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FaktencheckLiegen vorwiegend Migranten auf den Intensivstationen?

In Sozialen Medien wird spekuliert, dass mehr als 50 Prozent der Corona-Intensivbetten mit Migranten belegt sind. Aber stimmt das auch?

++ THEMENBILD ++ CORONA: INTENSIVSTATION / COVID-STATION / INTENSIVBETTEN
© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Die Debatte in Sozialen Medien und auf der Plattform Twitter wird seit Tagen teils emotional geführt. Dort wird darüber diskutiert, wie hoch der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund nun wirklich ist, die mit Corona auf Intensivstationen liegen. Der niederösterreichische FPÖ-Politiker Gottfried Waldhäusl hatte in einem Posting auf Facebook behaupte, dass mehr als 50 Prozent der Covid-19-Intensivbetten aktuell mit Migranten belegt seien.

Gesundheitsexperten und Ärzte würden das "hinter vorgehaltener Hand" bestätigen. Im Bild darunter präzisiert er den Bereich auf Großstädte. Und: Obwohl Migranten sich "an keinerlei Sicherheitsmaßnahmen halten", würden sie im nationalen Impfplan bevorzugt werden, behauptet Waldhäusl. Stimmt das?

Wer die Antwort darauf finden will, stößt schnell auf ein altbekanntes Problem: die unterschiedlichen Definitionen des Begriffes "Migrant". Die Statistik Austria definiert als Mensch mit Migrationshintergrund all jene, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Auch sie können aber die österreichische Staatsbürgerschaft haben. Das Innenministerium sieht das anders. Auch jene, die von einem Land zu einem anderen wandern, um dort zu leben und zu arbeiten, werden als Migranten bezeichnet.

88,3 Prozent der Patienten waren österreichische Staatsbürger

Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) erhebt in Österreich die Staatsangehörigkeit von Covid-19-Intensivpatienten. Wie ein Pressesprecher der GÖG der APA auf Anfrage mitteilte, wurden von 1. Jänner 2020 bis 28. Februar 2021 insgesamt 5.790 Menschen aufgrund von Covid-19 intensivpflichtig. Davon seien 88,3 Prozent österreichische Staatsbürger gewesen. 8,5 Prozent stammten aus Drittstaaten und 3,2 Prozent aus weiteren EU-Staaten. Zusammengerechnet 11,7 Prozent der Menschen, die bis Ende Februar intensivpflichtig wurden, hatten also nicht die österreichische Staatsbürgerschaft.

Die Zahlen trudeln bei der GÖG zwar mit zweimonatiger Verzögerung ein, dafür seien sie sehr exakt, heißt es dort. Relativ gesehen sind den GÖG-Daten zufolge Ausländer sogar weniger häufig wegen Corona auf Intensivstationen als österreichische Staatsbürger. Denn Ausländer stellten 11,7 Prozent der Menschen in Intensivpflege, jedoch 17,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Es gibt also keine Hinweise darauf, dass mehr als 50 Prozent der Covid-19-Intensivbetten mit Migranten belegt sind. 

Top 5 Länder auf den Intensivstationen

Die Top-5-Länder, aus denen Intensivpatienten mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft kommen, sind die Türkei, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Deutschland und Rumänien. Das entspricht auch den größten Migrantengruppen in Österreich. Alle Länder bis auf Bosnien und Herzegowina finden sich auch in mehreren Epidemiephasen unter den fünf häufigsten Staatsangehörigkeiten der Covid-19-Infektionsfälle in Österreich.

Die Zahlen in dem AGES-Lagebericht, der vom Gesundheitsministerium zur Verfügung gestellt wurde, sind allerdings mit Vorsicht zu vergleichen, da die Nationalität bei einem großen Teil als unbekannt angeführt ist.

