AsylwerberHunderte Lehrlinge von Abschiebung bedroht

Rund einem Dritten der rund 900 Lehrlingen mit Migrationshintergrund droht die Abschiebung. Laut Rechtsgutachten sollte bei ihren Asylverfahren das wirtschaftliche Wohl des Landes berücksichtigt werden.

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THEMENBIDL-PAKET: GLEICHBERECHTIGUNG MANN - FRAU / FRAUEN IN LEHRWERKSTAeTTEN
© APA/ANDREAS PESSENLEHNER
 

Von rund 900 Lehrlingen mit Migrationshintergrund ist derzeit ein Drittel von Abschiebung bedroht. Darauf wies am Freitag der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober (Grüne) hin. "In den kommenden Wochen drohen die ersten Abschiebungen, politische Lösung wurde aber noch immer keine gefunden", sagte Anschober am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Der grüne Landesrat forderte einmal mehr ein Ende der Abschiebungen von Asylwerbern, die gerade eine Lehre absolvieren. Anschober legte dazu auch ein Rechtsgutachten des Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte vor. Dieses Gutachten, das unter anderem besagt, dass das wirtschaftliche Wohl Österreichs bei der Interessensabwägung zur Prüfung der Zulässigkeit einer Rückkehrentscheidung berücksichtigt werden muss, will Anschober an die zuständigen Behörden und Gerichte weiterleiten.

Lehrlinge vor Abschiebung

15.200 Lehrlinge fehlen

In Zeiten eines "absoluten Fachkräftemangels", in denen bis zu 15.200 Lehrlinge in den Mangelberufen fehlen, sei nämlich Handlungsbedarf gegeben. Das zeige auch eine aktuelle Unternehmensbefragung der Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wonach 59 Prozent der österreichischen Unternehmen einen Mangel an Mitarbeitern als größtes Standortproblem sehen. "Die Rekrutierung von Fachkräften ist so schwierig wie noch nie, das bremst das Wachstum unserer Wirtschaft", betonte Gunther Reimoser von Ernst & Young.

Die Beschäftigung von Asylwerbern in Mangelberufen sei ein wesentlicher Teil der Lösung, erklärte Anschober. Laut einer Studie des Linzer Uni-Professors und Ökonomen Friedrich Schneider würde die Abschiebung eines Asylwerbers in Lehre betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 77.500 Euro bedeuten. Außerdem, so Anschober, sei die Absolvierung einer Lehre eine der wirkungsvollsten Integrationsmaßnahmen: "Damit entstehen eine Lebensperspektive und Freundschaften. Auch die Deutschkenntnisse werden verbessert. Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht."

Negative Asylbescheide

Von solchen Erfahrung wusste auch Christian Mastny von der Firma TopRein zu berichten. Bei ihm sind seit 2017 Qorban und Mustafa aus Afghanistan in Lehre. Inzwischen seien die beiden aus dem Betrieb nicht mehr wegzudenken. "Sie sehen hier wahrscheinlich einen Teil meines Managements der Zukunft", betonte Mastny. Das einzige Problem: Qorban und Mustafa haben in der ersten Instanz einen negativen Asylbescheid erhalten. Sollte die Berufung nicht erfolgreich sein, droht ihnen die Abschiebung.

Anschober sparte nicht mit Kritik an der Bundesregierung. "Sie nutzt das Thema der Migration nur zur Stimmungsmache und findet keine Lösungen. Das ist ein katastrophales Versagen." Wie eine Lösung schlussendlich im Detail aussehe, sei für ihn nebensächlich. Vorstellen kann sich Anschober aber eine "3plus2-Regelung", wie sie in Deutschland bereits angewendet wird. Flüchtlinge erhalten dabei die Möglichkeit, eine dreihjährige Lehrausbildung abzuschließen und danach eine zweijährige Anschlussbeschäftigung auszuüben.

Mit dem Zuspruch zu seiner Petition "Ausbildung statt Abschiebung" ist Anschober zufrieden: 52.000 Unterstützer, 62 Kommunen und 400 Unternehmen haben diese bisher unterzeichnet.

