche nötig, um soweit zu kommen. Welche*r Alleinerzieher*in kann sich Steuerberatung leisten die dabei unterstützt (ich nehmen einmal an, es läuft nicht so oft direkt über die/den Betroffenen).

Wie oft wurde (von Ihnen) tatsächlich Familienbonus aberkannt weil kein oder zu wenig Unterhalt bezahlt wurde? Bitte ehrlich antworten!

mahue
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Manfred Hütter: Werter cosmopolit

Darauf gebe ich als Beamter seit kurzem im Ruhestand (bin Beamter bis zum Tod) überhaupt keine Antwort. Verbietet mir das gültige Recht.
Steuerakten und Bearbeitungen der Familienbeihilfe sind höchst geschützte persönliche Daten des betroffenen Bürgers nach mehren Gesetzen, die hier greifen und bei Missbrauch des Beamten mit Folgen anzuwenden sind, nicht disziplinär sondern auch strafrechtlich.

mahue
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Manfred Hütter: Zusatz

Was mir mehr zu bedenken gibt ist, warum steigt die Anzahl der Alleinerzieher/innen. Haben wir da eine Fehlentwicklung nicht nur in Österreich.
Kinder brauchen Mutter und Vater zu gleichen Teilen, um sich normal zu entwickeln. Natürlich gibt es Vorfälle (Tod eines Elternteiles oder Gewalt in der Familie). Aber die meisten Alleinerzieher/innen haben diesen Weg privat selbst gewählt. Bin selbst schon 5 Jahre ein alleinerziehender Vater mit 13 jährigem Sohn, aber guten Verhältnis zu meiner getrennt lebenden Frau. Können alles regeln ohne Eingriff von Behörden. Manche mögen mein Outing verurteilen, aber es war eine reine private Entscheidung und ohne Scheidung (Auflösung der Ehe).

cosmopolit
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Selber schuld?!

Ihr Kommentar lässt vermuten, dass Alleinerziehende selbst Schuld sind (und daher so ein Artikel unnötig?!). Gerade in Österreich wo wir eine der höchsten Raten an Frauenmorden haben sollten wir sehr vorsichtig mit solchen Aussagen sein. Es gibt Gründe, warum sich Frauen von Männern trennen. Der Familienbonus macht Frauen weiterhin von (gewalttätigen) Ex Männern abhängig. Wer das Geld hat, hat die Macht.

UHBP
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Warum sich Alleinerzieherinnen gegen den Familienbonus wehren

Alleinerziehende sind für die ÖVP ja gar keine "echten" Familien und deshalb ist es nur gerecht, dass diese nicht davon profitieren, oder?

khst
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in

welchem Jahrhundert denken sie?

UHBP
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@kh...

Das Gesetz ist von der Regierung und nicht von mir! Solltest eher Fragen in welchem Jahrhundert die ÖVP denkt!

mahue
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Manfred Hütter: UHBP nicht an dem Wort "Familie" im engeren Sinne picken bleiben

Führt uns ja die Opposition täglich vor, was sie unter "Familie" versteht.

 
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