Doppelt so hohes Infektionsrisiko bei Migranten

Und wie sieht es mit dem Gerücht aus, dass Migranten stärker von Corona betroffen seien? Die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger von der Wirtschaftsuniversität Wien stellte mit Hinweis auf eine OECD-Studie fest, dass Migranten überdurchschnittlich stark von Covid-19 betroffen seien. In Ländern, für die entsprechende Daten vorliegen, hätten sie ein etwa doppelt so hohes Infektionsrisiko. Dafür gebe es mehrere Gründe wie beengte Wohnverhältnisse, Armut, weniger Möglichkeit zur Telearbeit, Sprachbarrieren oder mehr Vorerkrankungen: "All das macht sie exponierter vor dem Virus", erklärte sie.

Darauf wiesen auch Gesundheit Österreich und das Gesundheitsministerium hin. Laut dem GÖG-Sprecher hängen sowohl der Migrationshintergrund als auch der Sozioökonomische Status statistisch gesehen positiv zusammen. "Der Sozioökonomische Status wiederum beeinflusst die verfügbare Wohnfläche je Haushaltsmitglied, die wiederum einen Einfluss auf die Ansteckungswahrscheinlichkeit hat".

Werden Migranten im Impfplan bevorzugt?

Auch diese Behauptung taucht in der Debatte mehrfach auf. Aus dem aktuell geltenden Covid-19 Impfplan geht nicht hervor, dass Migranten bevorzugt werden. In Phase 3, wenn mit der breiten Impfung der Bevölkerung begonnen wird, ist von "Bewohnerinnen und Bewohner in engen/prekären Wohnverhältnissen (Gemeinschaftsunterkünfte etc.)" die Rede. Allerdings könne diese "Priorisierung aufgrund der Lebens- und Arbeitsverhältnisse" nur unter der Voraussetzung von ausreichend verfügbaren Impfstoffen erfolgen.

 

Kommentare (29)
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Irgendeiner
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Natürlich haben Migranten ein höheres Covidrisiko,weil wie die Dame

richtig sagte, die Umstände sind nicht ideal,wie bei armen Österreichern auch,denn das Virus ist intelligenter als Waldhäusel und kümmert sich nicht um Genealogie,aber Arme kommen bei vielen gesundheitlichen Dingen stärker in die Ziehung,das ist belegt und Dummen unbekannt.,Aber die Zumutung dieser Trottelei ist daß manche auch noch bei einer Pandemie mit bald 10.000 Toten auf Flüchtlinge abstellen,dabei sollten sie sich freuen daß sich das kleine Ding nicht am IQ orientiert.
Ich würde gerne wissen welcher geistferne Vollidiot als erster das Lügenmotto ausgab Flüchtlinge stehlen uns die Intensivbetten und in meiner Ablehnung von Körperstrafen werd ich langsam auch schwankend.Bande, blöde!

phroni27
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Stein

Auch ein Stein ist intelligenter als Waldhäusl und Konsorten...

Irgendeiner
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Ich seh den Strich,

ich hör keine Kritik, ich bin da,Du auch?

Sam125
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FAKTENCHECK!Bitte liebe Leute lest einfach das Interview,welches Frau Hirse Ali

erst vor ein paar Tagen der Kleinen Zeitung gegeben hat!Übertitel:Der Islam ist die größte Bedrohung für die Frauenrechte!
Dann wisst ihr bestimmt alle, ob
die Behauptung,dass die,im Internet kusueren,dass mehr wie 50% der Patienten in den Krankenhäusern Menschen mit Migrationshintergund sind,auch wirklich der Realität entspricht! kann!! Bitte lest einfach nach,oder macht euch im Internet über die Migrantin Hirse Ali schlau!!

Engelchen
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In Sozialen Medien wird spekuliert, dass mehr als 50 Prozent der Corona-Intensivbetten mit Migranten belegt sind. Aber stimmt das auch?

Das ist jetzt relevant weil? Immer noch auf der Suche nach Sündenböcken? Bitte Herr Waldhäusl, schauen Sie sich ihre Parteifreunde an und sie sich selbst im Spiegel (falls sie das noch können) - dann wissen Sie, wo Österreich ein Problem hat.

Tillennium
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Der Waldhäusl mal wieder

War das nicht der Typ, der behauptet hat, ausländische Tiere nehmen den heimischen Tieren die Tierheimplätze weg? Der Typ ist sowas von unnötig! Hat der schon jemals was geleistet?

future4you
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Wenn man keine Ideen hat

dann muss man halt auf uralt Strickmuster zurückgreifen.