Kommentare (14)
Sonne100
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An die hier so g‘scheiten Schreiberlinge:

Ist Euch schon mal aufgefallen, dass es Stellenausschreibungen gibt, welche folgenden Passus enthalten:

... abgeleisteter Präsenzdienst... ?

Was heisst das? Habe ich den Präsenzdienst noch nicht erfüllt, so erhalte ich die Stelle nicht.
Jetzt übertrage ich dies auf den Asylbescheid. Heißt, habe ich keinen positiven Asylbescheid, dann ...
Na? Verstanden?

Mein Graz
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@Sonne100

Da wird für Mangelberufe händeringend nach Lehrlingen gesucht. Junge Österreicher sind nicht interessiert, junge Asylwerber schon, weil die buchstäblich jede Arbeit machen und froh sind, einen Job zu haben.

Was sollen wir machen:
a) Die Ausbildungsplätze in Mangelberufen unbesetzt lassen, die Chefs, die ausbilden wollen, müssen halt schaun, wo sie Leute herkriegen.
b) Asylwerber, die gerne einen Beruf erlernen wollen, diesen erlernen lassen und somit die Lücke in Mangelberufen füllen.
c) alle Asylwerber einfach als nicht integrierbar, weil zu faul zum Arbeiten und zu dumm zum Deutschlernen hinstellen.

Wer die richtige Antwort kennt bekommt 100 Punkte...

Sonne100
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Ach so,

Dann rechtfertigt also die Wirtschaft sämtliches Handeln, auch über Gesetze hinweg. Dann bist bestimmt auch - lieber Grazer - für die 60 Stunden-Woche.
Wie wäre es bei Mangelberufen die Rahmenbedingungen zu verbessern? Mehr Gehalt
, bessere Freizeitmöglichkeiten usw., dann hat es sich erledigt mit „Mangel“.

heinz31
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Wieso

lässt man überhaupt Migranten ohne einen positiven Asylbescheid eine Lehre beginnen?
Und wenn doch, dann muss man ja damit rechnen, abgelehnt zu werden.

X22
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Kurze Richtigstellung; Als Migrant im Allgemeinen muss ich keinen Asylbescheid haben, für Migranten ist das Fremdengesetz und Einbürgerungsgesetz das Mass der Dinge.

Im Unterschied zu Asylsuchenden droht Migranten keine Verfolgung in ihren Heimatländern und sie können jederzeit gefahrlos in diese zurückkehren. Sie verlassen ihre Heimat, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, um in anderen Ländern zu arbeiten oder aus familiären Gründen. Gleichzeitig wollen Migranten oft der Not und Armut in ihren Länder "entfliehen". Auch Personen aus anderen EU-Staaten, die sich in Österreich ansiedeln, sind formal gesehen Migranten.

Drehe die Frage mal um, warum soll es nicht so sein, es ist eine Win-Win Situation für beide, der der Lehrlinge sucht und der der auf seinen Asylbewerbung wartet, beiden wird dabei geholfen.
Und warum soll eine(r) abgeschoben werden, der sich integrieren will, nur weil er es keinen Asylgrund gibt, man kann diejenigen auch als Migranten mit einer für die Wirtschaft in Zukunft (wenn nicht schon jetzt) wichtige zukünftige Fachkraft sehen.
Wer gestern die Anfrage bezüglich dieser Problematik (Antrag von den Neos "3+2") gesehen hat ist den jetzigen Endscheidern dies egal, auf der anderen Seite zur gleichen Zeit, wollen sie diesen Notstand (zukünftigen) mit Mehrarbeit ausgleichen.
Und selbst eine Ablehnug würde dem "Lehrling" einen Erfahrung für die Zukunft bringen.
Und wenn man den Argumenten der FPÖ gelauscht hat, blitzte da nur eine Sache in den Vordergrund, ihre "Ideologie die sie verinnerlicht haben.

mapem
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Das ist ganz einfach, Heinzi: 1) Als letzte aller einheimischen Bewerber hat die Chantall Hinterbergner und der Kevin Birnbaumer die Lehrstelle doch nicht angenommen, weil die Arbeit uncool ist und man zum PC-Gamen zu wenig Zeit hat – da probiert man halt nebenbei doch noch weiter das BORG.

