Vertreter der Bundesregierung und des Landes Tirol sind in der Nacht auf Montag ohne Ergebnis auseinandergegangen, was die Frage betrifft ob das Land ganz oder zumindest teilweise isoliert werden soll. Damit treten heute auch in Tirol sämtliche Lockerungen in Kraft, Handel, Dienstleistungen und Museen dürfen aufsperren - wie auch der Tiroler Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser Sonntagabend in der ZiB2 bestätigte.

Aus dem Landhaus hatte es gegen Mitternacht gelautet, die Gespräche seien vertagt worden, der weitere Fahrplan stehe noch nicht fest. Dieser werde vom Bund bestimmt und voraussichtlich am Montag besprochen. Der Verhandlungsmarathon dürfte sich mehr als gespießt haben und kontrovers verlaufen sein. Ein Streitpunkt soll allein schon die Faktenlage gewesen sein - etwa was die Verbreitung der südafrikanischen Mutation angeht. 

Zuletzt war sogar eine Isolation bzw. Quarantäne oder eine Lockdown-Verlängerung für Tirol im Raum gestanden. Seitens Anschobers hatte es geheißen, dass bis Sonntagabend "Bilanz" gezogen und dann eine Entscheidung bekanntgegeben wird.

Wie das Land mitteilte, lagen mit Stand Sonntagabend weiter nur acht aktiv-positive Fälle der "Südafrika-Mutante" vor. Die Gesamtzahl der zum Großteil im Nachhinein festgestellten Südafrika-Mutationen in Tirol lag bei insgesamt 165 bestätigten Fällen. Diese Zahlen wurden auch bereits am Samstag kommuniziert. Bei 230 weiteren Fällen liege ein Mutationsverdacht vor - davon seien 118 Fälle bereits teilsequenziert. Der Verdacht wird laut Land gemäß den von der AGES vorgegebenen Standards weiter abgeklärt. Bei den restlichen 112 Fällen liege der Verdacht aus einer PCR-Testung vor, wurde der Bericht der ZiB2 am Sonntag bestätigt. Dieser Verdacht ergebe sich aus einer Vorsequenzierung, so das Land. Bei den 118 teilsequenzierten Fälle sei die Sequenzierung jedoch bereits etwas detaillierter erfolgt.

Tiroler Politik machte sich gegen Abschottung stark

Indes wuchs der politische Druck aus Tirol am Wochenende - und vor allem am Sonntag - stetig an. Die schwarzen Präsidenten von Arbeiter-, Landwirtschafts- und Wirtschaftskammer sowie alle Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordneten machten mobil, sprachen sich gegen Verschärfungen aus und forderten dieselben "bedachtsamen Öffnungsschritte" für Tirol analog zum Bund. "Die Zahlen geben weder eine Verlängerung noch eine Abschottung Tirols her. Es kann doch nicht sein, dass man die Tiroler bestraft, weil wir hier schneller und vorsichtiger als andere agiert haben. Wir waren die ersten, die zu sequenzieren begonnen haben und nun darf uns daraus kein Strick gedreht werden", erklärte Landwirtschaftskammerpräsident Abg. Josef Hechenberger.

"Die Menschen im Lande haben über Monate alle Maßnahmen geduldig über sich ergehen lassen - jetzt ist aber wirklich genug", meinte AK-Chef Erwin Zangerl in Richtung Türkis-Grün in Wien. Und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser, der bereits am Samstag Gesundheitsminister Anschober scharf attackiert hatte, ließ wissen, eine Abschottung wäre ein "Schlag unter die Gürtellinie" und würde das Vertrauen in die Entscheidungsträger zerstören. "Wir dürfen und werden uns das nicht gefallen lassen", so Walser, schließlich liege man bei allen Zahlen unter dem Bundesschnitt.

Walser: "Wir sperren auf"

In der ZiB2 legte Walser nach. "Wir sperren morgen auf", meinte er. Tirol wolle einfach nur gleich behandelt werden wie alle anderen Bundesländer. Hinsichtlich der Corona-Zahlen warf er dem Gesundheitsministerium ein falsches Spiel vor: Er glaube, dass "massiv falsch informiert" bzw. mit falschen Daten gearbeitet werde, so Walser und wies auf die lediglich acht aktiv positiven Fälle hin.

Und schließlich stimmten am Sonntag auch die Tiroler ÖVP-Nationalräte Kira Grünberg, Alexandra Tanda, Rebecca Kirchbaumer, Franz Hörl und Hermann Gahr in den Chor ein und ließen die Parteifreunde und den Koalitionspartner im Bund wissen: "Wir stehen zu unserem Land und lehnen überschießende und sachlich nicht begründbare Schikanen ab. Die Betrachtung darf nicht nur aus virologischer Sicht passieren, sondern muss gesamtgesellschaftlich erfolgen. Diese Position werden wir auch in Wien in aller Klarheit vertreten."

Die Verschärfungs-Debatte ins Rollen gebracht hatte die Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer, die sich für eine Isolation sowie einen verlängerten Lockdown ausgesprochen hatte. Landeshauptmann Platter erteilte solchen Maßnahmen jedoch eine Absage, man setze stattdessen auf die mit dem Bund abgestimmten Maßnahmen wie etwa flächendeckende Tests und intensiviertes Contact-Tracing.