Lepus52
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Wieviel Unsinn ist erträglich?

Alle, die auf der Intensivstation liegen, verdanken das Ausländern, denn das Virus stammt nicht aus Österreich. Leider wird es durch die Dummheit von Leuten, die Waldhäusl nahestehen, eingebürgert. Abstand halten, Hirn einschalten, Hände waschen, Maske tragen und das Virus wandert wieder aus. So einfach wäre das und dennoch erscheint es unmöglich?

RonaldMessics
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Die Leit....

....drehen durch.

ReinholdSchurz
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Gute Besserung 😉

Wenn das alles so stimmt haben wir Dummköpfe aus Naivität unsere Wirtschaft an die Wand gefahren und die eigenen Leute verraten 🙋🏻‍♂️

ha52583mvrhtcom
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Bissi zu doof mehr als die Überschrift zu lesen?

ReinholdSchurz
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Ich bin verwundert 🙆🏻‍♂️

Es ist schon die Überschrift ein Schlag ins Gesicht ich würde da einmal nach denken 🇦🇹💉🙋🏻‍♂️

Vem03
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Vergesst

es. Wenn es so wäre würde es nie offiziell bestätigt werden. Sonst kommt die R - Keule.

derhannes
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Interessantes Thema

Mich würde hingegen interessieren, wie viele der Menschen auf den Intensivstationen blauäugig sind, wie viele grünäugig und wie viele Braune Augen haben. Weil: Man hat ja sonst nichts zu tun, als Menschen irgendwie in Schubladen zu packen.

Nixalsverdruss
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Mich würde eher interessieren ...

... wie viele auf Intensivstationen sind "Anti-Coron-Demo-Teilnehmer" und wie viele auf Intensivstationen sind FPÖ-Wähler ...
(Satire off)

ha52583mvrhtcom
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Das ist definitv keine Satire.

Bluebiru
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@Nixalsverdruss

Das würde ich auch gerne wissen und ich meine das nicht als Satire.

Hapi67
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Klare Faktenlage

Stimmt so sicher, wie die Aussage über den Anteil von Familien, Frauen, Kinder und Alten bei der Frage Asyl.

Danke für den Faktencheck um Missverständnisse und bösartige Gerüchte auszuräumen.

Vielen Dank

STEG
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Waldhäusl

Geht's noch? Die FPÖ boykottiert alle Coronamaßnahmen und regt sich dann auf, dass Leute schwerkrank auf der Intensivstation landen. Das ist richtig schmutzig!

Hausverstand100
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OK, ich nehme zur Kenntnis:

Kommentare, welche nicht der erlaubten Meinung entsprechen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden halt nicht veröffentlicht.
Ob sich die Kleine Zeitung mit dieser Art der "Message Control" einen Gefallen tut, bleibt dahin gestellt.

KleineZeitung
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@Hausverstand100

Ihre Behauptung: Laut Ihrer Nachbarin "sind fast 2/3 der wegen Corona hospitalisierten (nicht nur Intensiv)
Menschen mit nicht österreichischer Herkunft" wird in diesem Artikel eindeutig widerlegt. Deshalb wurde er offline genommen.

styrianprawda
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@Hausverstand

Ihr Nick ist aber bloß Wunschdenken.
Ein massives.

ordner5
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Auffassung.

Was ist an der Benennung Migrant abwertend? Jeder bleibt seinem Herkunftsland lebenslang verbunden. Also bleibt er auch lebenslang
ein Zuwanderer,

Ratte
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Sich selbst vielleicht nicht, ...

..aber andererseits....

muschelkoch
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Die Querdenker und Menschenfreunde

Die kleinkarierten Nationalisten sehen nicht über den Tellerrand,

Lodengrün
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Waldhäusl

Da erspart man sich jeden weiteren Kommentar. Will ich ein Sittenbild der FPÖ aufrufen dann habe ich bei ihm den repräsentativen Querschnitt.

 
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