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Hartwig Löger Er wollte Pilot werden, jetzt wird er Kanzler

Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik wird mit Hartwig Löger ein gebürtiger Steirer Bundeskanzler - wenn auch nur für wenige Tage.

Hartwig Löger beerbt für wenige Tage Sebastian Kurz
Hartwig Löger beerbt für wenige Tage Sebastian Kurz © (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
 

Sebastian Kurz (ÖVP) dürfte den Titel des kürzest dienenden Regierungschefs bald wieder los sein. Denn Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird Hartwig Löger (ÖVP) am Dienstag mit den Regierungsgeschäften betrauen. Dabei war der Finanzminister erst
vor wenigen Tagen zum Vizekanzler aufgestiegen und wird wohl auch
seinen neuen Posten nicht lange behalten.

Denn als Vertreter der Regierung Kurz würde es ihm wohl kaum
gelingen, im Nationalrat eine stabile Mehrheit zusammenzubringen.
Immerhin war Löger erst Montagnachmittag mit seinen Kollegen vom
Nationalrat per Misstrauensantrag aus seinem Amt als Vizekanzler und
Finanzminister gebeten worden.

Immerhin, der wohlerzogene Finanzexperte wird beim EU-Gipfel in
Brüssel vermutlich ein ordentliches Bild abgeben. In seiner
bisherigen Polit-Karriere fiel der Steirer durch gute Manieren,
schnörkellose Rhetorik und solides Zahlenwerk auf.

Zur Person

Hartwig Löger, geboren 15. Juli 1965, in Selzthal
(Steiermark) aufgewachsen, verheiratet, zwei Kinder.
Vorstandsvorsitzender der UNIQA Österreich Versicherungen von 2013-2017, danach Finanzminister.

Löger kommt nicht aus typischem ÖVP-Umfeld. Aufgewachsen ist der
53-Jährige Obersteirer, zweifacher Vater und mittlerweile auch
Großvater, in der steirischen Eisenbahner-Metropole Selzthal. Sein
Vater war Heizer bei der Bahn. Wohl nicht zufällig gehört der
Modelleisenbahn-Bau zu Lögers größten Hobbys.

Nach der Matura am Stiftsgymnasium Admont ging Löger zum
Bundesheer, als ersten Schritt für seinen Wunschberuf Pilot. Eine
schwere Knieverletzung beendete diesen Traum allerdings, er musste
aussteigen und landete zufällig in der Versicherungsbranche,
zunächst ganz unten, im Verkauf bei einem Maklerunternehmen in Wien.

Bis 2016 Vorstandsvorsitzender UNIQA

Nebenbei absolvierte er Universitätslehrgänge an der WU, auch
einen Internationalen Managementlehrgang an der Uni St. Gallen - und
arbeitete sich nach oben, über den Verkaufsleiter Steiermark bei der
Allianz Versicherung, den Vertriebsleiter bei der Donau Versicherung
bis in die Geschäftsführung der UNIQA. Ab 2016 bis zu seinem
Einstieg in die Politik hatte er dort als Vorstandsvorsitzender die
Gesamtverantwortung für rund 5.000 Mitarbeiter.

In der Öffentlichkeit war Löger bis zu seiner Berufung in das
Kabinett Kurz kaum bekannt, zumindest aber schon in der Sportpolitik
aktiv. 2014 löste er den damaligen Wirtschaftsbund-Generalsekretär
Peter Haubner als Präsident der Sportunion ab. Das ist einer der
drei großen Breitensport-Dachverbände - den Statuten nach
parteiunabhängig, aber von den Spitzenfunktionären her fest in
ÖVP-Hand. Auch privat ist Löger sportlich, Tennis und Laufen zählen
zu seinen Hobbys.

Dass ihn Kurz für das Finanzressort ausgesucht hat, rührt auch
von einer längeren Bekanntheit her. Vor gut einem Jahrzehnt jobbte
der heutige Kanzler bei der Uniqa und fiel dem Seneca-Verehrer Löger
mit seinem wachen Verstand auf. Seither blieb man im Kontakt.

Die Erwartungen des jungen Kanzlers erfüllte Löger. Er schaffte
früher als gewollt ein Nulldefizit und brachte mit der FPÖ den
Entwurf für eine Steuerreform zustande. Die wird großteils zumindest
bis nach der Wahl liegen bleiben, ebenso wie die Vorarbeiten zum
Finanzausgleich. Dieser könnte seine härteste Aufgabe werden, sollte
es für den Übergangskanzler noch eine zweite Amtsperiode als
Finanzminister geben. Seine Ära als Kanzler dürfte dagegen schon
nach wenigen Tagen ein Ende finden.

 

Kommentare (2)

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tomtitan
0
2
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Vielleicht bleibt er Kanzler?

Wär ein guter Mann...

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eleasar
0
17
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Löger klingt nach einem Mann mit Zielen, Verantwortung, Verstand und Ambitionen.

Er hat Manieren, kann mit Rückschlägen umgehen, arbeitet sich von unten nach oben, bildet sich weiter, übernimmt Verantwortung in Familie, Beruf und Politik, betreibt Sport. Klingt nach einem Vorbild und würdigen Übergangs-Kanzler!

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