2) Dem Ali Kalifati, der schon monatelang hier als Asylwerber auf einen Bescheid wartet, ist beim Nasenbohren doch schon ziemlich langweilig – und weil er auch noch der einzige beim Vorstellen war, der sein Kapperl abgenommen und nicht gleich per du mit dem Chef war, hat er gleich auch die Probezeit antreten können.
3) Der Chef hat sich auch noch gewundert, dass der Ali ziemlich zuverlässig ist und ziemlich schnell begreift und lernt … und wenn er zum Schluss noch die Werkstatt zusammenkehren muss, motzt er nicht, wie der Marcel Prunzinger, der vorher nur 2 Wochen der Probezeit geschafft hat.
4) Und dann gibt´s da gar nicht so blöde Typen, die sagen, dass sich der Ali besser und schneller integriert, wenn er in unser berufliches und ziviles Leben Eingang findet. Da merkt der Ali auch gleich, dass daheim sein Pascha-Papa auch nicht unbedingt einzig und allein weiß, wie der Hase läuft – und die Frau vom Chef auch nicht unbedingt Tag und Nacht im Ein-Mann-Zelt durch die Gegend läuft – dass das Leben also viel bunter ist, als es zuvor daheim beim Nasenbohren im Asylantenquartier war.

… und da könnte ich dir jetzt noch etliche weitere Punkte anführen … aber wenn´s dich interessiert – man hat heute wirklich tolle Möglichkeiten, etwas Licht ins Dunkel zu bringen – frag den Ali …

6N90XN8ZW1THYHOG
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Naja, ein zugereister "Untermensch" muss in jedem Fall ein "Untermensch" bleiben, auch wenn er alle von Ihnen beschriebenen positiven Eigenschaften mitbringt!


Warum?
Ganz einfach, weil der "Scheff" damit die Wahl gewonnen hat, und außerdem steht´s im schwarz-blauen Koalitionsabkommen, so wie das Tschicken!
Und, übrigens: Jeder zweite Satz MUSS mit "Asyl ..." beginnen, dann vergessen die Schlichten nicht, wen sie fürchten müssen - dabei gäbe es ganz andere, vor welchen sie das tun müssten ...

Irgendeiner
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Und warum gibt man Euch

um teures Geld eine Schulbildung wenn das ohnehin nichts nützt, Fragen über Fragen.

koi1956
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Hmmm...

Meister!!SCHULPFLICHT etwa??

Irgendeiner
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Die Flossi, ist ja selbst Ausdruck

einer Hoffnung die sich sichtbar nicht erfüllt.

X22
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Aja, die SCHULPFLICHT ist schuld, dass es bei euch nichts nützt.

Qed

koi1956
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X22???

Was bitte wollen Sie mit EUCH sagen??

X22
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Antwort

Irgendeiner
vor einem Tag

Und warum gibt man ".....Euch...."

um teures Geld eine Schulbildung wenn das ohnehin nichts nützt, Fragen über Fragen.
Und warum gibt man Euch

um teures Geld eine Schulbildung wenn das ohnehin nichts nützt, Fragen über Fragen.

X22
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So sollte sie lauten zu schnell enter gedrück

Irgendeiner
vor einem Tag
Und warum gibt man "Euch" eine Schulbildung, wenn es nichts nützt?

"Hmmm...Meister!!SCHULPFLICHT etwa??", das begründet zwar warum die Kosten-Nutzen Rechnung der Bildung, keine besonders guten Resultate erbringt, aber es ist auch deswegen so wichtig Bildung an vorderster Stelle zu behandeln, aber nicht die Antwort auf die Frage